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Wahl in Griechenland Warum sollten Griechen Tsipras ihre Stimme geben?

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Mangelnde Glaubwürdigkeit macht Tsipras mit Charisma wett

Dann wird es auf einmal hektisch auf dem Syntagma-Platz. Die Kameraleute bilden eine Traube um Evangelos Meimarakis, der zum Wahlkampfzelt schreitet. Keine zweihundert Leute sind es, die sich die Rede von Meimarakis anhören. Mit seiner Halbglatze und dem weißen Schnauzer gibt der 61-Jährige das Gegenbild zum jugendlich wirkenden Alexis Tsipras ab. Nach zehn Minuten verschwindet Meimarakis schon wieder von dem Platz, an dem Tsipras tags zuvor Tausende mitgerissen hat. Glaubwürdig mag Tsipras nicht mehr sein. An Charisma können sich seine Rivalen allerdings nicht mit ihm messen.

Die deutschen Protagonisten im Krisen-Countdown
Wolfgang Schäuble: Der RealistDer Bundesfinanzminister (CDU) spricht von „gegenseitigem Vertrauen“ und von „anstrengenden“ Verhandlungen mit Griechenland. Er will das Land im Euro halten, er sagt aber auch zu einem möglichen Grexit: Das sei eine “Entscheidung des griechischen Volkes“. So klingt einer, der einen Grexit nicht mehr für eine Katastrophe hält. Quelle: AP
Angela Merkel: Die VerhandlerinDie Bundeskanzlerin pflegt ihre Marke und vermeidet öffentliche Aussagen zu Griechenland. Wenn sie etwas sagt, steht sie fest zu Griechenland im Euro-Raum. Alles andere verbietet sich. Dabei setzt die Kanzlerin weiter auf die Kraft der Verhandlungen - im Zweifel auch ohne den griechischen Ministerpräsidenten. Beim Treffen von IWF, EZB, Jean-Claude Juncker und Francoise Hollande Anfang der Woche blieb Tsipras außen vor. Quelle: AP
Sigmar Gabriel: Der VorsichtigeDer Bundeswirtschaftsminister (SPD) hält sich mit öffentlicher Kritik an Griechenland zurück, sieht den Ball aber nun in Athen. Die Gläubiger hätten ihre Vorschläge gemacht. „Es hängt jetzt von Griechenland ab", so Gabriel. Gleichzeitig warnte er vor „gigantischen“ Konsequenzen einer Insolvenz. Die Wahrheit sei: "Wenn der erste Stein aus dem europäischen Haus herausbrechen würde, dass dann Europa in einem anderen Aggregatzustand wäre." Quelle: dpa
Jens Weidmann: Der MahnerDer Bundesbank-Präsident ist der Mahner der Bundesregierung. Er macht hinter den Kulissen Druck. Vor allem die Bankenfinanzierung in Athen macht ihm Sorgen. Denn die griechische Zentralbank hilft den klammen Geschäftsbanken im Land mit Notfallkrediten, um sie mit Liquidität versorgen. Doch mit dem Geld kaufen die Banken vor allem kurzlaufende Staatsanleihen oder verlängern diese – das gleicht einer monetären Staatsfinanzierung. Weidmann warnt vor einer Destabilisierung des Finanzsystems und fordert, dass Banken Staatsanleihen künftig mit Eigenkapital in der Bilanz absichern müssen. Quelle: dpa
Martin Schulz: Der UngeduldigeEr ist kein direkt Beteiligter, aber einer, der Tacheles redet. Griechenland habe gegenüber Europa „eine Bringschuld“, so Schulz, „weil es viel Solidarität von der EU erfahren hat". Deshalb müsse Athen Reformen voranbringen, bei der Reform seiner Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung, bei einer gerechteren Verteilung der Lasten, besonders auch bei der Besteuerung der großen griechischen Vermögen. Dann wird der SPD-Politiker noch deutlicher: "Leider sehen wir da bisher noch nicht das, was sich viele auch in Griechenland vorgestellt haben." Quelle: dpa
Bernd Riexinger: Der VerteidigerDer Linken-Chef nimmt seinen Parteifreund Tsipras aus Griechenland in Schutz. Schuld an der Misere seien die alten Eliten und Vorgängerregierungen. Die Linke fordert einen Schuldenschnitt und mehr Zeit für Reformen. Entlastung der kleinen Leute müsse durch eine Millionärssteuer finanziert werden. Zudem müsse Deutschland „die Zwangsanleihe, die Nazi-Deutschland Griechenland abgepresst hat“ zurückzahlen. Quelle: dpa
Simone Peter: Die VerständnisvolleGrünen-Parteichefin Simone Peter forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) auf, den Konfrontationskurs gegenüber der griechischen Regierung zu beenden. "Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren, sondern um einen guten Kompromiss, der Griechenland endlich wieder Luft zum Atmen gibt und mit sozial-ökologischen Investitionen das Wirtschaftswachstum ankurbelt." Quelle: dpa

Welche politische Sprengkraft die griechische Misere in manchen Teilen der Bevölkerung reifen lässt, zeigt sich dieser Tage bereits bei einer einfachen Taxifahrt durch Athen. „Die einzige Zeit, in der in Griechenland keine Gelder versickert sind, war Anfang der Siebziger-Jahre“, sagt der Taxi-Fahrer.

Der Einwand, dass Griechenland in dieser Zeit eine Militärdiktatur war, stört ihn wenig. „Natürlich will ich keine Diktatur, aber die Parteien bekommen es eben nicht hin.“ Seine Stimme will er den Rechtsradikalen der „Goldenen Morgenröte“ geben. Mit bis zu sieben Prozent der Stimmen könnte die Rechtsextremisten die drittstärkste Partei werden.

Keine absolute Mehrheit für niemand

Doch selbst wenn Tsipras die Parlamentswahlen gewinnen sollte und den nach griechischem Wahlrecht üblichen Bonus von 50 Parlamentssitzen kassiert, wird er eine Koalition bilden müssen. Denn an eine absolute Mehrheit der Stimmen glauben auch die Syriza-Fahnenschwenker vom Syntagma-Platz nicht. Viele von ihnen würden eine Koalition mit den Altsystem-Sozialisten von PASOK bevorzugen. Auch die Rechtsaußen der „Unabhängigen Griechen“ bleiben für Tsipras ein möglicher Koalitionspartner.

Wohin die Griechen am Sonntag ihr Kreuzchen wirklich setzen werden, dürfte bis zuletzt spannend bleiben. Die griechische Demoskopie ist traditionell wenig genau in ihren Prognosen. Den größten Unsicherheitsfaktor stellen die Meinungsforscher bei dieser Wahl aber offen heraus: Bis zu 600.000 Wähler sind demnach noch immer unentschlossen. Ihre Stimmen dürften die Wahl entscheiden.

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