Walter Krämer "Irgendwann kommt in Europa der große Knall"

Walter Krämer, Initiator des Ökonomen-Aufrufs von 2012, glaubt nicht an eine Wende zum Guten in der Euro-Krise. Im Interview erklärt der Wirtschaftsprofessor, wie der Euro unseren Wohlstand gefährdet, wieso es keinen zweiten Protestbrief geben wird - und warum er griechische Staatsanleihen hält.

WirtschaftsWoche: Herr Krämer, Sie schreiben in Ihrem neuen Buch "Kalte Enteignung": "Der Euro bedroht uns dreifach – durch Inflation, den Wertverfall deutschen Auslandsvermögens und durch Kreditausfälle in Südeuropa, für die der Steuerzahler bürgt". Welches ist momentan die akuteste Gefahr?

Walter Krämer: Die Kreditausfälle sind sicherlich das derzeit größte Risiko. Griechenland wird niemals in der Lage sein, die riesigen Staatsschulden aus eigener Kraft abzubauen. Dass Schuldenschnitte in der Euro-Zone kein Tabu sind, haben wir ja auch schon gesehen. Rund 100 Milliarden Euro mussten Gläubiger beim ersten Griechenland-Hilfspaket abschreiben.

Wann kommt der nächste Schuldenschnitt?

Das hängt davon ab, wie generös die Europäische Zentralbank weiterhin beim Ankauf von Staatsanleihen und beim Gelddrucken ist. Mit ihrer Ankündigung, den Euro auf jeden Fall zu verteidigen, werden die Probleme der Krisenländer überspielt. Gelöst sind sie dadurch nicht. Irgendwann kommt in Europa der große Knall.

Griechenlands Baustellen 2013

Das wäre die Insolvenz Griechenlands – oder das Aufflammen von Inflation im gesamten Euro-Raum.

Genau. Eine Notenbank kann einen Schuldenschnitt verhindern und bis zum Exzess Geld drucken. Das hat Deutschland ja 1923 bewiesen. Eine Hyperinflation aber wäre schlimmer als jeder Staatsbankrott. Deswegen wird es wahrscheinlich weitere Schuldenschnitte geben und eine moderate Inflation im Euro-Raum. Das träfe Sparer wie Steuerzahler gleichermaßen.

Sie schreiben, dass Hilfsprogramme der europäischen Steuerzahler eigentlich unnötig seien, weil beispielsweise die Griechen ihre Staatsschulden selbst tilgen könnten.

Ich habe einfach mal das griechische private Geldvermögen und die Schulden des Landes gegenübergestellt. Es zeigte sich: Zu dem Zeitpunkt, als die griechischen Staatsanleihen auf nur noch 20 Prozent des Nennwertes notierten, waren die gesamten griechischen Schulden niedriger als das Geldvermögen der Bürger. Sprich: Griechenland hätte sich aus eigener Kraft entschulden können, ohne dass die Bürger ihre Immobilen hätten verkaufen müssen und in die Armut getrieben worden wären.

Sie sprechen sich für eine Verstaatlichung von griechischem Privatvermögen aus?

Ich liefere einen Denkansatz, wie Griechenland aus eigener Kraft gesunden kann. Bevor man die europäischen Steuerzahler anpumpt, sollte man selbst schauen, ob man den Karren nicht eigenständig aus dem Dreck ziehen kann. Das ist möglich. Aber gleichzeitig nur eine Möglichkeit von vielen.

Walter Krämers neues Buch

Nennen Sie uns eine zweite.

Das Tragische an der Schuldenkrise ist doch, dass besonders die Arbeitnehmer, die Rentner und die jungen Erwachsenen, die auf Jobsuche sind, betroffen sind. Gleichzeitig gibt es insbesondere in den Krisenländern große Vermögen. Hier sollte gegengesteuert werden. Das heißt gar nicht, dass ich große Steuererhöhungen fordere, sondern vielmehr, dass bestehende Gesetze angewandt werden und zunächst einmal jeder seine Abgaben zahlt. Die Steuerbehörden in Südeuropa müssen effektiver werden und härter gegen Steuersünder vorgeben. Zwischen 20 und 30 Billionen teilweise illegal beiseite geschaffter Euros dümpeln weltweit auf Steueroasen herum. Könnte man die anzapfen, wäre die Euro-Krise morgen Früh zu Ende.

