Vereinigtes Königreich Vater von Boris Johnson will gegen Brexit stimmen

Boris Johnson ist der wichtigste konservative Fürsprecher der "Leave"-Kampagne. Sein Vater Stanley aber erklärt: "Ich stimme für die EU-Mitgliedschaft“. Seinen Sohn würde er trotzdem gerne als Premierminister sehen.

Boris Johnson kämpft für einen Brexit - ohne Unterstützung seines Vaters Stanley. Quelle: dpa

Stanley Johnson, ehemaliger Europaabgeordneter und Kommissionsvertreter, will gegen den EU-Austritt Großbritanniens stimmen. Damit bricht er mit der Haltung seines Sohnes Boris Johnson, ehemaliger Bürgermeister von London und Mitglied der konservativen Partei, der dafür wirbt, Großbritannien solle die EU verlassen.

Sollte sich das Vereinigte Königreich für den Brexit entscheiden, gilt Boris Johnson als Anwärter auf das Amt des Premierministers – für seinen Vater eine „großartige Vorstellung“. „Es ist nicht zwangsweise so, also ob Welten zwischen uns liegen würden“, erklärt er. „Ich persönlich glaube, dass in Europa noch viele wichtige Reformen durchgeführt werden müssen. Ich würde da nicht unbedingt um 180 Grad von Boris‘ Analyse abweichen.“

Was Partnerländer über einen EU-Ausstieg denken
US-Präsident Barack Obama in London Quelle: AP
Die chinesische Flagge vor einem Hochhaus Quelle: dpa
Ein paar Rial-Scheine Quelle: dpa
Der russische Präsident Wladimir Putin Quelle: REUTERS
Das Logo des japanischen Autobauers Nissan Quelle: REUTERS

„Die Brexit-Befürworter kommen aus ganz unterschiedlichen Richtungen und ich respektiere ihre Beweggründe. Die demokratische Grundlage der Entscheidungsfindung auf dem Kontinent lässt sich durchaus in Frage stellen. Ich würde mir jedoch wünschen, in der EU zu bleiben und die Reformen von Innen durchsetzen.“ Ein Abstimmungsergebnis für den Verbleib in der EU sei immer noch eine Warnung, so Johnson Senior. „Wenn Großbritannien bleibt, muss man sich als erstes um das Einwanderungsproblem kümmern. Interne und auch externe Migrationsfragen müssen angegangen werden“, betont er.

Eines der Hauptargumente der Brexit-Verfechter ist, dass Großbritannien als EU-Mitgliedsstaat scheinbar nicht in der Lage ist, seine Grenzen zu sichern. Im Juni forderte Boris Johnson, nach dem potenziellen EU-Austritt ein Einwanderungspunktesystem nach australischem Vorbild einzuführen. Diesem zufolge würden nur diejenigen aufgenommen werden, die bereits gutes Englisch sprechen. „Das Thema Migration spielt in der derzeitigen Debatte eine bedeutende Rolle“, bekräftigt der ehemalige Europaabgeordnete. „Die jährliche Nettoeinwanderungszahl liegt bei etwa 360.000. Damit steigt die britische Bevölkerung auf über 70 Millionen. Bald werden es sogar 80 Millionen sein. Diese Situation ist inakzeptabel.“

„Ganz Europa wird aufatmen, wenn sich das Vereinigte Königreich für die EU entscheidet. Dann sollten sich unsere europäischen Verbündeten allerdings genau ansehen, warum wir so kurz vor dem Absprung gestanden haben. Ich denke nicht, dass ein Brexit unser Problem lösen wird. Wir müssen uns zusammen diesen Vertrag vornehmen und überlegen, wie wir der Situation Herr werden können“, meint Johnson Senoir. „Wahrscheinlich haben wir in Europa viel mehr Gleichgesinnte als bisher vermutet.“

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