WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Volksabstimmung zur Zuwanderung Die dramatischen Folgen des Schweizer Votums

Die Schweiz stimmt für feste Zuwanderungsquoten und geht auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union. Nun steht der Schweizer Zugang zum EU-Binnenmarkt zur Debatte. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Die Schweiz schottet sich ab und geht mit dem Votum für feste Zuwanderungsquoten auf Konfrontationskurs zur Europäischen Union. Quelle: dpa

Was ist passiert?

Mit hauchdünner Mehrheit haben die Schweizer am Sonntag die Beschränkung der Einwanderung beschlossen. In einer Volksabstimmung sprachen sich 50,3 Prozent der Wähler für die Initiative "Gegen Masseneinwanderung" der rechtskonservativen und EU-feindlichen Schweizerischen Volkspartei (SVP) aus. Sie sieht jährliche Höchstzahlen und Kontingente für die Zuwanderung von Ausländern vor. Treffen wird die Vorlage, die innerhalb von drei Jahren umgesetzt werden muss, vor allem EU-Bürger. Sie können im Rahmen eines Freizügigkeitsabkommens seit rund zehn Jahren problemlos in das Nicht-EU-Land Schweiz ziehen, wenn sie einen Arbeitsplatz haben.

Auch wenn das Ergebnis knapp ausfiel, die Entscheidung ist definitiv, betonte die Schweizer Regierung, die im Vorfeld – wie auch die große Mehrheit der Wirtschaft und der Medien –

für eine Ablehnung des Antrags geworben hatte. „Das ist die direkte Demokratie“, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga.

„Die Schweiz nimmt nur das vom Buffet Europa, was ihr schmeckt.“
Martin Schulz Quelle: dpa
FDP-Chef Christian Lindner kritisierte: „Die Schweiz nimmt nur das vom Buffet Europa, was ihr schmeckt.“ Quelle: dpa
Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) zeigte sich enttäuscht nach dem Votum in der Schweiz. „Wir hätten uns ein anderes Ergebnis gewünscht“, sagte de Maizière am Montag in Berlin. Er betonte aber: „Wir respektieren die Entscheidung.“ Die Schweiz müsse sich nun mit den Folgen auseinandersetzen. Quelle: dpa
SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi sprach von einem „historischen Unfall“. „Das Prinzip des freien Personenverkehrs ist aus unserer Sicht gekoppelt an das Prinzip des Binnenmarktes und des damit verbundenen zollfreien Warenhandels“, sagte Fahimi am Montag in Berlin. Die Schweiz habe einen Ausländeranteil von 23 Prozent und sei bekannt für ihre Weltoffenheit. „Sie müssen einen Umgang mit diesem aus unserer Sicht historischen Unfall finden.“ Bevor nun Gesetze geändert werden, sei es wichtig, mit der EU-Kommission zu reden. Quelle: dpa
Steinmeier sagte zu der Abstimmung: „Ich glaube, dass die Schweiz sich mit diesem Ergebnis eher selbst geschadet hat.“ Die Schweizer müssten wissen, „dass Rosinenpickerei im Verhältnis zur EU auch keine dauerhafte Strategie sein kann“. Neben den „vielen Vorteilen aus einer solchen Beziehung“ müssten auch „Lasten oder Nachteile, die sich daraus ergeben können“ getragen werden. Quelle: dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sieht den Ausgang des Schweizer Votums auch als Signal für die deutsche Politik. „Es zeigt natürlich ein bisschen, dass in dieser Welt der Globalisierung die Menschen zunehmend Unbehagen gegenüber einer unbegrenzten Freizügigkeit haben. Ich glaube, das müssen wir alle ernst nehmen“, sagte der CDU-Politiker am Sonntagabend in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Wir bedauern diese Entscheidung. Das wird eine Menge Schwierigkeiten für die Schweiz verursachen.“ Quelle: dpa
Die Europäische Kommission hat das Ja der Schweizer in ihrem Land „bedauert“. Das Votum „verletzt das Prinzip des freien Personenverkehrs zwischen der Europäischen Union und der Schweiz“, erklärte die Kommission am Sonntagabend in Brüssel. Sie kündigte an, sie werde nun die Folgen „für die Gesamtbeziehungen zwischen der Union und der Schweiz“ analysieren. In diesem Zusammenhang werde auch die Haltung der Schweizer Regierung zum Abstimmungsergebnis „berücksichtigt werden“, so in einer kurzen Mitteilung der Kommission. Quelle: dpa

Die Regierung hat nun drei Jahre Zeit, Einzelheiten für die Kontingente festzulegen. In dieser Zeit soll auch mit der EU das Personenfreizügigkeitsabkommen nachverhandelt werden. Bundespräsident Didier Burkhalter bemüht sich um Schadenbegrenzung und will einen „gemeinsamen Weg“ mit der EU finden.