"Den Südeuropäern geht es deutlich besser als uns"

Die größten Euro-Gegner
Hans-Olaf Henkel war Industrie-Chef und sieht Europa durch den Euro bedroht. Die aktuelle Krisenbewältigung schränke die Demokratie in den Eurostaaten erheblich ein. Henkel hofft auf ein Einlenken der Bundeskanzlerin.
Der Ökonom und Präsident des Instituts für Wirtschaftsforschung Hans-Werner Sinn hält viele Euro-Mitgliedsländer für nicht wettbewerbsfähig. Er plädiert für einen Ausschluss Griechenlands aus der Währungsunion und warnt eindringlich vor einer Bankenunion und Eurobonds. Im vergangenen Jahr hat er einen Brandbrief von rund 200 deutschen Ökonomen mitunterzeichnet. Innerhalb der Bundesregierung hat er sich damit keine Freunde gemacht. Doch das wird Sinn nicht stören. Einer, der den ifo-Chef gut kennt sagte,
Alexis Tsipras ist Vorsitzender des griechischen Links-Bündnisses
Peter Gauweiler ist CSU-Politiker und profiliert sich vor allem als Euro-Skeptiker. Er stimmt gegen den Eurorettungsschirm und möchte die
Silvio Berlusconi ist Unternehmer und ehemaliger italienischer Ministerpräsident. Bei den Parlamentswahlen in Italien holte er fast 30 Prozent der Stimmen und konnte so eine linke Regierung verhindern. Berlusconi punktete im Wahlkampf mit dem Versprechen, die Sparprogramme seines Vorgängers Mario Monti rückgängig zumachen. Auch für seine populistischen Thesen gegen den Euro erhielt er Applaus. Den Euro zu verlassen, sei keine Blasphemie, sagt Berlusconi. Quelle: REUTERS
Timo Soini ist Mitglied des Europaparlaments und Präsident der Partei
Der Chef der rechtspopulistischen niederländischen Partei für die Freiheit (PVV) Geert Wilders hat sich erfolglos am Euro abgearbeitet. Er geißelte die Sparregeln als

Sind die Südeuropäer reicher als wir Deutschen?

Zumindest geht es ihnen nicht schlechter. Man muss Wohlstand nicht nur am Einkommen messen, sondern auch am Vermögen. Und da zeigte schon die EZB-Vermögensstudie, dass es den Südeuropäern deutlich besser geht. Noch eine persönliche Anekdote dazu: Ich war vor Kurzem im Urlaub an der Cote d‘Azur. Dort liegen zahlreiche Jachten in den Häfen. Ich habe mal geschaut, wo die herkommen. Die meisten Schiffe stammen aus Italien, Malta, Frankreich und Griechenland. Die Leute haben dort offenbar Geld genug – und zwar deutlich mehr als ich.

Das sind doch Ausnahmen. Und mit dem Blick auf Deutschland gilt: Uns geht es doch gut. Mehr Menschen als je zuvor sind in Arbeit – und die Shoppinglaune ist so hoch wie seit der Deutschen Einheit nicht mehr.

Wahr ist: Die Angestellten bei Daimler, Karstadt oder der Telekom sind nicht nur in Arbeit, sie bekommen auch ihren Lohn und die Firmen bekommen ihre Autos, Waren und Dienstleistungen bezahlt. Entscheidend aber ist: Den Leuten ist nicht klar, dass sie unter Umständen umsonst arbeiten. Denn das Geld, mit dem die deutschen Exporte bezahlt werden, haben sich die europäischen Nachbarn zum Großteil geliehen – von anderen Deutschen. Diese Problematik hat Hans-Werner Sinn in seinem Buch „Die  Target-Falle“ veranschaulicht. Diese unter andrem auch zum Finanzieren der eigenen Exporte von den Deutschen ausgeliehenen Summen sind die sogenannten Targetforderungen der Deutschen Bundesbank. Die sind völlig ungesichert und haben inzwischen eine dreistellige Milliardenhöhe erreicht. Gut möglich, dass dieses virtuelle Geld nie nach Deutschland zurückfließt. Das ginge zulasten deutscher Sparer, Rentner und Pensionäre.

