WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Verdächtige Target-Salden Hans-Werner Sinn warnt vor Italien

Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn weist auf eine Kapitalflucht aus Italien hin – und interpretiert dies als ein Zeichen, dass die Euro-Krise nicht gelöst ist. Stimmt das?

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Europas Baustellen
Arbeitslose stehen vor einem Jobcenter in Madrid Schlange Quelle: dpa
Seit dem 01.01.2014 sind die letzten Jobschranken für Rumänen und Bulgaren gefallen. Quelle: dpa
Die Flagge der Europäischen Union weht im Wind. Quelle: dpa
Verhandlungsführer des Transatlantischen Freihandels- und Investitionsabkommens (TTIP) Ignacio Bercero und Dan Mullane. Quelle: REUTERS
Die große Euro-Skulptur steht in Frankfurt am Main vor der Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB). Quelle: dpa
Hetze gegen die EUIm Europa-Parlament machen Antieuropäer wie Marie Le Pen, Chefin der rechtsextremen Front National in Frankreich und Rechtspopulist Geert Wilders von der niederländischen Freiheitspartei PVV Stimmung gegen das sogenannte "Monster Brüssel". Als Bündnispartner ziehen sie gemeinsam in die Europawahl, um ihre Rolle zu stärken. Was derzeit noch eine Randerscheinung ist, könnte mit ihrer europafeindlichen Rhetorik bis Mai 2014 aber schon viele Wähler aus der bürgerlichen Mitte auf ihre Seite gebracht haben, so das Ergebnis einer Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung und des Centre for European Studies. Die Wirtschafts- und Euro-Krise mache es ihnen leicht, den Hass auf die EU zu schüren. Quelle: AP
Mitglieder des Europäischen Parlaments während einer Sitzung in Straßburg (Frankreich).i Quelle: dpa

Der wohl bekannteste deutsche Ökonom Hans-Werner Sinn ist berüchtigt für seine scharfe Kritik. Nicht zuletzt auch gegenüber der Europäischen Zentralbank. Er steht aber auch für nüchterne und sachliche Analysen gerade hinsichtlich der Eurokrise, die sich nicht vom Trend vermeintlicher politischer Korrektheit beeinflussen lassen. So forderte er erst kürzlich einen Schuldenschnitt für Griechenland, da das Land keine Chancen habe, die Kredite je zurückzuzahlen.

Wo sich die Schuldensünder der Euro-Zone verbessert haben


Nun könnte Sinn eine erneute Debatte über ein mögliches Auseinanderbrechen der Währungsunion angestoßen haben. So hatte er darauf hingewiesen, dass sich seiner Ansicht nach eine Kapitalflucht aus Italien anbahne. Rund 80 Milliarden Euro seien aus dem Land seit Juli 2014 abgezogen worden, alleine im Dezember seien es 13 Milliarden Euro gewesen. „Der neue Anstieg ist […] ein untrügliches Zeichen dafür, dass die Eurokrise nur geschlummert hat und keinesfalls als gelöst gelten kann“, sagte Sinn.

Target-Salden der Notenbanken

Die 80 Milliarden Euro an abgeflossenem Geld entnimmt Sinn den sogenannten Target-Salden der nationalen Notenbanken. Die Target-Salden messen die Zahlungen innerhalb der Eurozone von einem Mitgliedsland ins andere. Vor der Euro-Krise waren diese Salden im Euroraum nahezu ausgeglichen. Während der Krise hatten sie sich allerdings extrem zu Lasten der Euronordländer verschoben – allein die Bundesbank hielt zwischenzeitlich Forderungen in Höhe von rund 750 Milliarden Euro gegenüber dem Eurosystem. Auf der anderen Seite hatten sich Target-Verbindlichkeiten der Euro-Krisenländer von annähernd einer Billionen Euro angesammelt. Auch Italien stand damals beim Euro-System beziehungsweise den Euro-Nordländern mit bis zu 289 Milliarden Euro in der Kreide.