Gibt es unmittelbare Auswirkungen auf die vielen Deutschen im Land?

Nein. Derzeitige Pendler sind nicht unmittelbar betroffen, da sich die Entscheidung auf die Zukunft bezieht. Insgesamt leben fast 300.000 Deutsche im Land. Erst wenn ihre Arbeitsverträge auslaufen sollen, könnte sich die Frage stellen, wie es unter dem neuen Vorzeichen weitergeht. Atmosphärisch könnte sich durchaus etwas ändern. Schon heute beschweren sich viele Deutsche über eine zunehmende Deutschen-Feindlichkeit. Bessern wird sich die Stimmung nach der Abstimmung sicher nicht.

Reaktionen der Schweizer Wirtschaft
ABB„Kein Kommentar“, heißt es aus der Züricher Holding des Schweizer Elektronik-Konzerns ABB. Diese Zahlen machen auch jeglichen Kommentar überflüssig. Von den 7000 Beschäftigten von ABB Schweiz, sind 2800 EU-Bürger, denen bei einer Zuzugsbeschränkung das Leben als ABB-Mitarbeiter schwer gemacht werden würde. In der Zürcher Holding des Siemens-Rivalen sind von 750 Mitarbeitern 375 EU-Bürger, die auch nicht ohne weiteres ersetzt werden könnten. Der Konzern will allerdings sowieso abspecken. ABB will sich Insidern zufolge im großen Stil von Unternehmensteilen trennen, besonders vom Energietechnik-Segment, das nicht genug Gewinn abwirft. Hier arbeiten besonders viele Beschäftigte, die Nichtschweizer sind. Quelle: dpa
Clariant"Die Initiative zielt auf eine Änderung der Schweizer Bundesverfassung", erklärt der Spezialchemie-Konzern Clariant. "Es ist nun an der Politik, die Abstimmungsergebnisse so umzusetzen, dass dadurch die Wettbewerbsfähigkeit der Schweizer Unternehmen nicht gefährdet ist. Die Umsetzung wird dann auch zeigen, welche Konsequenzen die Abstimmung für Clariant hat." Auch Clariant muss reagieren, wenn es in Zukunft um die Gewinnung von ausländischen Fachkräften geht. Das internationale Unternehmen hat seinen Sitz in der Schweiz. "Dort sind rund zwei Drittel unserer Arbeitskräfte Ausländer, die aus insgesamt 38 Nationen stammen. Welche Folgen die Abstimmung für die Rekrutierung künftiger Mitarbeiter hat, lässt sich erst sagen, wenn die Umsetzung der Initiative feststeht. Selbstverständlich halten wir uns jederzeit an die aktuelle Gesetzgebung." Auf eine neue Ausgangslage einstellen kann sich das Unternehmen also noch nicht. Quelle: REUTERS
Swisscom"Wir verzichten auf einen Kommentar zum Abstimmungsergebnis, wie wir uns generell bei politischen Abstimmungen zurückhalten. Zumal die Umsetzung der Initiative total offen ist.", sagt das Schweizer Telekommunikations-Unternehmen. Swisscom beschäftigt rund 20.000 Mitarbeiter - davon 16.000 in der Schweiz - und erzielte 2012 einen Umsatz von mehr als 11 Milliarden Franken. Quelle: REUTERS
Lufthansa SwissAuch die Lufthansa-Tochter Swiss will keine Stellungnahme abgeben: „Kein Kommentar“, heißt es aus der Unternehmenszentrale in Zürich. Bislang gebe es lediglich einen Auftrag an die Regierung, ein Zuwanderungsgesetz auf den Weg zu bringen, aber noch keinerlei Details über solche Regelungen. Bevor die nicht feststehen, will sich die Fluglinie nicht äußern. Quelle: REUTERS
Mammut„Wir bei Mammut sind auf ausländische Fachkräfte (speziell im Bereich Textil- und Schuhentwicklung) angewiesen und hoffen sehr, dass wir durch die Umsetzung dieser Initiative nicht benachteiligt werden. Über die Umsetzung wird zur Zeit sehr viel diskutiert und spekuliert. Die Schweizer Wirtschaft braucht aber auch in Zukunft ausländische Arbeitskräfte,“ sagte CEO der Schweizer Outdoor-Marke Mammut, Rolf Schmid. Quelle: dapd
Mediterranean Shipping Company"Kein Kommentar" - das sagt auch die Mediterranean Shipping Company (MSC). Die zweitgrößte Containerreederei nach Mærsk Line hat ihren Sitz in Genf. Mit ihrer Tochter MSC Crociere ist sie auch im Kreuzfahrtgeschäft aktiv. Weltweit arbeiten über 30.000 Mitarbeiter in 390 Niederlassungen in 146 Ländern für MSC. Quelle: dpa
Panalpina „Kurzfristig und bis auf weiteres sind sicher keine Veränderungen oder gar Nachteile zu erwarten. Es kommt nun darauf an, wie ein solcher Entscheid in der Praxis umgesetzt wird. Das werden die nächsten Jahre zeigen. Es darf sicherlich nicht dazu kommen, dass internationale Konzernzentralen darin beschränkt werden, Toptalente auch international zu rekrutieren.“, sagt Peter Ulber, CEO von Panalpina. Der Schweizer Transport- und Logistikdienstleister verfügt über 500 Niederlassungen in 80 Staaten und arbeitet in weiteren 80 Staaten eng mit Partnerunternehmen zusammen. Panalpina geht auf eine Rheinschifffahrtsgesellschaft von 1935 zurück, die von Hans im Obersteg bereits 1895 gegründet wurde. Quelle: Presse

