Wahlen in Italien Silvio Berlusconi ist gefährlich alternativlos

Das Niveau der politischen Klasse in Italien ist kaum noch zu unterbieten. Unter den großen Parteien gibt es keine echte Alternative zu Silvio Berlusconi. In der Aktienkursentwicklung der Medienholding Mediaset deutet sich ein Comeback des Cavaliere an.

Silvio Berlusconi Quelle: REUTERS

Die italienischen Parlamentswahlen an diesem Wochenende sind entscheidend für Europa und die Finanzmärkte. Sollte Cavaliere Silvio Berlusconi und seine politischen Partner auch nur in die Nähe der Macht kommen, prophezeien Analysten der Nordea Bank den europäischen Aktienmärkten einen Kursrutsch um 15 Prozent. Der Einbruch der italienischen Anleihekurse wäre wohl noch dramatischer. Der italienische Staatsanleihenmarkt ist der drittgrößte Anleihenmarkt der Welt. Die Renditen dort könnten über das bisherige Krisenhoch von sechs Prozent hinaus schießen.

Das Niveau ist kaum zu unterbieten

Unter Berlusconi ist das italienische Bruttoinlandsprodukt pro Kopf um vier Prozent gefallen und die Staatsschuldenquote von 109 auf 120 Prozent gestiegen. Normalerweise hätte ein Kandidat mit einer derart desolaten Leistungsbilanz null Chancen auf eine Rückkehr ins Amt. Zumal Berlusconi im vergangenen Jahr in erster Instanz wegen Steuerbetruges zu einer Haftstrafe von vier Jahren verurteilt wurde. Aber was ist schon normal in Italien? Die politische Klasse gewiss nicht. Ihr Niveau ist kaum noch zu unterbieten.

Ein kleiner Lichtblick war Mario Monti. Doch im Wahlkampf durchlief der Technokrat eine bemerkenswerte Metamorphose. Der Politiker Monti will plötzlich Steuern senken und geht auf Distanz zu den Reformen, die er als Premier von Brüssels Gnaden durchgeboxt hatte. Seine Allianz mit Pier Luigi Bersani kostete ihm in der politischen Mitte viele Sympathien. Bersanis Partito Democratio wird für die Beinahe-Pleite der Banca Monte dei Paschi di Siena verantwortlich gemacht. Die Rettung der ältesten noch existierenden Bank der Welt kostete den italienischen Steuerzahler bereits mehrere Milliarden Euro.

Wissenswertes über Italien

Gleiches gilt für die "Anti-Parteien"-Partei von Beppe Grillo. Ihr wird aber ein Stimmanteil von bis zu 20 Prozent zugetraut. Damit wäre sie die zweitstärkste Partei des Landes. Der 63-jährigen Komiker Grillo hat seinen Wahlkampf ganz auf die Verunglimpfung der politischen Klasse konzentriert. Das Abschneiden seiner Partei entscheidet unter anderem darüber, ob Bersani und Monti genügend Sitze für eine stabile Regierungsmehrheit zusammenbekommen.

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Was schon jetzt ziemlich fest steht: Ein reformfeindlicher Anti-Euro-Block wird mindestens 45 Prozent der Stimmen auf sich vereinen. Die nächste Regierung wird sich also entweder mit einer starken Anti-Euro-Opposition auseinandersetzen müssen oder sie kommt gleich selbst aus diesem Lager. Dem OMT-Programm der Europäischen Zentralbank (EZB) droht der Lackmustest.

Da Umfrageergebnisse kurz vor der Wahl nicht mehr veröffentlicht werden dürfen, bleibt Anlegern nur der Blick auf den Aktienkurs von Mediaset, dem TV- und Unterhaltungskonzern des Cavaliere. Mediaset wäre der große Gewinner eines Berlusconi-Comebacks. Die Aktie legte seit November im Kurs stramm zu und zeigte sich vom jüngsten Kurseinbruch der Börse Mailand weitgehend unbeeindruckt. Bei einer Rückkehr Berlusconis an die Regierungsspitze gewännen zumindest die EU-Gipfeltreffen wieder an Unterhaltungswert.

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