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Vor dem Gesetz sind nicht alle gleich Korrupte spanische Justiz holt Regierungschef Rajoy ein

Korruption und Schwarzgeld-Skandale lassen Spanien im europäischen Ausland schlecht dastehen. Denn Spaniens Justizsystem gilt wegen fehlender Unabhängigkeit und Effizienz als eines der größten Übel der Wirtschaftskrise. Doch ab Montag könnte es eng werden für den in den Skandal verwickelten Regierungschef Mariano Rajoy.

Spaniens Justizsystem ist der Gesellschaft immer mehr ein Dorn im Auge. Der politische Druck nimmt aufgrund der wachsenden Öffentlichkeit der Fälle immer mehr zu. Quelle: REUTERS

Noch kann es niemand so recht glauben, dass der seit Monaten unter Verdacht der Steuerhinterziehung stehende Luis Bárcenas tatsächlich in Untersuchungshaft sitzt. Vor wenigen Wochen spazierte der ehemalige Buchhalter der regierenden Partido Popular (PP) noch durch das Madrider Nobelviertel Salamanca und schlürfte gemächlich seinen Kaffee. Viele vermuteten politischen Schutz für den wegen verschiedener Nummernkonten in der Schweiz auffällig gewordenen Bárcenas. Jetzt scheint dieser gebrochen. Der einst mächtige Mann der PP hat angeblich seine Original-Unterlagen an die Tageszeitung EL MUNDO gespielt. Aus diesen wird demnach ersichtlich, dass auch Regierungschef Mariano Rajoy Teil des vermuteten Systems von Schwarzgeld-Zahlungen an einzelne Parteimitglieder war. Alles soll Teil einer der größten Korruptionsskandale der spanischen Geschichte sein: der mit dem deutschen Wort Gürtel benannte Fall, bei dem Kommissionen aus der Wirtschaft für Baugenehmigungen und andere politische Gefallen geflossen sind. Bárcenas, der 20 Jahre lang die Bücher der PP verwaltete, droht mit weiteren Enthüllungen. Am kommenden Montag wird er erstmals vor Gericht dazu aussagen. Untersuchungsrichter Pablo Ruz steht unter enormen Druck.

Das sind die korruptesten Länder Europas
Eine Hand reicht einen Umschlag mit Bargeld über einen Schreibtisch. Quelle: dpa/dpaweb
Maori warrior perform during an official maori welcome to Britain's royals, Prince Charles (unseen) and his wife Camilla (unseen) Quelle: dpa
An Swedish embassy employee adjusts a Swedish Quelle: dpa
The Swiss flag is projected on the international headquarters of Nestle, Quelle: dpa
A Dutch supporter, his face painted in the colors of the national flag Quelle: AP
Das Brandenburger Tor ist in den frühen Morgenstunden am 05.12.2012 in Berlin hinter einem beleuchteten Tannenbaum zu sehen. Quelle: dpa
A woman leaves a government job center in Madrid Quelle: dapd

Brisante Korruptions-Fälle wie Bárcenas gibt es derzeit en masse in Spanien. Der ehemalige Präsident des Arbeitgeber-Verbandes Gerardo Díaz Ferrán sitzt wegen angeblicher Veruntreuung von Geldern  und Steuerhinterziehung in  Untersuchungshaft, das Königshaus ist über den Schwiegersohn Iñaki Urdangarin in einen hässlichen Fall von Korruption verwickelt und auch der ehemalige Chef der Sparkasse Caja Madrid, heute Bankia, steht unter Verdacht, während seiner Amtszeit 1996 bis 2009 Gelder veruntreut und Vetternwirtschaft betrieben zu haben.

Kein gutes Image, das das Krisenland derzeit im Ausland vermittelt. "Dabei weist Spanien heute nicht mehr Korruption auf als vor zehn Jahren", sagt Mike Beke von der Organisation Transparency International in Spanien. Dennoch haben die Spanier, wie mehrere Umfragen ergeben, das Gefühl, dass ihr Land korrupter geworden ist. "Der Druck der Öffentlichkeit auf die Politik und Justiz ist enorm gestiegen und damit auch die Medienpräsenz solcher Korruptions-Skandale", sagt Beke dieses Phänomen. Das verschaffe den Eindruck, dass die Situation heute dramatischer sei als früher: "Dabei ist nur die  Toleranzschwelle der Gesellschaft inzwischen viel niedriger."

Viele Organisationen wie die Richtervereinigung "Jueces para la Democracia (JpD)" kritisieren in den Medien und eigenen Blogs den lahmen und politisch abhängigen Justizapparat und versuchen auf diese Weise Opposition gegen die beiden großen Volksparteien PSOE und PP zu betreiben, welche nach Meinung vieler durch die wachsende Anzahl von Begnadigungen und Einflussnahme auf die Richter die Glaubwürdigkeit verloren hätten.

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