Warum haben die Schweizer so entscheiden? Sind die Probleme mit Ausländern so groß?

Die Schweiz hat mit 23 Prozent einen besonders hohen Ausländeranteil. Das Land wächst durch Einwanderer jährlich um rund 80.000 Menschen. Die seit 2000 vergleichsweise hohe Netto-Zuwanderung wurde ausgelöst durch den Bedarf Schweizer Firmen nicht zuletzt an deutschen Fachkräften. Dass die Schweiz wirtschaftlich von der Zuwanderung enorm profitiert hat, zweifeln selbst die Zuwanderungsgegner nicht an. Kritiker aber sprechen von zu hohen gesellschaftlichen Kosten für den Wirtschaftserfolg.

„Früher haben die Schweizer die wirtschaftlichen Vorteile immer höher gewichtet als die gesellschaftlichen Nachteile“, sagte Wahlforschers Claude Longchamp vom Institut gfs.bern. Das sei nun anders. Als Nachteile der Zuwanderung betrachten viele Eidgenossen steigende Mieten, rekordhohe Hauspreise sowie volle Straßen und Züge. Viele Schweizer empfänden ihre Identität infrage gestellt. „Die konservative Schweiz hat gegen die liberale Schweiz gewonnen“, sagte Longchamp. Erstaunlich: Dort, wo der Ausländeranteil besonders hoch ist, in den Städten wie Basel, Zürich oder Genf, wurde die Initiative mit deutlicher Mehrheit abgelehnt.