Durchschnittliches Nettovermögen der Privathaushalte

Das Problem mit den Target-Salden wurde in der WirtschaftsWoche im März 2012 ausführlich dargestellt. Der Protest hielt sich in Grenzen. Sind die Deutschen naiv?

Die Leute werden systematisch für dumm verkauft. Von der Politik, aber auch durch Ihre Kollegen Journalisten. Was Spiegel, Süddeutsche Zeitung  bis hin zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Unsinn in Sachen Euro-Rettung verbreiten, ist erschreckend. Dort wird einseitig über die angeblichen Vorteile der Gemeinschaftswährung berichtet. Ich glaube, den genannten Medien sind die Probleme zu komplex. Zu ihrer Ehrenrettung: Die Problematik der Target-Salden wurde ja selbst von hoch bezahlten Notenbankern lange nicht erkannt.

Wir haben berichtet und so einseitig ist die Berichterstattung in Deutschland wahrlich nicht. Hinzu kommt, dass nicht nur deutsche Medien von den Vorteilen der Gemeinschaftswährung sprechen, sondern auch die deutschen Konzernen nahezu einhellig der Meinung sind: Der Euro ist gut.

Das wundert mich nicht. Die Konzerne bekommen ihre Exporte ja bezahlt. Sie machen gute Geschäfte. Die Frage ist doch: Wer bezahlt das Ganze? Das sind wir Deutschen selbst. Erst recht, wenn sich die Volkswirtschaften im Euro-Raum weiter voneinander entfernen.

Um die Volkswirtschaft welchen Landes machen Sie sich derzeit die größten Sorgen?

Ich bin oft in Frankreich, verbringe da gerne meinen Urlaub. Es ist für mich unverständlich, wie die Eliten des Landes kein Gespür dafür haben, dass Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit immer weiter leidet. Mit Hollande wurde ein Sozialist an die Macht gewählt, der als erstes das Renteneintrittsalter auf 60 Jahren absenkt. Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Auch eine Reform der 35-Stunden-Woche ist kein Thema. Wer soll das bezahlen? Frankreich ist der größte Problemfall in Europa.

"Ein weiterer Protestbrief wäre nicht sinnvoll"

„Das ist schlimmste Stammtisch-Ökonomie“
Prof. Dr. Walter Krämer, leitet das Institut für Wirtschafts- und Sozialstatistik an der TU Dortmund und hat den Protestbrief initiiert. Seine Begründung:
Hans-Werner Sinn, Präsident des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, hat den Protestbrief der Ökonomen von Walter Krämer redaktionell und begleitet und unterschrieben. Darin steht:
Der Präsident des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), Dennis Snower, kritisiert dagegen seine Kollegen: „Der Aufruf schürt lediglich Ängste und zeigt keinen einzigen Weg zur Lösung der Probleme auf.“ Quelle: dpa
Auch der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, findet kritische Worte: Diese Aktion habe „mit ökonomischer Argumentation nichts zu tun“, sagte Hüther. Quelle: dapd

Ist das Land ein Problemfall – oder ein hoffnungsloser Fall?

Frankreich hat einen großen Vorteil, der die Wirtschaft noch am Leben hält - sehr geringe Energiepreise. Die Franzosen waren nicht so blöd wie Frau Merkel, die ohne Not hochmoderne Kernkraftwerke abschaltet, und erfreuen sich günstiger Strompreise, rund die Hälft der unseren. Das hilft der Wirtschaft ganz enorm. Aber billige Energie alleine macht nicht wettbewerbsfähig.

