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Vorwahlen in Italien Die möglichen Erben des Mario Monti

Wer regiert ab April 2013 Italien? Mario Monti könnte bleiben, Berlusconi auf die politische Bühne zurückkehren, doch sicher ist das alles nicht. Die Demokratische Partei Italiens (PD) machte jetzt ihrerseits eine Ansage. In einer Stichwahl kürte sie gestern ihren Herausforderer.

Was Sie über Italien wissen sollten
Griechen, Römer, katholische Kirche und die Renaissance: Italien ist das Land mit den meisten Denkmälern, die unter dem  Schutz der Unesco stehen. 47 nationale Monumente listet die Unesco derzeit auf. Mit dabei: der griechische Juno-Tempel von Agrigent, Sizilien. Quelle: AP
Italien hat mehrere aktive Vulkane. Der Ätna (im Bild), der Vesuv und der Stromboli sind in den vergangenen 100 Jahren mehrmals ausgebrochen. Das Naturschauspiel wandelt sich schnell zur Naturkatastrophe - Erdbeben und Vulkane fordern stets zahlreiche Menschenleben. Quelle: dapd
Italien - ein Land mit den Gebirgsketten Alpen und Apenninen und 60 Millionen Einwohnern. Da bleibt nicht viel übrig für die Landwirtschaft. Lediglich ein Drittel der Landesfläche kann dafür genutzt werden. Trotzdem gehört das Mittelmeerland zu einem der weltweit größten Exporteure für Kiwifrüchte. Außerdem baut das Land erfolgreich Wein und Olivenöl an - weitere Exportschlager.
"Liebe geht durch den Magen." Wenn das stimmt, dann kann man Italien einfach nur lieben. Olivenöl und Rotwein bilden die Basis der mediterranen Küche. In Neapel wurde im 18. Jahrhundert die Pizza populär. Und die Liebe zur Pasta ist keine Erfindung der Werbebranche: Pasta verspeisen Italiener in rauen Mengen - bis zu 25 Kilogramm pro Jahr und Kopf. Weil die Italiener ihr Essen lieben, mögen sie es gar nicht, wenn ihre kulinarischen Errungenschaften verhunzt werden. Hähnchen und Barbacue-Sauce auf der Pizza oder sogar die Variante Hawaii gelten in Italien als "deutsche Unsitte".
Der Hang, hierzulande italienische Dinge zu übernehmen, hat Tradition. 1861 wurde Italien als Nationalstaat gegründet, Deutschland unternahm den gleichen Schritt zehn Jahre später 1871. Die Faschisten marschierten unter Mussolini 1922 auf Rom, 1933 kamen die Nazis in Berlin an die Macht. Anfang der 1990er Jahre schaffte sich die bis dann am längsten regierende Partei Democrazia Cristiana ab. Ein Vorzeichen für die Union? Quelle: dpa
Auch das Marschieren hat Tradition. Als Rom noch eine Weltmacht war: Die Legionen aus der iberischen Stiefelhalbinsel marschierten auf der Höhe des römischen Imperiums im Jahr 117 von Portugal bis nach Syrien. 120 Millionen Menschen lebten in den Grenzen des Imperiums.
Italien hat einige bedeutende Entdecker und Abenteurer hervorgebracht. Marco Polo ging zu Fuß nach China und brachte Gewürze zurück. Im Dienste der spanischen Krone überquerte Christoph Kolumbus mit drei kleinen Karavellen den Atlantik - und entdeckte Amerika und die Neue Welt. Im Bild: Touristen betrachten Christoph Kolumbus' Grabmahl, in dem sich die sterblichen Überreste des Abenteurers befinden sollen, in Kathedrale von Sevilla, Spanien. Quelle: AP

Im April 2013 beginnt für Italien eine neue politische Ära. Die Technokraten-Regierung unter der Führung des Mailänder Ökonomen Mario Monti, die Italien übergangsweise seit November 2011 führte, muss abtreten. Ein neuer, demokratisch legitimierter Regierungschef, soll übernehmen. Aber wer nur? Vier Monate vor dem Urnengang sucht Italiens Polit-Riege noch immer nach geeigneten Kandidaten für die Monti-Nachfolge; mit Pier Luigi Bersani macht die Demokratische Partei (PD) nun eine erste konkrete Ansage.

Mehr als 2,5 Millionen registrierter Wähler hatten am Sonntag in einer Stichwahl über die künftige Ausrichtung der Demokratischen Partei abgestimmt, die - glaubt man den Umfragen - derzeit stärkste Partei Italiens. Sie dürfte damit in erster Linie bestimmen, wie es mit Mario Monti und dem Euro-Krisenland ab April weitergeht. Die Vorwahl der PD war eine Abstimmung zwischen zwei Welten, am Ende warf Parteichef Pier Luigi Bersani, mit seinen 61 Jahren ein alter Hase im Polit-Geschäft, den erst 37-jährigen florentinischen Bürgermeister Matteo Renzi aus dem Rennen. Bersani holte über 60 Prozent der Stimmen.

Es ist ein Ergebnis, das diejenigen aufatmen lässt, die sich einen erfahrenen Politiker an der Spitze des Stiefelstaates wünschen, einen, dem zuzutrauen ist, die Reformen, die Mario Monti innerhalb des letzten Jahres anstieß, weiterzuführen. Seinen Ruf, auch in Wirtschaftsfragen kompetent zu sein, erwarb er sich nicht zuletzt während seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister (2006 – 2008) in der  zweiten Regierung Prodi. Links-orientiert galt er dennoch als pragmatisch und brachte überfällige Liberalisierungs-Gesetzen im Parlament durch – diese schufen die Basis für mehr Wettbewerb in bestimmten Berufsgruppen und Branchen, darunter etwa Architekten, Apotheker, Mobilfunk-Netzbetreiber oder der Warengroßhandel.

Matteo Renzi, auf der anderen Seite, hat keine nationale politische Expertise. Allerdings hat sein Aktionismus auf regionaler Ebene, zuerst als Präsident der Provinz Florenz, seit 2009 als Bürgermeister von Florenz, viele begeistert. Die Innenstadt von Florenz, die im Verkehrschaos unterzugehen drohte, machte er binnen weniger Wochen autofrei. Er verordnete sich und der gesamten Verwaltung Car-Sharing und senkte einige kleinere Steuern – darunter die Stromsteuer.

Doch mehr als kleine Fortschritte hier und da gewinnt er nicht zuletzt die jungen Italiener für sich, nicht zuletzt dank seines Charismas. Wochenlang tourte er mit einem Camper durchs ganze Land – die Spritkosten sammelte er übers Internet. Wer Renzi reden hört, ihn auf Facebook oder Twitter verfolgt, sieht ein modernes Italien – dem Fortschritt zugewandt und ohne die Renzi die alten Parteikader, gegen die Renzi in fast allen seiner Auftritte Stimmung machte.  

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