Reaktionen aus dem Ausland

Die beliebtesten Länder bei Einwanderern
Platz 10: Spanien6,5 Millionen Einwanderer leben im Jahr 2013 in Spanien. Im Jahr 2000 waren es erst zwei Millionen. Quelle: AP
Platz 9: AustralienNach Down Under verschlug es genauso viele Menschen. Auch hier leben aktuell 6,5 Millionen Einwanderer. Aufgrund der geringeren Einwohnerzahl ist ihr Anteil an der Bevölkerung mit 27,7 Prozent aber wesentlich höher als in Spanien (13,8 Prozent). 30.000 sind Flüchtlinge. Quelle: dpa
Platz 8: KanadaIn Kanada leben 7,3 Millionen Migranten, dazu zählen rund 163.700 Flüchtlinge. Insgesamt machen Einwanderer 20,7 Prozent der Bevölkerung aus. Quelle: AP
Platz 7: Frankreich7,4 Millionen Menschen aus dem Ausland leben 2013 in Frankreich, davon rund 218.000 Flüchtlinge. Einwanderer machen 11,6 Prozent der Bevölkerung aus. Innerhalb der Top Ten sind sie am ältesten, das Durchschnittsalter beträgt rund 48 Jahre. Quelle: REUTERS
Platz 6: GroßbritannienIn Großbritannien machen Migranten 12,4 Prozent der Bevölkerung aus. Insgesamt kommen sie auf 7,8 Millionen Menschen, davon rund 150.000 Flüchtlinge. Quelle: dpa/dpaweb
Platz 5: Vereinigte Arabische EmirateEbenfalls 7,8 Millionen Einwanderer leben in den Vereinigten Arabischen Emiraten - doch hier machen sie sage und schreibe 83,7 Prozent der Bevölkerung aus. Flüchtlinge sind mit rund 600 Personen hier jedoch genauso selten anzutreffen... Quelle: REUTERS
Platz 4: Saudi Arabien...wie in Saudi Arabien. Hier leben 9 Millionen Migranten, die 31 Prozent an der Bevölkerung ausmachen. Mit durchschnittlich 31 Jahren in Saudi Arabien und 30 Jahren in den Emiraten leben in der Region auch die jüngsten Einwanderer innerhalb der Top Ten. Quelle: AP

Anders etwa als im Kanton Tessin. Dort aber reisen viele Menschen aus dem krisengeplagten Italien täglich zur Arbeit an. Im Tessin stimmten mehr als 70 Prozent der Wähler für die SVP-Initiative. Hier spielte die Angst vor Arbeitslosigkeit eine besonders große Rolle.

Wie sind die Reaktionen aus dem Ausland?

In den etablierten Parteien wurde die Abstimmung mal mit Verärgerung, mal mit Bedauern aufgenommen. "Das wird eine Menge Schwierigkeiten für die Schweiz vor allem verursachen“, sagte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Gleichzeitig zeige das Votum, dass die Menschen in einer globalisierten Welt auf eine unbegrenzte Freizügigkeit zunehmend mit Unbehagen reagierten, so der CDU-Politiker. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner kommentierte am Sonntag im Internet-Kurznachrichtendienst Twitter: „Die spinnen, die Schweizer!“ „Geistige Abschottung kann leicht zur Verblödung führen.“

Die EU sei enttäuscht über das Ergebnis der Abstimmung, sagte Kommissionssprecher Olivier Bailly. „Das widerspricht dem Prinzip der Personenfreizügigkeit zwischen der EU und der Schweiz. Die EU wird die Auswirkungen dieser Initiative auf die EU-Schweizerischen Beziehungen als Ganzes prüfen.“

Alte und neue Steueroasen
Ein Strand auf den Tobago Keys Quelle: dpa
Ein Schild mit dem Zeichen von Liechtenstein Quelle: REUTERS
Eine Stadt in Zypern Quelle: dapd
Festungsmuseum in Luxemburg Quelle: dpa
Wiener Opernball Quelle: dpa
Bauern in der Schweiz Quelle: dapd
Dubai Quelle: dapd

Auch Frankreich droht, die Entscheidung der Schweiz habe Konsequenzen. „Wir werden die Beziehungen zur Schweiz überdenken“, sagte der französische Außenminister Laurent Fabius. Und die liberale schwedische Tageszeitung „Sydsvenskan“ (Malmö) nannte die Entscheidung der Eidgenossen „hohl wie ein Schweizer Käse“. Das Votum sei „elend und sonderbar.“