Fassen wir zusammen: Zentrale Länder der Euro-Zone verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, die Deutschen werden über kurz oder lang zur Kasse gebeten und Griechenland braucht allen Dementis zum Trotz einen weiteren Schuldenschnitt. Ist es nicht an der Zeit für einen zweiten Ökonomen-Aufruf?

Ich finde es wichtig, dass sich die Wissenschaft politisch einmischt. Ich persönlich habe nichts zu verlieren, und werde weiter sagen, was ich denke. Das gilt sicher auch für viele meiner Kollegen. Allerdings glaube ich nicht, dass ein weiterer Ökonomen-Protestbrief sinnvoll wäre. Eine Kampagne kann sich auch tot laufen. Wir werden sicher nicht noch einmal so eine Aufmerksamkeit erreichen wie beim ersten Mal. Von daher sollten wir uns auf andere Formen konzentrieren.

Kann es sein, dass Sie die harsche Kritik an Ihrem ersten Auftritt bremst?

Mich hat die teils feindliche Reaktion auf unseren Ökonomen-Aufruf überrascht. Aber ich kann das aushalten – und bin froh, dass unsere Aktion wahrgenommen wurde. Es wurden schon zu Beginn der Währungsunion kritische Stimmen von Wissenschaftlern laut. Sie haben gewarnt, den Euro erst dann einzuführen, wenn die Länder wirklich bereit sind und die Aufnahmekriterien erfüllen. Hätte man auf sie gehört, wären die Probleme heute viel geringen. So gesehen sind „bad news“ auch immer „good news“, weil sie Aufmerksamkeit bedeuten. Und die haben wir bekommen.

Andere Kollegen haben kurz nach der Veröffentlichung zurückgerudert. Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn widersprach der Darstellung, er sei Initiator des Aufrufes.

Sinn steht hinter dem Aufruf und hat ihn wie 276 andere Kollegen unterzeichnet. Die Idee kam in der Tat von mir. Ich habe mit meinen beiden Kollegen Stefan Hoderlein und Manfred Deistler über die Vergemeinschaftung der Bankenschulden gesprochen, die die EU auf ihrem Gipfel im Sommer 2012 beschlossen hat. Wir haben uns über diesen Schritt aufgeregt und uns schnell zum Handeln entschieden und einen Text formuliert. Den habe ich Hans-Werner Sinn geschickt, der ein ehemaliger Kollege und ein guter Freund von mir ist. Er hat Anmerkungen und Änderungsvorschläge an der einen oder anderen Stelle gemacht. Er hat uns geholfen und steht hinter dem Aufruf, ist aber nicht der Initiator.

Was Manager, Intellektuelle und Geldleute den europäischen Politikern raten

So oder so hat der Aufruf Aufmerksamkeit erlangt, aber politisch wenig geändert.

Was wollen Sie anderes erwarten? Die Politik ist eingeschworen auf den Kurs der Euro-Rettung. Da geht es nach dem Motto „Augen zu und durch“.

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück immerhin hat viele ihrer Kritikpunkte im Januar 2013 im Bundestag vorgetragen.

Das stimmt. Allerdings hat er sich vorher für den ESM-Vertrag ausgesprochen und dem Gesetz – wie weite Teile seiner Fraktion – im Bundestag zugestimmt. Wider besseres Wissen! Und erneut auch bei der Zypern-Rettung.

