Umstrittene Konjunkturstützen Berlin und Paris wollen Kreditverbriefungen wiederbeleben

Exzesse am Verbriefungsmarkt gehörten zu Auslösern der Finanzkrise. Aber in Zukunft heißt es: Statt „Ramsch“-Papiere sollen es Titel mit „Hoch-Qualität“ sein.

Frankreich und Deutschland wollen die Konjunktur in Europa ankurbeln. Quelle: dpa

Deutschland und Frankreich wollen die anhaltende Kreditknappheit in weiten Teilen Europas bekämpfen - und damit die schleppende Konjunktur im Euroland ankurbeln. Dazu soll das durch die Finanzkrise in Verruf geratene Geschäft mit so genannten Kreditverbriefungen wiederbelebt werden.

Angestrebt werde eine Wiederbelebung von Verbriefungen mit hoher Qualität, sagte Schäuble am Dienstag bei den Haushaltsberatungen des Bundestages. Zusammen mit seinem französischen Kollegen Michel Sapin will Schäuble den EU-Finanzministern Ende der Woche bei ihrem Treffen in Mailand entsprechende Vorschläge unterbreiten, wie das Umfeld für Investitionen verbessert werden könne, bekräftigte Schäuble.
Dabei gehe es nicht nur um die Finanzierung, sondern um tatsächliche Investitionen. Hintergrund der Initiative ist die anhaltende Kreditknappheit in weiten Teilen Europas. Das behindert Investitionen und das Wirtschaftswachstum. Bei einer Verbriefung bündelt eine Bank Darlehen ihrer Kunden zu Paketen und verkauft sie in Form von Wertpapieren an Investoren weiter. Das entlastet Banken beim Eigenkapital und erhöht den Spielraum für neue Darlehen. Käufer der Papiere erhalten dafür eine höhere Rendite als bei anderen Anlagen.

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Es gehe um marktfähige Papiere, sagte er mit Blick auf Pläne der Europäischen Zentralbank (EZB), solche Titel aufzukaufen, sagte Schäuble. Auch auf Ebene der führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) werde an solchen „Hoch-Qualitäts“-Verbriefungen gearbeitet. Exzesse an den Verbriefungsmärkten gehörten aber zu den Auslösern der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Vor deren Beginn 2007 wurden Kreditforderungen gebündelt und als forderungsbesicherte Wertpapiere an Investoren verkauft - als „Asset Backed Securities“ (ABS). In der Folge wurden immer höhere Risiken eingegangen. Auch die EZB will den Markt für verbriefte Mittelstandskredite wieder beleben. Sie hatte kürzlich angekündigt, europäischen Banken ABS-Papiere abzukaufen.

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Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstag) wollen Schäuble und Sapin ein einerseits strenges, zugleich aber gut handhabbares, transparentes und europaweit einheitliches Regelwerk schaffen, das die Geldhäuser zu Verbriefungen ermuntert. Dazu zählten auch klare Ausschlusskriterien für bestimmte Verbriefungsformen. Zudem wollten Deutschland und Frankreich verhindern, dass Banken Kredite, die korrekt bedient werden, in ihren Büchern halten und nur ausfallbedrohte Darlehen weiterreichen. Am Ende sollten „High-Quality-Verbriefungen“ stehen, die mit Zockerpapieren der Vergangenheit nichts mehr zu tun hätten, schreibt das Blatt weiter. Dazu beitragen solle auch eine strenge Aufsicht.

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