WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Volker Kauder "Griechen nicht aus der Euro-Zone drängen"

Seite 2/3

Geflutete Finanzmärkte

EZB Quelle: dpa

Müssten die Griechen nicht auch unsere Aufbauhilfsangebote annehmen?

Nach dem ersten Zorn haben die Griechen verstanden, dass sie vieles ändern müssen. Sie müssen zum Beispiel ein funktionierendes Katasteramt und eine durchgreifende Finanzverwaltung aufbauen. Da glaube ich an einen Meinungswandel. Wir sollten die Griechen nicht aus der Euro-Zone rausdrängen.

Ihre Zustimmung zum Fiskalpakt will die SPD-Opposition von der Einführung einer Finanzmarkttransaktionsteuer abhängig machen. Sind Sie auch dafür?

Wir müssen die Finanzmärkte an den Kosten der Krise beteiligen und dafür sorgen, dass sich Exzesse nicht wiederholen. Die Transaktionsteuer ist ein Mittel, um diese Ziele zu erreichen. Ich bedaure, dass insbesondere die Briten hier nicht mitmachen wollen. Jetzt müssen wir zusehen, dass wir zu einer Lösung im Euro-Raum kommen.

Ihr Koalitionspartner FDP ist aber dagegen. Was halten Sie alternativ von einer Börsensteuer wie in London, die die FDP wünscht?

Bei der Stempelsteuer sind Derivate ausgenommen – dabei sind diese Produkte für die Stabilität der Finanzmärkte am gefährlichsten. Die müsste man mit einbeziehen. Wir müssen prüfen, ob das geht und ob eine europäische Lösung möglich ist. Das wäre besser als nichts.

Derzeit flutet die Europäische Zentralbank (EZB) die Finanzmärkte mit über einer Billion Euro. Sind Sie darüber besorgt?

Da habe ich gemischte Gefühle. Natürlich brauchen wir stabile Banken. Aber ich hoffe, die EZB erkennt ihre Grenzen und sammelt das Geld später auch wieder zügig ein. Wenn der ESM arbeitsfähig ist, werden viele EZB-Maßnahmen nicht mehr nötig sein. Dann kann und muss sich die EZB wieder auf ihre Aufgabe als geldpolitischer Stabilitätsanker konzentrieren.

Wird die Geldschwemme der EZB nicht zwangsläufig zu mehr Inflation führen?

Die Gefahr sehe ich nicht. Wenn sich die Euro- und Bankenkrise entspannt, dürfte die EZB die Geldmenge wieder kontrolliert zurücknehmen. Inflationstreiber sind für mich eher Energie und Rohstoffe.

Einen erheblichen Beitrag zur Verteuerung von Energie leistet die Politik mit der Förderung der erneuerbaren Energien. Die Minister Röttgen und Rösler wollten das ab März begrenzen, aber die Fraktionen machen nicht mit. Warum?

Die Notwendigkeit einer Begrenzung ist unbestritten. Aber der Vertrauensschutz für Bauherren und Unternehmen ist für uns ein zentrales Thema. Das ursprüngliche Datum der Minister war aus meiner Sicht durchaus nachvollziehbar, um der Kostenexplosion entgegenzuwirken. Im Entwurf der Fraktion steht nach einer Verständigung im Koalitionsausschuss jetzt statt dem 9. März der 1. April. Klar ist: Wenn man eine Subvention mit Ankündigung beenden will, dann ruft man natürlich jene auf den Plan, die mitnehmen wollen, was noch mitzunehmen ist.

Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%