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Vatikan Die Last des Alters zwingt den Papst zum Amtsverzicht

Joseph Ratzinger nennt sein Alter als Rücktrittsgrund. Seit 700 Jahren hatte kein Pontifex auf das Amt verzichtet. Der Bruder von Benedikt XVI., Georg Ratzinger, war bereits vorher von der Entscheidung eingeweiht.

Der deutsche Papst tritt zurück. Quelle: dapd

Schock für die katholische Weltkirche: Papst Benedikt XVI. tritt völlig überraschend aus Altersgründen zurück. Er werde sein Pontifikat am 28. Februar beenden, sagte der 85-jährige Joseph Ratzinger am Montag vor Kardinälen in Rom. Schon bis Ostern soll ein Nachfolger für den Stuhl Petri gewählt werden. Der erste deutsche Papst seit fast 500 Jahren ist seit 2005 Oberhaupt von mehr als einer Milliarde Katholiken.

Zuletzt hatte ein Papst vor mehr als 700 Jahren freiwillig sein Amt niedergelegt. Nach dem Ende seines Pontifikats wird Benedikt in ein Kloster im Vatikan umziehen. Die Rücktrittsentscheidung ist nach Vatikanangaben nicht auf eine akute Erkrankung des Papstes zurückzuführen. Weltweit wurde die historische Entscheidung mit großer Überraschung, aber auch mit höchstem Respekt aufgenommen.

In seiner Ansprache sagte Benedikt in lateinischer Sprache, er spüre das Gewicht der Aufgabe, dieses Amt zu führen, habe lange über seine Entscheidung nachgedacht und sie zum Wohl der Kirche getroffen. Wörtlich sagte der Papst: „Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.“

Benedikt XVI. – der Papst, der aneckte
Entscheidungen von Papst Benedikt XVI. haben in seiner Amtszeit immer wieder für Unverständnis und Empörung gesorgt. Die umstrittensten davon im Überblick... Quelle: dpa
12. September 2006: Die "Regensburger Rede" des Papstes führt zu einem Entrüstungssturm in der islamischen Welt. Der Papst hatte aus einem Schriftstück des 14. Jahrhunderts zitiert, in dem es heißt, Mohammed habe der Welt "nur Schlechtes und Inhumanes" gebracht. Quelle: dpa
27. Juni 2007: Als Zugeständnis an die Traditionalisten befürwortet der Papst Gottesdienste im traditionellen Ritus und hebt damit rund 40 Jahre alte Beschränkungen auf. In der "tridentinischen Messe" spricht der Priester Latein und wendet der Gemeinde den Rücken zu (Foto). Mit seinem Schritt weckt der Papst Befürchtungen, er wolle auch andere Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils rückgängig machen. Quelle: AP
10. Juli 2007: Der Vatikan bekräftigt den Anspruch der Katholischen Kirche als einzig wahre Kirche und löst damit eine Welle des Zorns aus. Andere christliche Vereinigungen wie die Protestanten seien "keine Kirchen im eigentlichen Sinn", heißt es in einem von Benedikt ausdrücklich gebilligten Dokument. Quelle: dapd
5. Februar 2008: Der Papst führt eine Sonderform der umstrittenen Karfreitagsfürbitte ein. Darin heißt es übersetzt: "Lasst uns auch beten für die Juden, auf dass Gott, unser Herr, ihre Herzen erleuchte, damit sie Jesus Christus als den Retter aller Menschen erkennen." Nach Ansicht von Kritikern wird damit - indirekt - zur Missionierung der Juden aufgerufen Quelle: dapd
24. Januar 2009: Nach über 20 Jahren hebt Papst Benedikt die Exkommunizierung von vier Bischöfen der traditionalistischen Piusbrüderschaft auf, welche vom ultrakonservativen französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet worden war. Unter ihnen ist auch der britische Bischof Richard Williamson (Foto), der den Holocaust leugnet. Quelle: dpa
11. Februar 2013: Der Papst gibt bekannt, sein Amt zum Ende des Monats niederzulegen. Er habe nicht mehr genug Kraft. In 2000 Jahren Kirchengeschichte gab es zuvor nur einen einzigen Rückzug aus freien Stücken: Papst Coelestin V. gab am 13. Dezember 1294 nach nur fünf Monaten freiwillig sein Amt auf. Er war völlig überfordert. Quelle: dapd

Kloster für den Ruhestand muss umgebaut werden

Er sei sich der Schwere dieser Entscheidung wohl bewusst, sagte der Papst. Dennoch erkläre er mit voller Freiheit, das ihm am 19. April 2005 von den Kardinälen anvertraute Amt auf dem Stuhl Petri abzugeben. Die Kardinäle sollten für die Wahl eines neuen Kirchenoberhauptes zusammenkommen. Nach den Worten von Vatikansprecher Federico Lombardi könnte bis Ostern ein neuer Papst gewählt sein. Ein genauer Zeitplan stand aber noch nicht fest.

Zuletzt hatte 1294 ein Papst aus freien Stücken sein Amt abgegeben. Das war Coelestin V. 1409 wurde Gregor XII. abgesetzt, trat aber erst sechs Jahre später offiziell zurück.

Bevor Benedikt in das Kloster einziehen könne, müssten noch Umbauarbeiten abgeschlossen werde, sagte Lombardi. Benedikt wolle dort ein Leben in Gebet und Meditation führen. Für die Übergangszeit werde er in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen.

Auf dem Petersplatz in Rom herrschte nach der Ankündigung Benedikts ungläubiges Staunen unter den Touristen und Gläubigen. Italiens Regierungschef Mario Monti nahm die Nachricht erschüttert auf. Die Bundesregierung in Berlin reagierte bewegt und mit Respekt auf die Ankündigung.

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