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Währungsexperte Hankel "Der Euro droht zum Transfer-Rubel zu werden"

Währungsexperte Wilhelm Hankel warnt: Wenn die Euro-Staaten ihre Rettungspolitik nicht ändern, droht ein Fiasko.

Wilhelm Hankel Quelle: dpa

Es könnte enden, wie es begonnen hat. Griechenland, einst Europas kulturelle Wiege, wird zum Grabstein der politischen Kultur und des wirtschaftlichen Wohlstands in der Euro-Zone. Der für Griechenland in Gang gesetzte Finanzierungsmechanismus löst eine Automatik aus, an deren Ende aus dem Euro eine auf den gemeinsamen Markt beschränkte konvertible Binnenwährung wird. Dieser Prozess verläuft in mehreren Phasen, wobei die erste schon abgeschlossen ist.

Mit der Währungsunion ist in Europa kein optimaler Währungsraum entstanden, sondern ein dysfunktionaler. Die Zinsen waren für die entwickelten Euro-Länder des Nordens zu hoch, für die des Südens zu niedrig, für die Wechselkurse galt Umgekehrtes. Die unvermeidliche Folge: Der Süden finanzierte seine weitgehend konsumtive Expansion inflationär aus Krediten und Kapitalimporten, seine Leistungsbilanzdefizite eskalierten, ebenso die private und staatliche Überschuldung.

Dauerkredit Target

Was bisher nur ein Problem der havarierenden Südstaaten der Euro-Zone war, wird durch Missbrauch des Target2-Systems und den ESM-Vertrag zu einem der gesamten EU. Die Euro-Rettung stürzt die Währungszone in eine dauerhafte Stagflation: eine Inflation der Retter im Norden, eine verheerende Deflation der zur realen Abwertung gezwungenen Staaten im Süden. Die ihren Statuten Hohn sprechende Inflationspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), das zu einem Dauer-Kredit ausgeuferte Zentralbank-Clearing (Target2), die Ankäufe von Schrottanleihen und die beispiellose Flutung der Euro-Banken versetzen Sparer und Investoren in Panik und setzen eine Kapitalflucht in sichere Anlagehäfen in Gang.

Je länger die Euro-Krise schwelt, desto größer werden die Summen, die vor allem die Situation in den Krisenländern verschärfen. Target2, das als Giro-Verkehr unter Zentralbanken gedacht war, ist längst zu einem Kreditmechanismus für die Krisenländer denaturiert. Aus der europäischen Zentralbank ist ein innereuropäischer IWF geworden,der im Gegensatz zum echten das doppelte Defizit aus Leistungsbilanz und Staatshaushalt finanziert. Der monetäre Transfermechanismus wirkt zwar in der ersten Phase der Deflation in den Krisenländern entgegen, solange wie dort noch Nachfrage nach Bankkrediten besteht; in Phase zwei finanziert er nur noch die Kapitalflucht. Mit der Aussicht auf Staatsbankrott und sozialer Explosion kann man keinen Investitions-Gaul zur Kredit-Tränke locken.

Rückführung zur Wechselkursunion

Wie viel der Euro wirklich wert ist
Euro oder Gold
Der Euro im Währungsmix...
...und gegenüber dem DollarGemessen an der US-Währung hatte der Euro einen schwachen Start – dann stieg er kräftig an und erreichte im April 2008 mit fast 1,60 Dollar seinen höchsten Wert. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise sackte er ab.
Bislang kein Teuro
Schwellenländer holen aufDie Währungen der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnen an Bedeutung. Der Euro wertete seit Ausbruch der Krise gegenüber diesen Währungen ab (Index 2000 = 100; Quelle: Thomson Reuters).

Inflation und eskalierende Kapitalflucht lassen die Euro-Zone tiefrote Zahlen in Leistungs- und Zahlungsbilanz schreiben, die auch Deutschlands Leistungsbilanz-Überschussrekorde nicht mehr kompensieren können. Der Euro wertet ab im freien Fall: nicht nur zu Gold und US-Dollar, sondern zu allen übrigen stabilen Weltwährungen. Die EZB, eine Zentralbank ohne ausreichende Reserven, ist dann auf die Unterstützung durch die nationalen Zentralbanken angewiesen. Und wenn diese sich weigern? EU-Kommission und Euro-Rettern stehen dann ganz legal die in Artikel 64 AEUV vorgesehenen „Ausnahmen im Kapitalverkehr mit Drittstaaten“ als Stützungsmaßnahme für den Euro zur Verfügung. Die Kapitalbremse nach außen wird so zum wirksamen Ersatz für die ohnehin unglaubwürdige Schuldenbremse im Inneren! Der weltweit konvertible Euro mutiert dann, frei von jedem Wechselkursdruck, zur Binnenwährung des gemeinsamen Marktes. Wie weiland der Transfer-Rubel der UdSSR oder die Mark der DDR!

Gefängnis Europa

Zwar gelänge es so, den Kapitalentzug der europäischen Volkswirtschaften zu stoppen, doch um welchen Preis? Das Ausland verlöre jedes Interesse an europäischen Kapitalbeteiligungen und Joint Ventures. Hauptgeschädigte wären Länder mit starken Exportstrukturen wie Deutschland. Ein nur noch beschränkt konvertibler Euro verwandelt EU und Euro-Zone nicht nur in einen kafkaesken Bürokraten-Staat, sondern in ein wirtschaftliches Gefängnis. Geschäfte mit dem Euro-Ausland und Reisen dorthin müssten beantragt und genehmigt werden. Der Lebensstandard der Bevölkerung sänke nachhaltig, trotz formeller Inflationskontrolle. Denn vom Überschuss der gesamteuropäischen Leistungsbilanz hängt ab, wie viel Geld für den Import von Auslandsgütern sowie Auslandsreisen zur Verfügung steht und wer für was die unentbehrlichen Devisenzuteilungen erhält.

In Arbeit
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Dieser Prozess lässt sich nur stoppen, wenn statt Euro-Rettung die Rückführung der Währungsunion in eine Wechselkursunion betrieben wird, wie sie in der EU vor Einführung des Euro bestand und Grundlage aller internationaler Währungssysteme der Vergangenheit war, gleichviel ob Bretton Woods oder Goldstandard. Kein Staat kann zwei Dinge aus der Hand geben: seine Verantwortung für stabiles Geld und ausreichende Beschäftigung. Der Euro hat den Beweis erbracht, dass es beides in „einem Geld der 17“ nicht gibt und dass bei „sozialisierter“ Geldpolitik kein Staat seine gesellschaftlichen Probleme lösen kann.

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