Unruhen in der Ukraine Kampfjets wurden von Russland aus abgeschossen

Die Unruhen nehmen kein Ende: Am Mittwoch wurde bekannt, dass prorussische Separatisten in der Ostukraine zwei Kampfjets der ukrainischen Luftwaffe abgeschossen haben sollen.

Bewaffnete Separatisten patroullieren am Absturzort der Boeing 777. Quelle: dpa

Der Abschuss von zwei ukrainischen Militärjets über der Ostukraine ist der Regierung in Kiew zufolge „vom Territorium der Russischen Föderation aus“ erfolgt. Die Kampfflieger seien in 5200 Metern Höhe unterwegs gewesen, was zu hoch sei für schultergestützte Raketenwerfer der Separatisten, sagte Andrej Lyssenko vom Nationalen Sicherheitsrat am Mittwoch in Kiew. „Die Maschinen wurden von mächtigen Luftabwehrraketensystemen beschossen - vorläufigen Informationen nach von Raketen vom Territorium der Russischen Föderation aus.“ Die Ukraine hatte bereits in der Vergangenheit erklärt, ihre Militärflugzeuge seien von russischem Territorium aus abgeschossen worden. Moskau hatte dies stets bestritten.

„Das Schicksal der Piloten ist ungeklärt“, sagte der Presseoffizier Alexej Dmitraschkowski in Kiew. Die Aufständischen hatten in den vergangenen Wochen mehrfach ukrainische Militärflugzeuge, darunter auch Kampfjets, abgeschossen. Die USA haben die Separatisten beschuldigt, auch die Boeing der Malaysia Air mit einer Rakete zerstört zu haben.

Seit Wochen kämpft die ukrainische Armee gegen die prorussischen Separatisten, die Teile der Ostukraine kontrollieren. Den Separatisten zufolge wurden am Mittwoch zwei Maschinen vom Typ Suchoi Su-25 getroffen. „Ein Pilot rettete sich bei Sneschnoje per Schleudersitz, die zweite Maschine flog zunächst schwer getroffen Richtung Norden weiter“, sagte ein Sprecher.

Bereits am Vortag habe die „Volkswehr“ zwei Suchoi-Jets abgeschossen, behauptete er. Die Aufständischen benutzen dazu nach eigenen Angaben tragbare Raketenwerfer, die laut Experten aber nur für Treffer in niedrigen Flughöhen geeignet sind.

Fragen und Antworten zum Absturz von MH17

Das malaysische Verkehrsflugzeug

Vergangenen Donnerstag war ein malaysisches Verkehrsflugzeug auf dem Weg von Amsterdam nach Kuala Lumpur in der Region vermutlich von einer Rakete getroffen worden. Alle 298 Insassen wurden getötet.

Am Mittwoch ist die Überführung der Toten in die Niederlande angelaufen. Eine Transportmaschine der niederländischen Luftwaffe startete am Mittwoch in Charkiw mit 16 Särgen an Bord nach Eindhoven. In einer Kaserne bei Hilversum soll die Identifizierung der Opfer beginnen. Die Flugschreiber der Unglücksmaschine trafen unterdessen zur Auswertung in Großbritannien ein. Rasche Ergebnisse wurden nicht erwartet. Allein das Auslesen der Daten wird nach Angaben des britischen Verkehrsministeriums mindestens 24 Stunden dauern.

Absturzursache weiterhin unklar

Vermutet wird, dass die Maschine am Donnerstag von einer Boden-Luft-Rakete getroffen wurde. Die Rakete wurde nach Darstellung der USA aus von Rebellen kontrolliertem Gebiet abgefeuert. Die prorussischen Separatisten bestreiten aber eine Beteiligung. Nach Einschätzung von US-Geheimdiensten haben Separatisten das Flugzeug versehentlich abgeschossen. In US-Geheimdienstkreisen wurde am Dienstag aber eingeräumt, die USA wüssten nicht, wer genau die Rakete abgefeuert habe.

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In der umkämpften ostukrainischen Industriestadt Donezk sind die pro-russischen Separatisten nach Darstellung des ukrainischen Militärs auf dem Rückzug. Die Aufständischen hätten in Scharen Stellungen in den Außenbezirken aufgegeben und sich in das Zentrum der Stadt zurückgezogen, erklärte das Militär. Einwohner berichteten, dass die Separatisten in der Innenstadt Schützengräben vor der Universität ausgehoben hätten. In deren Studentenwohnungen hätten zuletzt die Rebellen gelebt. Schwere Kämpfe wurden den zweiten Tag in Folge auch aus der Region Luhansk gemeldet, der zweiten noch von den Separatisten kontrollierten Stadt. In der Donezk-Region wurden seit Ausbruch der Kämpfe im Frühjahr nach Angaben von Mitarbeitern im Gesundheitswesen 432 Menschen getötet und 1015 verletzt.

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