Starker Norden, schwacher Rest
Platz 81 - Griechenland:Griechenland ist am härtesten von der Euro-Krise getroffen worden – überwunden hat es sie noch lange nicht. Der griechische Gütermarkt liegt weltweit auf Platz 85, was zum einen an dem schwachen Wettbewerb liegt (Rang 71) und zum andern an dem unflexiblen Arbeitsmarkt (Rang 118). Nichtsdestotrotz fruchten die Reformen: Das Haushaltsdefizit hat sich verringert. Will Griechenland wieder wettbewerbsfähig werden, ist die Arbeit damit aber noch lange nicht getan. Griechenlands Institutionen sind nach wie vor ineffizient, ebenso die Regierung (Rang 129). Der Finanzmarkt hat sich von der Krise bis heute nicht erholt (Rang 130), genau so wenig der Bankensektor (Rang 141). Der Zugang zu Krediten gehört zu einem der größten Probleme der griechischen Wirtschaft (Rang 136). Die Innovationsfähigkeit Griechenlands (Rang 109) und das Bildungssystem (Rang 111) sind ebenfalls große Baustellen. Es ist noch viel zu tun. Quelle: dpa
Platz 49 - Italien:Weit vor Griechenland aber immer noch weit entfernt von einer Topplatzierung liegt Europas drittgrößte Volkswirtschaft: Italien. Die staatlichen Institutionen gelten als ineffizient (Rang 106) genau so wie die Arbeit der Regierung (Rang 143). Der Arbeitsmarkt ist unflexibel und trägt nicht zum Aufschwung bei (Rang 136). Auch finanziell läuft es in Italien nicht besonders gut. Die Unternehmen leiden nach wie vor unter den Schwierigkeiten, an frisches Geld zu kommen (Rang 139) und an den hohen Steuern (Rang 134). Italien hat Reformen dringend nötig, die helfen, seine guten Voraussetzungen zu nutzen. Es verfügt über starke Unternehmen (Rang 25), die ein nicht zu verachtenswertes Innovationspotenzial haben (Rang 39) und sich auf wettbewerbsintensiven Märkten messen (Rang 12). Solange Italien aber nicht die notwendigen Reformen umsetzt, wird es sein Potenzial nicht umsetzen können und weiter wenig wettbewerbsfähig sein. Quelle: dpa
Platz 36 - Portugal:Die Probleme der Banco Espirito Santo rufen den Portugiesen die beinahe überwunden geglaubte Finanzkrise zurück in die Erinnerung. Entmutigen lassen sollte sich das Land davon aber nicht. Ganze 15 Ränge ist es seit dem vergangen Jahr aufgestiegen, was zeigt, dass die ambitionierten Reformen wirken. Der Arbeitsmarkt ist flexibler geworden (Rang 119) – allerdings ist hier noch einiges zu tun. Weiter aufbauen kann Portugal auf seine starke Infrastruktur (Rang 18) und seine gut ausgebildeten Arbeitskräfte (Rang 29). Die Konzerne in Portugal haben allerdings nach wie vor ein Schuldenproblem (Rang 129), ebenso der Staat selbst (Rang 138). Der Finanzsektor hat sich bis jetzt nur minimal erholt (Rang 104), weswegen der Zugang zu Krediten weiter eingeschränkt ist (Rang 108). Der Arbeitsmarkt muss flexibler werden (Rang 40) und an der Innovationsfähigkeit muss auch weiter gearbeitet werden (Rang 37). Trotzdem sehen die Autoren Portugal auf einem guten Weg. Quelle: REUTERS
Platz 35 - Spanien: Auch Spanien loben die Autoren. Hier zeigen die Reformen erste Wirkungen. Das Haushaltsdefizit ist zwar nach wie vor hoch, aber gesunken (Rang 128). Der Finanzsektor ist robuster geworden (Rang 85), der Arbeitsmarkt flexibler (Rang 120) – in beiden Bereichen ist aber noch viel Luft nach oben. Die staatlichen Institutionen gelten als korrupt (Rang 80) und die Regierung als ineffizient (Rang 105). Trotzdem profitiert Spanien von seiner exzellenten Infrastruktur (Rang 6) und einer gebildeten Bevölkerung (Rang 8). Würde der Arbeitsmarkt besser funktionieren (Rang 120), könnte Spanien diese Potenziale noch weiter ausschöpfen. Auch das Innovationspotenzial Spaniens ist ausbaufähig (Rang 60) – zum Beispiel durch höhere Investitionen in die Forschung (Rang 52). Quelle: REUTERS
Platz 29 - Estland: Estland ist nicht nur eines der jüngsten Euro-Länder, sondern auch, was die Wettbewerbsfähigkeit angeht, das stärkste osteuropäische Land. Das liegt vor allem daran, dass Estlands Arbeitsmarkt effizienter ist als der anderer Länder in der Region (Rang 11). Daneben glänzt Estland mit einem starken Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 20), was hoffen lässt, dass Estland sein Innovationspotenzial (Rang 30) weiter ausbaut. Auch in die Infrastruktur sollten die Esten laut den Autoren deutlich mehr investieren (Rang 38), denn sie liegt weit unter dem westeuropäischen Standards (Rang 58). Quelle: dpa
Platz 25 - Irland:Als Enda Kenny 2011 irischer Ministerpräsident wurde, hatte er alle Hand voll zu tun. Irland hatte die Finanzkrise übel mitgespielt. Immer noch ist die finanzielle Lage Irlands nicht gut und die Staatsverschuldung hoch (Rang 130). Dafür funktionieren der Güter- (Rang 10) und der Arbeitsmarkt (Rang 18) hervorragend, was sich auf lange Zeit auszahlen wird. Die Unternehmen sind innovativ (Rang 20) und technologisch gut ausgestattet (Rang 12). In Kombination mit dem exzellenten Bildungs- und Ausbildungssystem (Rang 8) und einer jungen Bevölkerung, werden diese Faktoren dazu führen, dass Irlands Wettbewerbsfähigkeit weiter zunimmt und weiter zu den führenden Euro-Staaten aufschließt. Quelle: dapd
Platz 23 - Frankreich:Europas zweitgrößte Volkswirtschaft bereitet den Europäern schon länger Sorgen. Als Frankreichs Präsident François Hollande gewählt wurde, versprach er den Umbruch: Er wollte Unternehmens-freundliche Reformen umsetzen, um Wirtschaftswachstum zu schaffen und die Arbeitslosigkeit zu reduzieren. Auf Frankreichs Arbeitsmarkt hat sich bis dato allerdings wenig verändert (Rang 61, vorher: Rang 71). Die hohe Staatsverschuldung hat dazu geführt, das Frankreichs Kreditwürdigkeit herabgestuft wurde. Nichtsdestotrotz besteht für Frankreich nach wie vor Hoffnung. Die Infrastruktur gehört zu den besten der Welt. Auch in puncto Bildung schneidet Frankreich gut ab, was Frankreich hohes technologisches Potenzial auch künftig befördern wird (Rang 17). Zudem bietet Frankreich ein gutes Umfeld für Innovationen. Trotzdem läuft etwas schief. Der Abstand zu Ländern wie Irland wird kleiner. Quelle: dpa

