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Währungsunion Der Euro im Faktencheck

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These 1: Der Euro schützt uns vor Wechselkursschwankungen und kurbelt so die Exporte an

Wie viel der Euro wirklich wert ist
Euro oder Gold
Der Euro im Währungsmix...
...und gegenüber dem DollarGemessen an der US-Währung hatte der Euro einen schwachen Start – dann stieg er kräftig an und erreichte im April 2008 mit fast 1,60 Dollar seinen höchsten Wert. Doch mit Ausbruch der Finanzkrise sackte er ab.
Bislang kein Teuro
Schwellenländer holen aufDie Währungen der BRIC-Länder (Brasilien, Russland, Indien, China) gewinnen an Bedeutung. Der Euro wertete seit Ausbruch der Krise gegenüber diesen Währungen ab (Index 2000 = 100; Quelle: Thomson Reuters).

Geht es um den Euro, zeigen sich Deutschlands Unternehmenslenker einig wie selten. Die gemeinsame Währung, so der Tenor in den Vorstandsetagen, sei ein Segen für Deutschland und beschere dem Land großen Wohlstand. Vor allem die exportorientierten Konzerne sind eifrige Fürsprecher der Gemeinschaftswährung (siehe Seite 25). Viele erinnern sich noch an die Zeiten, als die D-Mark aufwertete und Erzeugnisse aus deutscher Herstellung verteuerte – während sich die Konkurrenz etwa aus Italien durch Abwertungen immer wieder Preisvorteile verschaffte. Durch den Euro sind diese Zeiten vorbei, die italienische Konkurrenz ist abgehängt. Aber würde die Rückkehr zur D-Mark die Exporte wirklich gefährden und Deutschland in die Krise stürzen?

Tatsache ist: Der Außenhandel zwischen den Ländern der Währungsunion hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten kräftig zugenommen. Belief sich der Warenaustausch zwischen den Euro-Ländern von 1988 bis 1998 noch auf zwölf Prozent des gemeinsamen Bruttoinlandsprodukts (BIP), so lag er in den zehn Jahren nach der Euro-Einführung 1999 im Schnitt schon bei mehr als 15 Prozent.

Allerdings: Den größten Schub erhielt der Handel nicht durch den Euro, sondern durch den Binnenmarkt. Er befreite den Warenverkehr ab 1993 von Zöllen und anderen Handelshemmnissen. So legte der Anteil des intraeuropäischen Handels am BIP von 1993 bis 1999 um zehn Prozentpunkte zu. Nach der Euro-Einführung bis zur Finanzkrise stieg er nur noch um rund zwei Prozentpunkte (siehe Grafik).

Grafik Grenzüberschreitender Handel innerhalb der Euro-Zone

Rückkehr zur D-Mark

Fiele die Währungsunion auseinander und kehrte Deutschland zur D-Mark zurück, würde diese wohl kräftig aufwerten. Doch nichts spricht dafür, dass die deutschen Exporte deshalb kollabierten. Empirische Studien zeigen, dass eine reale effektive Aufwertung der Währung um ein Prozent die deutschen Exporte lediglich um 0,5 Prozent verringert. Dank der hohen Produktqualität und Kundenorientierung können deutsche Unternehmen ihre Waren auch mit einer starken Währung losschlagen.

Wichtiger als Währungsfragen ist für die Exporteure, ob die Konjunktur im Ausland rund läuft. Kehrte Europa zu nationalen Währungen zurück, würden die Währungen der Krisenländer kräftig abwerten. Das regte ihre Exporte und damit die Konjunktur an. Untersuchungen zeigen, dass die deutschen Exporte um mehr als zwei Prozent zulegen, wenn sich das BIP der Handelspartner um ein Prozent erhöht.

Beispiel Asien

Ein Beispiel dafür ist Asien. Die deutschen Exporte in die Boomregion haben – trotz Wechselkursschwankungen – seit 1999 um 360 Prozent zugenommen. Die Ausfuhren in die Länder der Euro-Zone legten im gleichen Zeitraum nur um rund 100 Prozent zu, der Anteil Euro-Lands an den deutschen Exporten sank von 46 auf knapp 40 Prozent.

Auch wenn es Deutschlands Unternehmenslenker nur ungern hören: Das Wohl und Wehe der heimischen Exportwirtschaft hängt nicht am Euro.

Fazit: These stimmt nur zum Teil

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