"Also habe ich griechische Anleihen gekauft"

Wer wettbewerbsfähig ist und wer nicht
Platz 57: BulgarienBulgarien wird zurecht als das Armenhaus Europas bezeichnet. Unter 60 Ländern, die die Schweizer Wirtschaftshochschule IMD (International Institute for Management Development) nach ihren wirtschaftlichen Stärken und Schwächen miteinander verglichen hat, landet Bulgarien auf Platz 57 (Platz 54 im Jahr 2012). Damit ist Bulgarien das wirtschaftlich schwächste Land der Europäischen Union. Noch schlechter stehen nur noch Kroatien (Platz 58), das am 1. Juli der EU beitreten wird, Argentinien (Platz 59) und Venezuela (Platz 60) da. Wirklich gut schneidet Bulgarien nur beim Preisniveau ab, da belegt es im internationalen Vergleich Platz vier. In Disziplinen wie Beschäftigungsrate, Arbeitsmarkt, Bildung, Infrastruktur, gesellschaftliche Rahmenbedingungen, Gesundheit und Investments schafft es das osteuropäische Land nicht einmal unter die Top 30. Quelle: dpa
Platz 55: RumänienIm gleichen Atemzug mit Bulgarien wird stets Rumänien genannt. Das Land liegt im internationalen Vergleich auf Rang 55, im Vorjahr schaffte es Rumänien noch auf Platz 53 von 60 im World Competitiveness-Ranking. Von 21,35 Millionen Einwohnern haben 10,15 Millionen einen Job, die Arbeitslosenquote beträgt 6,8 Prozent. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Rumäniens liegt bei 169,4 Milliarden Euro - im internationalen Vergleich macht das Platz 48 von 60. Beim BIP pro Kopf schafft es das Land mit 16.062 Euro auf Rang 46. Wirklich glänzen kann auch Rumänien nur beim Preisniveau, da landet es auf Platz neun von 60. Die zweitbeste Wertung bekommt das osteuropäische Land für seine Beschäftigungsquote: Hier liegt es im internationalen Vergleich auf Rang 33. Fragt man Unternehmen, was sie am meisten am Wirtschaftsstandort Rumänien schätzen, nennen 78,7 Prozent die offene und freundliche Art der Menschen. Eine kompetente Regierung lobten dagegen nur 11,5 Prozent und ein wirksames Rechtssystem attestierte dem Land niemand. Dafür lobten immerhin 52,5 Prozent der Befragten die Dynamik der Wirtschaft. Quelle: dpa
Platz 54: GriechenlandAuch Griechenland gehört weiterhin zu den Sorgenkindern Europas, konnte sich aber binnen eines Jahres von Rang 58 auf 54 verbessern. Griechenland muss auch 2013 weiterhin daran arbeiten, seinen aufgeblasenen Verwaltungsapparat zu verkleinern und den Finanzsektor wieder auf die Beine zu bringen. Auch in puncto Korruptionsbekämpfung und Steuersystem hat das Land noch einiges an Arbeit vor sich. Dementsprechend rangiert Griechenland, gerade was die Gesamtsituation der heimischen Wirtschaft angeht, auf Platz 60 von 60 Staaten. Auch beim BIP-Wachstum und der Kreditwürdigkeit gibt es nur Platz 60. Allerdings hat sich in Griechenland seit dem letzten Ranking auch einiges verbessert: So konnte das Land sein Image, die Anpassungsfähigkeit der Regierungspolitik und die Staatfinanzen verbessern sowie die Bürokratie verringern. Unternehmen schätzen an Griechenland besonders die gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie das allgemein hohe Bildungsniveau. Quelle: dpa