Die Target-Salden hatten sich jedoch seit dem Höhepunkt der Finanzkrise 2012 immer weiter zurückgebildet. So stand im Juli letzten Jahres bei der italienischen Notenbank nur noch ein Minus von rund 130 Milliarden Euro. Genau bei diesem Rückgang sieht Sinn nun eine Trendwende gekommen. Im Dezember hatte der negative Target-Saldo Italiens wieder eine Höhe von rund 209 Milliarden Euro erreicht. Sinn interpretiert diesen Anstieg als Kapitalflucht, der auf den geringen Reformfortschritt des Landes zurückzuführen ist. „Mit Ausnahme Irlands sei es den Krisenländern nicht gelungen, ihre preisliche Wettbewerbsfähigkeit gegen die anderen Euroländer durchgreifend zu verbessern“, heißt es in einer Pressemitteilung des von Sinn geleiteten Instituts.

Sind das also die ersten Anzeichen einer Eurokrise 2.0? Volkswirt Lutz Karpowitz von der Commerzbank sieht dafür jedoch keine Anzeichen. „Die aktuelle Höhe der Target-Salden ist nur eine Momentaufnahme. Vergleicht man den Target-Saldo Italiens von März 2014 mit dem von Dezember 2014, dann wirkt der Zuwachs weniger bedrohlich“. Im März 2014 hatte der negative Target-Saldo Italiens bei 195 Milliarden Euro gelegen, was nur einen Anstieg von 14 Milliarden Euro gegenüber Dezember bedeuten würde.