Anti-EU-Parteien hingegen jubeln. Die britische “United Kingdom Independence Party” um Nigel Farage nannte die Entscheidung “weise”. Die Schweizer hätten „beschlossen, dass genug genug ist – und dass sie etwas unternehmen müssen in dieser Sache“, zitiert die Basler Zeitung den Parteichef. Auch die europakritische Alternative für Deutschland (AfD) will sich offenbar bei der Kontrolle der Einwanderung ein Beispiel an der Schweiz nehmen. „Unabhängig vom Inhalt des Schweizer Referendums ist auch in Deutschland ein Zuwanderungsrecht zu schaffen, das auf Qualifikation und Integrationsfähigkeit der Zuwanderer abstellt und eine Einwanderung in unsere Sozialsysteme wirksam unterbindet“, forderte AfD-Sprecher Bernd Lucke am Montag. „Auch dafür sollten gegebenenfalls Volksabstimmungen ermöglicht werden, wenn die Altparteien das Problem weiter ignorieren“, ergänzte er. Volksabstimmungen zeigten, wo dem Volk der Schuh drücke und welche Probleme von der Regierung vernachlässigt würden.

Wie sollte sich die EU verhalten?

Wie lebt es sich in Europa?
Die zufriedensten Menschen leben in der Schweiz und Dänemark. Das ist das Ergebnis der Studie "How's Life" der Industriestaaten-Organisation OECD. Die Studie berücksichtigt neben Beschäftigung, Langzeitarbeitslosen, Einkommen und Gesundheit auch den zur Verfügung stehenden Wohnraum oder ob die Menschen in dem jeweiligen Land Freunde haben. Ein richtiges Ranking gibt es dementsprechend nicht. Unter den Ländern, deren Bevölkerung sich selbst als sehr unzufrieden einschätzt, sind beispielsweise Ungarn, die Türkei, Griechenland und Portugal. Doch selbst in Ländern, die besonders von der Krise gebeutelt sind, macht die OECD Lichtblicke aus. Vom „Guter-Samariter-Effekt“ sprach Studien-Mitautorin Romina Boarini. „Es liegt auf der Hand, dass Menschen daran denken, anderen zu helfen, wenn sie selbst leiden.“ So sei in manchen Ländern der Anteil der Menschen gestiegen, die gemeinnützige Arbeit leisten. Quelle: obs
Die Norweger können zufrieden sein: In Europa bekommen sie mit 28.368 Euro nicht nur das durchschnittlich höchste Nettoeinkommen im Jahr, sondern sie haben auch eine sehr niedrige Arbeitslosenquote, pro Person durchschnittlich zwei Wohn-Räume zur Verfügung und sind zu 73,1 Prozent gesund. Auf einer Skala von 1 bis 10 geben die Norweger durchschnittlich eine 7,7 als Zufriedenheitsquote an. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Die Studie stellt einen direkten Zusammenhang zwischen Wohlbefinden und der Möglichkeit zu arbeiten sowie den Arbeitsbedingungen her. In Irland haben beispielsweise die Gehälter seit der Finanzkrise um drei Prozent abgenommen, sie verdienen durchschnittlich 21.489 Euro netto im Jahr. Allerdings sind rund 8,5 Prozent der Bevölkerung ohne Job. Dafür ist die Einkommensungleichheit in Irland um acht Prozent gestiegen und in puncto Wohnraum sieht es ebenfalls gut aus: jedem Iren stehen durchschnittlich 2,1 Zimmer zur Verfügung. Außerdem sind die Iren sehr gesund. Quelle: dpa
Trotz Finanz- und Schuldenkrise hat sich die Lebensqualität der Deutschen im Unterschied zu vielen europäischen Nachbarn verbessert. 61 Prozent der Befragten gaben demnach an, mit ihrem Leben zufrieden zu sein. Das sind acht Prozentpunkte mehr als zu Beginn der Krise. Beim Gesundheitszustand reicht es nur für Durchschnittswerte, dafür geben die Deutschen an, sich nicht so gestresst zu fühlen. Das Nettoeinkommen im Jahr liegt in Deutschland bei 26.212 Euro. Quelle: dpa
In den Niederlanden gibt es nur rund 1,5 Prozent Langzeitarbeitslose, 75 Prozent der Niederländer haben einen Job. Durchschnittlich verdienen unsere Nachbarn im Westen im Jahr netto 23.582 Euro. Auf einer Skala von 1 bis 10 ist man mit 7,5 dort ziemlich zufrieden. 76,3 Prozent bezeichnen sich außerdem als gesund. Nur den Unternehmen geht es nicht ganz so gut: Die Privatinsolvenzen haben seit 2008 pro Jahr um 20 Prozent zugenommen. Quelle: AP
In Spanien haben die Menschen ihr Vertrauen in die Regierung verloren. Seit der Krise haben sie die europaweit höchste Langzeitarbeitslosenquote knapp neun Prozent. Seit 2008  haben die Privatinsolvenzen pro Jahr um 50 Prozent zugenommen und für Jugendliche ist es extrem schwer, einen Job zu finden. Die Jugendarbeitslosigkeit ist um sechs Prozent auf 45 Prozent gestiegen. Dementsprechend gering ist die Zufriedenheit der Spanier. "Die Auswirkungen der Finanzkrise waren sehr groß!, sagte OECD-Chefstatistikerin Martine Durand. Allerdings gebe es keine "Meister des Wohlergehens", also kein Land, das in allen Bereichen vorne liege, so Durand. Auch an das Einkommen könne man die Zufriedenheit nicht koppeln - zumindest nicht ausschließlich Ein Spanier verdient übrigens durchschnittlich 19.680 Euro netto im Jahr. Quelle: dpa
Auch in Griechenland sind die Menschen unzufriedener als vor der Krise – insgesamt ist die Lebenszufriedenheit um 20 Prozent gesunken. Seit 2008 hat der finanzielle Wohlstand um 30 Prozent abgenommen, durchschnittlich verdient ein Grieche netto 16.010 Euro jährlich. Pro Person haben die Griechen nur 1,2 Räume zur Verfügung. Viele haben das Vertrauen in die Regierung verloren und auch in Griechenland haben 45 Prozent der Jugendlichen keine Arbeit. Quelle: dpa

