US-Ökonom Joseph Stiglitz Wie der Euro gerettet werden kann

Deutschland geht es nur gut, weil es den Nachbarländern schlechter geht - meint der berühmte US-Ökonom Joseph Stiglitz. Seine Antworten zur Euro-Krise muss man nicht teilen - aber er stellt die richtigen Fragen.  

Trotz der relativ guten Lage für Deutschland, ist die Eurokrise noch längst nicht überwunden. Quelle: Fotolia

Der Opernturm mitten in der Frankfurter City ist eine illustre Adresse der internationalen Finanzelite. US-Finanzinstitute wie Blackrock, Banken und internationale Anwaltskanzleien residieren in dem modernen Hochhaus an der Bockenheimer Landstraße. Wenn hier eine Kanzlei ihr neues Büro einweiht, dann muss auch der Gastredner einiges her machen - sonst kommt ja keiner. Die Kanzlei Shearman & Sterling lud den US-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz diese Woche in ihr neues Domizil auf der 13. Etage ein. Ausgerechnet Stiglitz? Der gilt doch als ausgemachter Kapitalismuskritiker, der gern mehr Eingriffe des Staates in die Wirtschaft fordert.

Der Krise in Euroland widmet sich Stiglitz an diesem Abend. Die sei noch längst nicht ausgestanden, konstatiert der US-Ökonom. Sicherlich sei es eine erfreuliche Nachricht, dass die Arbeitslosigkeit in Spanien nicht mehr steigt, aber sie falle auch nicht. Er benutzt, wie es die Amerikaner ja besonders gut können, ein schönes Bild, das beschreibt, warum wir noch längst nicht von Erholung in Euroland sprechen können.

„Wenn wir einen Niedergang aufhalten, dann ist das noch keine Erholung. Das ist so, als wenn einer eine Klippe runterspringt und auf dem Grund landet. Dann ist er zwar gelandet, aber er hat sich sicherlich etliche Knochen gebrochen.“

Doch noch sei nicht alles verloren, so der Nobelpreisträger. Der Euro könne gerettet werden. Aber dafür sei ganz dringend eine Reform der Struktur des Eurosystems notwendig.

Europas Baustellen
Arbeitslose stehen vor einem Jobcenter in Madrid Schlange Quelle: dpa
Seit dem 01.01.2014 sind die letzten Jobschranken für Rumänen und Bulgaren gefallen. Quelle: dpa
Die Flagge der Europäischen Union weht im Wind. Quelle: dpa
Verhandlungsführer des Transatlantischen Freihandels- und Investitionsabkommens (TTIP) Ignacio Bercero und Dan Mullane. Quelle: REUTERS
Die große Euro-Skulptur steht in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa
Hetze gegen die EUIm Europa-Parlament machen Antieuropäer wie Marie Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National in Frankreich und Rechtspopulist Geert Wilders von der niederländischen Freiheitspartei PVV Stimmung gegen das sogenannte "Monster Brüssel". Als Bündnispartner ziehen sie gemeinsam in die Europawahl, um ihre Rolle zu stärken. Was derzeit noch eine Randerscheinung ist, könnte mit ihrer europafeindlichen Rhetorik bis Mai 2014 aber schon viele Wähler aus der bürgerlichen Mitte auf ihre Seite gebracht haben, so das Ergebnis einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Centre for European Studies. Die Wirtschafts- und Euro-Krise mache es ihnen leicht, den Hass auf die EU zu schüren. Quelle: AP
Mitglieder des Europäischen Parlaments während einer Sitzung in Straßburg (Frankreich).i Quelle: dpa

Was er damit genau meint? Das Eurosystem könne nicht funktionieren, wenn Deutschland einen enormen Überschuss bei den Exporten erziele. Deutschland gehe es doch nur deshalb besser, weil es den anderen so schlecht gehe.  

Das größte Problem sei der Euro, stellt Stiglitz fest. Der Euro habe ein instabiles System kreiert, ein System, das nicht gut implementiert worden sei. Auch hier kann der Ökonom nur altbekannte Argumente liefern: Die Gemeinschaftswährung benachteilige die Peripherieländer.  Diesen fehle doch mit der gemeinsamen Währung das Mittel, eine Abwertung ihrer Währung vorzunehmen.

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