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Von der Leyen EU bestellt weitere 300 Millionen Impfstoff-Dosen von Biontech

Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission hat einen Vertrag über weitere Dosen des Corona-Impfstoffs abgeschlossen. Quelle: dpa

Die Europäische Union hat sich weitere 300 Millionen Dosen des Impfstoffs von Pfizer und Biontech gesichert. Ab sofort können mit dem Impfstoff aus einer Ampulle mehr Menschen geimpft werden.

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Die EU-Kommission hat einen Vertrag über weitere bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma Biontech und ihres US-Partners Pfizer abgeschlossen. 75 Millionen Dosen davon sollten bereits im zweiten Quartal 2021 zur Verfügung stehen, sagte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Freitag in Brüssel.

Und: Der knappe Corona-Impfstoff soll für mehr Menschen reichen als bisher gedacht. Denn seit Freitagnachmittag kann aus den gelieferten Ampullen mehr von dem schützenden Serum entnommen werden. Die Mengen könnten sich so voraussichtlich um bis zu 20 Prozent steigern, teilten die europäische Arzneimittelbehörde EMA und ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums am Freitag mit. EU-weit gibt es zudem eine neue Vereinbarung über bis zu weitere 300 Millionen Dosen Corona-Impfstoff der Mainzer Firma Biontech und seines US-Partners Pfizer.

Um die Zahl der einzelnen Dosen zu steigern, ließ die europäische Arzneimittelbehörde EMA zu, dass sechs statt bisher fünf Dosen aus einer Ampulle von Biontech/Pfizer gezogen werden dürfen, wie der Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums mitteilte. Diese Möglichkeit wird bereits seit Tagen diskutiert und geprüft.

Das Verfahren ist allerdings in der Umsetzung an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So seien entsprechende Spritzen nötig, um sechs Dosen aus einer Ampulle zu ziehen, sagte der Sprecher. Man könne in mehreren Ampullen verbleibenden Impfstoff nicht einfach zusammengießen.

Der neue Vertrag folgt auf Klagen über Knappheit von Impfstoff in Deutschland und anderen EU-Staaten. Sowohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) als auch die EU-Kommission standen in der Kritik. Das Biontech/Pfizer-Präparat war am 21. Dezember als erster Corona-Impfstoff in der EU zugelassen worden. Am Mittwoch wurde auch das Mittel des US-Herstellers Moderna genehmigt.

Bereits im November hatte die EU-Kommission für alle 27 Staaten bis zu 300 Millionen Impfstoffdosen von Biontech/Pfizer bestellt – eine feste Bestellung von 200 Millionen Dosen und eine Option auf 100 Millionen weitere, die vor kurzem gezogen wurde. Sowohl Biontech als auch die EU-Kommission hatten zuletzt bestätigt, dass über weitere Lieferungen verhandelt werde.

Die EU-Kommission hatte sich stets gegen die Kritik an einem Impfstoffmangel gewehrt. Die Zahl der Impfstoffe reiche aus, die Mittel müssten jedoch erst produziert werden, betonte ein Sprecher. Die Impfkampagne habe gerade erst begonnen. Im Moment sei nicht die Zahl der Bestellungen, sondern die Produktionskapazitäten der Unternehmen seien der Flaschenhals, hieß es aus der Brüsseler Behörde.



In Deutschland wird derzeit an einem neuen Produktionsstandort von Biontech in Marburg gearbeitet. Wenn dieser wie geplant im Februar in Betrieb gehe, dann könne das Unternehmen die Impfstoffproduktion massiv ausbauen, sagte Spahn jüngst. „Das führt zu früheren Lieferungen bestellter Dosen.“

Im Rückstand mit den Impfstofflieferungen

Noch sind das Mainzer Biotechunternehmen und sein Partner sind übrigens im Rückstand mit den bisherigen Corona-Impfstofflieferungen an die EU. „Biontech hatte der EU bis Jahresende 2020 vertraglich 25 Millionen Dosen zugesichert“, erfuhr die WirtschaftsWoche aus Gesundheitskreisen.

Als das Unternehmen im November weltweit die Prognosen für die Liefermengen 2020 reduzierte, schrumpfte die angekündigte Liefermenge für die EU auf 12,5 Millionen Dosen. Diese halbierte Menge wurde 2020 produziert und wird nun sukzessive ausgeliefert. Im Dezember hatte Biontech seinen Lieferplan entsprechend angepasst.

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Für Deutschland bedeutet das: Bis zum Jahresende hat die Bundesregierung 1,3 Millionen an Impfdosen von Biontech erhalten. Bei der ursprünglich geplanten Lieferung hätte Deutschland laut dem Verteilungsschlüssel der EU mindestens 4,6 Millionen Dosen erhalten müssen. Nach Auskunft des Bundesgesundheitsministerium werden sich die Lieferungen von Biontech bis 1. Februar auf 3,98 Millionen Dosen belaufen. Der Rückstand gegenüber der ursprünglichen Planung ist damit noch immer nicht aufgeholt. Zu den Zahlen äußert sich Biontech nicht.

Neben Biontech/Pfizer gibt es bereits Rahmenverträge mit fünf weiteren Herstellern. Inklusive des neuen Vertrags mit Biontech/Pfizer kann die EU nun insgesamt mehr als zwei Milliarden Dosen beziehen. Von Moderna hat die EU-Kommission bis zu 160 Millionen Dosen gesichert.

Mehr zum Thema: Zu wenige Dosen, auf falsche Anbieter gesetzt, zu langsames Impfen: Die Kritik wegen des Impf-Fehlstarts nimmt zu. Sind die Unternehmen schuld?

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