Der Schweizer Regierung wurde aufgetragen, die Personenfreizügigkeit einzugrenzen. Das steht im krassen Widerspruch zu den Abkommen, die die Schweiz mit der EU geschlossen hat. Die Personenfreizügigkeit ist ein Teil eines ganzen Vertragspakets mit der Europäischen Union, das der Schweizer Wirtschaft zum Beispiel auch freien Zugang zum EU-Markt sichert.

Das heißt: Es gibt etwa keine Zollbeschränkungen für Schweizer Produkte. Dieser freie Zugang zum riesigen EU-Markt für Schweizer Firmen sowie die Zuwanderung von Fachkräften aus der EU gelten als Hauptfaktoren für den Wirtschaftsboom in der Schweiz. Die Eidgenossenschaft ist einer der wichtigsten Handelspartner der EU. Umgekehrt gehen über die Hälfte der Schweizer Exporte in die EU, wo die Schweizer Wirtschaft jeden dritten Franken verdient.

Der Zugang zum EU-Binnenmarkt aber steht nun zur Debatte. Aufgrund der „Guillotine-Klausel“ – ein Vertrag kann nicht einzeln gekündigt werden – steht ein Paket von insgesamt sieben Verträgen zwischen der Schweiz und der EU auf dem Spiel. Darin ist nicht nur das Recht auf freien Wohn- und Arbeitsort, sondern auch der privilegierte Zugang der eidgenössischen Wirtschaft zum EU-Binnenmarkt geregelt. Damit wird bisher der Warenverkehr mit der EU deutlich erleichtert.

Der Präsident des EU-Parlaments, Martin Schulz, betonte: „Man kann nicht alle Vorteile des großen europäischen Binnenmarktes für sich in Anspruch nehmen, sich dann aber teilweise raustun.“ Das werde man jetzt mit der Schweiz diskutieren müssen“, sagte der SPD-Politiker im ZDF.

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die Europäische Union kann es sich nicht erlauben, in den Verhandlungen mit der Schweiz nachzugeben. Zu groß ist die Gefahr, dass Nachahmer gleiche Rechte wie die Schweiz fordern und die Grundpfeiler der EU so Stück für Stück demontiert werden. In Großbritannien macht die United Kingdom Independence Party seit Monaten Premier David Cameron Druck, das Verhältnis zur Europäischen Union neu zu verhandeln. Auch in Frankreich und den Niederlanden gibt es ähnliche Strömungen. Gibt der EU der Schweiz nach, droht ein Dammbruch.

(mit Material von dpa und Reuters)

.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%