Umfrage Manager verlieren das Interesse an TTIP

Überraschende Wende: Die deutsche Wirtschaft verliert laut einer Umfrage zunehmend das Interesse an einem transatlantischen Freihandelsabkommen. Kritiker sollten aber nicht zu früh jubeln.

Chlor-Hühnchen contra Pferde-Lasagne
Chlor-Hühnchen Quelle: dpa
 Keimbombe verzehrfertiger Salat Quelle: Fotolia
Radioaktiv bestrahlte Lebensmittel Quelle: Fotolia
H-Milch Quelle: REUTERS
Hormon-Fleisch Quelle: AP
Gentech-Gemüse Quelle: AP
 Rohmilchkäse Quelle: AP
Klonfeisch Quelle: dpa
Antibiotika-Schnitzel Quelle: dpa
Pferde-Lasagne Quelle: dpa
Schweinefüße Quelle: REUTERS

Schlechte Nachrichten für EU-Kommission und Bundesregierung: Die deutsche Wirtschaft – gemeinhin als größter Profiteur einen transatlantischen Freihandelsabkommens genannt – verliert zunehmend das Interesse an den Verhandlungen. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag des Handelsblatts verfolgen nur noch 38 Prozent der Führungskräfte die Gespräche zwischen den USA und der Europäischen Union „aufmerksam“. Fast zwei Drittel schenken den Verhandlungen kaum noch Beachtung. Vor allem kleine und mittelständische Unternehmen haben demnach andere Dinge im Kopf, als sich über den aktuellen Stand von TTIP zu informieren.

Das Freihandelsabkommen steht seit Wochen und Monaten in der Kritik. Berechtigte Sorgen – etwa über intransparente Schiedsgerichte und verzerrte Wirtschaftsprognosen – haben sich mit Mythen – angefangen vom Chlorhühnchen bis zur Behauptung, nur Konzerne würden profitieren – vermengt. Die Folge: Nur noch 41 Prozent der Deutschen halten TTIP für eine gute Sache.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Hier steht ein Element, an dem derzeit noch gearbeitet wird. Wir kümmern uns darum, alle Elemente der WirtschaftsWoche zeitnah für Sie einzubauen.

Die EU-Kommission hat inzwischen reagiert. Sie tourt durch Europa, um für das Abkommen zu werben. Sie hat klare Grenzen in ihren Verhandlungspositionen formuliert und Reformvorschläge zu den umstrittenen Schiedsgerichten eingereicht. Für viele Deutsche offenbar nicht genug. Sie haben sich ihre Meinung gemacht und scheinen, so jedenfalls Familienunternehmer Lutz Goebel, „eine gewisse postkapitalistische Bequemlichkeit“ an den Tag zu legen.

Auch wenn die neuesten Zahlen der Forsa-Umfrage Wasser auf die Mühlen der Kritiker ist: Von einer generellen Abkehr der Unternehmer von TTIP kann keine Rede sein. 56 Prozent der Befragten glauben, dass die deutsche Wirtschaft von einem Abkommen profitieren würde. Fast jeder zweite Manager fordert, dass sich die Bundesregierung stärker für einen Abschluss des Abkommens engagieren sollte.

Deutschland ist mit Blick auf TTIP gespalten. Von einem Scheitern der Verhandlungen sollten die Kritiker aber noch nicht zu früh träumen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%