Target-Salden der Euro-Nordländer kaum erhöht


Auch die amtlichen Statistiken geben bisher keinen Anlass zu der Vermutung, dass sich die massiven Kapitalfluchtbewegungen aus den Süd- in die Nordländer, wie sie in den Hochzeiten der Krise stattfanden, nun wiederholen. Anders als damals haben sich die Target-Salden der Euro-Nordländer nämlich kaum erhöht. Für Deutschland trifft sogar das Gegenteil zu. Hatte die Bundesbank im Dezember 2013 noch einen positiven Saldo von rund 510 Milliarden Euro ausgewiesen, so schrumpfte dieser binnen eines Jahres auf 460 Milliarden Euro.

Die Frage ist also, wohin fließt das Geld, das aus Italien abgezogen wird? Lutz Karpowitz kann darauf jedoch noch keine Antwort geben: „Welches Land seinen Saldo deutlich verbessert hat, wissen wir derzeit leider noch nicht. Es scheint aber nicht das generelle Bild einer Kapitalflucht aus der Peripherie zu sein“.


Was hat die EU den Bürgern gebracht?
ReisefreiheitIn Europa verreisen, ohne an der Grenze den Pass vorzeigen zu müssen - das können mehr als 400 Millionen EU-Bürger. Basis dafür ist das Schengener Abkommen von 1985, dem inzwischen 26 Staaten - darunter Deutschland - angehören. Diese Länder kontrollieren Reisende an den Grenzen untereinander nur per Stichprobe oder bei Großereignissen. Zum Schengen-Raum gehören neben 22 EU-Ländern auch Norwegen, Island, die Schweiz und Liechtenstein. Die Landgrenzen des Areals sind mehr als 7700 Kilometer lang. Quelle: dpa
Glühlampen-VerbotEin von EU-Kritikern gern vorgebrachtes Argument ist das Verbot der geliebten Glühlampe. Doch stammt das Verbot nicht aus Brüssel, sondern nahm unter dem damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel im Jahr 2007 Gestalt an. Die Bundesregierung unter Kanzlerin Angela Merkel wollte sich als Vorreiter in Sachen Klimaschutz präsentieren und brachte die Idee beim EU-Gipfel ein, der es abnickte. Später winkte auch das Parlament den Vorstoß durch - die Kommission war dabei also vor allem ausführendes Organ, und keiner der Mitgliedsstaaten erhob Einspruch. Quelle: dpa
BankenkontrolleNie mehr sollen Banken mit riskanten Geschäften Europa an den Rande des Abgrunds bringen - so lautet die Lehre aus der Krise. Dafür sollen bessere Kontrollen sorgen. Von November 2014 an wird es eine zentrale Bankenaufsicht („Single Supervisory Mechanism“/SSM) unter dem Dach der Europäischen Zentralbank (EZB) geben, die die 130 größten und wichtigsten Banken im Euroraum direkt überwacht. Von 2016 an greifen gemeinsame Regeln zur Sanierung und - im Notfall - Schließung von Banken („Single Resolution Mechanism“/SRM). Dies schützt die Sparer, weil im Fall der Schieflage einer Bank zunächst deren Aktionäre herangezogen werden. Die EU hat auch die Bonus-Zahlungen für Banker begrenzt. Quelle: dpa
Karamellbonbon-VerordnungDiese Verordnung ist eine Legende, allerdings eine besonders hartnäckige. Immer wieder wird dieses angebliche Zitat, in leicht abgewandelter Form, hervorgezaubert - etwa in einer Ausgabe des "Spiegel" von 1974: "Das Vaterunser hat 56 Wörter, die Zehn Gebote haben 297 und die amerikanische Unabhängigkeitserklärung 300. Aber eine Verordnung der EWG-Kommission über den Import von Karamellen und Karamellprodukten zieht sich über 26.911 Wörter hin."Der Ausspruch wird Alwin Münchmeyer, dem damaligen Präsidenten des Bundesverbands deutscher Banken, zugeschrieben. Eine solche Karamell-Verordnung hat es jedoch nie gegeben. Das tut der Popularität des Ausspruchs aber keinen Abbruch, der immer wieder gern als Argument für das bürokratische Monstrum EU angeführt wird. Quelle: Fotolia
RoamingSeit Jahren macht die EU-Kommission Telekom-Anbietern Druck, die Preise beim Handy-Telefonieren im EU-Ausland zu senken. Seit 2007 sind diese Gebühren für Telefonate, SMS und mobiles Internet-Surfen laut EU-Kommission um mehr als 80 Prozent gesunken. Vom 1. Juli an dürfen abgehende Telefonate nicht mehr als 19 Cent pro Minute kosten - heute sind es 24 Cent (jeweils plus Mehrwertsteuer). Brüssel will Roaming-Gebühren in zwei bis drei Jahren vollständig abschaffen. Quelle: dpa
EurokriseDie Überwindung der Euro-Schuldenkrise gilt als große Gemeinschaftsleistung Europas. Seit 2010 haben die Euro-Staaten milliardenschwere Rettungsschirme (EFSF und ESM) gegründet, um Krisenstaaten finanziell unter die Arme zu greifen. Fünf Länder - neben Griechenland auch Irland, Portugal, Spanien und Zypern - erhielten Hilfspakete. Inzwischen hat sich die Lage gebessert. Die Anleger kaufen wieder Papiere der Krisenländer, weil sie wissen, dass die Europartner, allen voran Deutschland, hinter dem Euro stehen. Doch bei der Bewältigung der sozialen Folgen der Krise tut sich die EU schwer. Die Arbeitslosigkeit in Südeuropa ist hoch, fast jeder vierte ist in Spanien und Griechenland ohne Job. Bei Protesten machen enttäuschte Bürger die Sparpolitik der EU dafür verantwortlich. Quelle: dpa
ÖlkännchenBrüsseler Bürokraten werden regelmäßig beschuldigt, mit Verwaltungsschikanen das Leben der Bürger zu stören. Eine Niederlage erlitt die EU-Kommission im vergangenen Jahr mit Plänen, offene Ölkännchen in Restaurants zu verbieten. Auf den Tischen sollten nur noch Einweg-Ölflaschen stehen, damit Gäste an der Flasche das Öl erkennen konnten. Brüssel erntete Hohn und Spott und begrub die Pläne. Quelle: dpa

