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Verhandlungspoker Griechenland schlägt Euro-Gruppe 4:1

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Griechenland hat keinen Anreiz, die Vereinbarungen einzuhalten. Die Geberländer keinen Mechanismus, das zu erzwingen.

Die griechische Regierung hat auch keinen Anreiz, die aktuellen Verpflichtungen einzuhalten. Das reiht sich nahtlos in die kurze Historie des Euro ein:

- Verträge wurden gleich serienweise gebrochen, angefangen von den Maastricht-Kriterien bis hin zum Verbot der Staatsfinanzierung durch die EZB

- Schon der Eintritt der Griechen in den Euro erfolgte auf der Basis falscher oder geschönter Zahlen

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    - Griechenland selbst hat die Auflagen der Troika nicht, unvollständig, oder bestenfalls zögerlich umgesetzt und setzt darauf, dass es damit durchkommt

    - Wenn, wie im vorigen Abschnitt argumentiert, die Wirtschaftskrise sich infolge von Bank-Run und Kapitalflucht schon in Kürze verschärfen sollte, begleitet von  einer Bankenkrise, wird die Regierung in Athen das perfekte Alibi haben, bestimmte „Sparbeschlüsse“ nicht umzusetzen

    - Da offenbar der Rest der Eurozone nicht an einem „Grexit“ interessiert ist, und ihn (politisch wie rechtlich) wohl auch nicht erzwingen kann, fehlen echte Sanktionsmechanismen

    - Möglicherweise ist auch die neue griechische Regierung daran interessiert, dass ihre Mitglieder oder Anhänger Zeit gewinnen, um Geld ins Ausland zu schaffen. Im Übrigen ist es naiv anzunehmen, sie würde im Interesse des Volkes handeln und hätte keine Verbindung zu reichen Oligarchen, denn Syriza musste und muss aufwändige Wahlkämpfe finanzieren.

    Ein Abstaubertor für Griechenland - 3:0

    Einen Anreiz haben Politiker nur ihrer Wählerschaft gegenüber, und da könnte sich die Robin-Hood-Strategie lohnen: wir kommen zum nächsten Treffer der Griechen, dem Verzweiflungsschuss: Die Alles-oder-nichts – Strategie wird aufgehen

    Aus der Sanierungstheorie und –praxis ist bekannt, dass angeschlagene Unternehmen zu besonders riskanten Investitionen neigen. Gelingen sie, ist das Unternehmen gerettet und die Manager stehen als strahlende Helden dar. Misslingen sie, so haben andere den Schaden zu tragen: Aktionäre und Fremdkapitalgeber.

    Letztere haben in der schier endlosen Hellenen-Story viel zu verlieren, sind doch die griechischen Schulden im Prozeß der vergangenen Rettungsjahre allmählich von der privaten in die öffentlichen Hände übergegangen. Es gibt Schätzungen, wonach über 220 Mrd. Euro in den Büchern der Einzel-Staaten oder ihrer Organisationen wie dem IWF stehen. Diese Regierungen haben viel zu verlieren, denn auch sie müssen befürchten, vom Wähler zur Verantwortung gezogen zu werden.

    Also spielt Tsipras „Alles – oder – Nichts“ in der Hoffnung, die Gegenpartei müsse auch nach Ablauf der vier Monate weitere Zugeständnisse machen

    - Aus Angst vor finanziellen Verlusten

    - Aus Furcht vor moralischen Beschuldigungen, übermäßig viel verlangt und unsozial agiert zu haben

    - Aus Angst vor einem Gesichtsverlust, dass man sich in Bezug auf die Zusammensetzung der Eurozone, oder mit dem Euro-Experiment als solches, schwerstens geirrt habe.

    Punkt für Griechenland - 4:0

    Europa



    Opposition kommt nicht nur von den Nordeuropäern, sondern auch von Krisenländern mit besserem Krisenmanagement

    Der Anschlusstreffer kommt zu spät, wird aber am Endergebnis nichts mehr ändern.  Immerhin sind es nicht nur die „bösen“ Deutschen, die sich gegen weitere Zugeständnisse an die Griechen stellen. Auch Länder wie Irland, Portugal oder Spanien, die relativ geräuschlos schmerzhafte Maßnahmen ergriffen haben, sind augenscheinlich mit ihrer Geduld am Ende.

    Punkt für die Eurogruppe - 4:1

    Fazit: Griechenland gewinnt das Verhandlungsspiel 4:1. Löst aber keine Probleme, im Gegenteil, diese dürften sich noch weiter verschärfen. Der überfällige „Grexit“ wird aber wohl nur durch ein Aufwachen der Wähler in den Geberländern und den reformbereiten Nehmerländern erzwungen werden können. Erst wenn die Geberländer den „Grexit“ – womit die Griechen sich selbst überlassen bleiben würden - als glaubwürdige Drohung präsentieren, wird es im Verhandlungsspiel zu einem besseren Gleichgewicht kommen.

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