Vorschlag vom Ifo-Institut Warum Flüchtlinge versteigert werden sollten

Viele EU-Staaten wehren sich gegen feste Flüchtlingsquoten. Das Ifo-Institut schlägt nun ein neues Verfahren vor, bei dem Asylbewerber mit Hilfe von Versteigerungen verteilt werden. Was taugt das Ökonomen-Konzept?

Flüchtlingsverteilung in Europa. Quelle: dpa Picture-Alliance

Die Flüchtlingskrise könnte binnen kürzester Zeit gelöst werden. Würden die Asylsuchenden, die derzeit vor allem nach Deutschland, Österreich und Schweden kommen, auf alle EU-Staaten verteilt werden, wäre diese gleichmäßige Belastung für die 28 Mitgliedsstaaten wohl verkraftbar. Die EU müsste zwar immer noch Antworten auf die Ursachen der Krise finden. Städte, Kommunen oder gar ganze Länder stünden aber nicht mehr vor einem Kollaps.

Ende September haben sich die Europäer darauf verständigt, 120.000 nach einem solchen System zu verteilen. Angesichts der vorliegenden Zahlen – in Deutschland zuletzt 400.000 registrierte Flüchtlinge und Migranten in sechs Wochen – kann von einer europäischen Lösung aber keine Rede sein. De facto nehmen derzeit nur drei Staaten in der EU Flüchtlinge auf.

Der Münchner Ökonom Volker Meier vom Ifo-Institut hat nun einen Vorschlag unterbreitet, wie Asylsuchende effizienter auf dem Kontinent verteilt werden können. Versteigerungen stehen dabei im Zentrum der Idee.

Städte und Gemeinden in ganz Europa würden für die Unterbringung von Flüchtlingen einen Betrag nennen, den sie fordern, um einen Flüchtling aufzunehmen. Anders als bei einer normalen Versteigerung gewinnt nicht der Höchstbietende. Derjenige, der das niedrigste Gebot abgibt, erhält von der EU den Zuschlag, die auch die Kosten trägt. Alle Bieter müssen zuvor festgelegte Standards für Unterbringung und Integration einhalten.

So viel Geld bekommen Flüchtlinge in den europäischen Ländern

Meiers Ansatz würde das heutige System ergänzen. In Deutschland werden Flüchtlinge bislang nach zwei Kriterien verteilt – der Bevölkerungszahl der Bundesländer und dem Steueraufkommen. Diesen „Königsteiner Schlüssel“ wollen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker dauerhaft auf die europäische Ebene ausweiten. Bereits die einmalige Verteilung von 120.000 Flüchtlingen richtet sich jeweils zu 40 Prozent nach Bevölkerungszahl und Wirtschaftskraft sowie zu je zehn Prozent nach Arbeitslosigkeit und nach der Zahl der Asylsuchenden in den letzten vier Jahren.

Im neuen Bieterverfahren würden weitere Erwägungen eine Rolle spielen – vor allem, wie eine Stadt oder Gemeinde die Zukunftschancen für einen Flüchtling bei sich einschätzt. Gibt es genügend Wohnraum und Arbeitsplätze? Sind die Einheimischen hilfsbereit oder eher fremdenfeindlich? Welche Sozialleistungen sind künftig notwendig? Was spielt ein Flüchtling langfristig in den Wirtschaftskreislauf zurück? All diese Faktoren würde eine Stadt berücksichtigen, wenn sie in einem Bieterwettbewerb einen Preis nennt. Je niedriger der Preis, desto eher glaubt ein Bürgermeister oder Landrat, dass die Integration gelingen kann. Wer höhere Preise abgibt, hat eher Zweifel und sieht Risiken.

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