Ähnlich sieht es auch Phillip König vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. „Während der Krise haben wir eine massive Zunahme der Zentralbankfinanzierung an italienische Banken beobachten können. Die Banken kompensierten damit zu einem großen Teil private Kapitalabflüsse. Wenn man sich die Inanspruchnahme der Zentralbankkredite heute anschaut, sieht man, dass diese jedoch tendenziell weiter rückläufig sind.“ Während der Finanzkrise hatte die Banca d‘Italia Kredite in Höhe von rund 280 Milliarden Euro den Banken zur Verfügung gestellt, mittlerweile liegen diese aber bei nur noch 190 Milliarden Euro.


Neun Klischees über die EU – und die Wahrheit dahinter

Desgleichen stellt das DIW fest, dass die Leistungsbilanz Italiens seit 2013 wieder positiv geworden ist. Das heißt grob, dass das Land mehr Waren und Dienstleistungen exportierte als importierte. Hans-Werner Sinn hatte 2012 angemahnt, das Target-System sei ein unbegrenzter Überziehungskredit für die Euro-Südländer, die dadurch ihr Leistungsbilanzdefizit finanzieren könnten, ohne ökonomische Anpassungen oder Reformen vorzunehmen.
Ist also alles in Ordnung und der Anstieg nur eine Momentaufnahme, die sich in kurzer Zeit als irrelevant herausstellen wird?

Phillip König antwortet darauf: „Schwer zu sagen. Man will ja nicht den Teufel an die Wand malen. Interessant ist aber, dass im Oktober 2014 aus Italien rund 14 Milliarden ausländischer Papiere erworben wurden, während Ausländer italienische Papiere in Höhe von rund 3,5 Milliarden veräußerten“. Dies könnte die These von Hans-Werner Sinn stützen, dass Anleger damit begännen, Kapital aus Italien abzuziehen.


Europa



Es bleibt also spannend, ob nicht vielleicht doch Hans-Werner Sinn am Ende Recht behalten wird und eine neue Kapitalflucht aus Italien sowie noch anderer Krisenländer zu befürchten ist. Vieles wird sicherlich auch davon abhängen, wie die Griechenlandwahl am 25. Januar ausgeht. Sollten danach Anleger wieder anfangen, auf ein Auseinanderbrechen der Euro-Zone zu spekulieren, könnte ein Kapitalabzug aus dem Süden an Dynamik gewinnen. Abgeschlossen scheint die Euro-Krise jedoch noch nicht zu sein.    

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%