Platz 46: PortugalBinnen eines Jahres ging es für Portugal im IMD-Ranking von Platz 41 runter auf 46. Jetzt soll die rezessionsgeplagte Konjunktur mit Steueranreizen aufgepeppelt werden. Bei Firmeninvestitionen von bis zu fünf Millionen Euro seien Steuererleichterungen von 20 Prozent möglich, sagte Finanzminister Vitor Gaspar. Die Investitionen in Portugal sind zwar binnen eines Jahres von 10,20 Milliarden Dollar auf 13,79 Milliarden gestiegen, das Bruttoinlandsprodukt schrumpft dennoch weiter. 2012 betrug der Rückgang noch 1,6 Prozent, 2013 waren es schon -3,2 Prozent. Dafür steht Portugal sowohl bei der technischen als auch der wissenschaftlichen Infrastruktur recht gut da. 71,9 Prozent der ausländischen Unternehmer nennen die portugiesische Infrastruktur den attraktivsten Grund, in das Land zu investieren. Weltspitze ist Portugal bei dem Verhältnis Schüler pro Lehrer und den Einwanderungsgesetzen. Auch bei den Ingenieuren belegt Portugal im Ranking Platz vier. Nur Arbeit gibt es für die Fachkräfte kaum, am wenigsten für junge Menschen (Platz 59 bei Jugendarbeitslosigkeit). Auch die Forschung und Förderung von Wissenschaft und Technik, Fortbildungen, Erwachsenenbildung, Börsengänge und der Export gehören zu Portugals Schwächen. Quelle: dpa
Platz 45: SpanienSpanien ist binnen eines Jahres von Platz 39 auf 45 abgestiegen. Im Jahr 2007 stand das Land noch auf Platz 26 der stärksten Volkswirtschaften. Ein deutsche Hilfsprogramm im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro soll die angeschlagene spanische Wirtschaft wieder auf die Beine bringen. Derzeit kämpft Spanien besonders mit seiner hohen Arbeitslosenquote (Platz 60 von 60), den Staatsfinanzen (Platz 59) und seinen Verwaltungsverfahren (Platz 56). Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit, Kapitalkosten, Sprachkenntnissen, dem Bankensektor und der Förderung von jungen Unternehmen steht Spanien mehr als schlecht da. Allerdings ist auch auf der iberischen Halbinsel nicht alles schlecht. So ist beispielsweise der Warenexport Spaniens binnen eines Jahres um 1,7 Prozentpunkte gestiegen. Insgesamt schafft es Spanien in neun Wirtschaftsdisziplinen unter die weltweiten Top Ten: Bei den Zinssätzen belegt Spanien unter 60 Ländern Platz drei, bei der Wechselkursstabilität und den Unternehmenszusammenschlüssen und -übernahmen jeweils Platz sechs, beim Export von Dienstleistungen Platz acht. Sowohl bei den Direktinvestments in die Aktien heimischer Unternehmen als auch der durchschnittlichen Lebenserwartung und grünen Technologien schafft es Spanien auf Platz neun und bei der Bilanzsumme des Bankensektors sowie der Arbeitsproduktivität Platz zehn. Quelle: dapd
Platz 28: FrankreichFrankreich dagegen, das ebenfalls wirtschaftlich zu kämpfen hat, konnte sich um einen Platz verbessern. Von Rang 29 ging es hoch auf 28. Trotzdem muss Frankreich seinen Arbeitsmarkt reformieren, wenn es die Erwerbsquote steigern möchte. Weitere Probleme der Grande Nation sind der stetig zunehmende Brain Drain, also das Abwandern von Fachkräften, das stagnierende Wirtschaftswachstum, die geringe Zahl der Beschäftigten, Arbeitsbedingungen und Wochenarbeitsstunden sowie die Haltung gegenüber der Globalisierung. Zu Frankreichs wirtschaftlichen Stärken gehören dagegen die Vertriebsinfrastruktur (Platz eins von 60), die Energieinfrastruktur und die Gesundheitsausgaben (jeweils Platz zwei) sowie die Direktinvestments in Aktien heimischer Unternehmen, der Export von Dienstleistungen, Investments in ausländische Aktien, die Gesundheitsinfrastruktur und die Zahl der Breitbandnutzer (jeweils Platz vier von 60). Insgesamt schaffte es Frankreich in 40 Kategorien 20 mal unter die Top Ten der Welt. Quelle: dpa
Platz 17: IrlandIrland, dass sonst gerne in einem Atemzug mit Italien und Spanien genannt wird, überholt sogar Frankreich, was die wirtschaftliche stärke angeht. Binnen eines Jahres konnte sich die grüne Insel im IMD World Competitiveness-Ranking um drei Plätze verbessern. Das liegt besonders an den gestiegenen Investments, dem herrschenden Zinssatz, dem Wirtschaftswachstum und der Wechselkursstabilität. Auch bei grünen Technologien hat sich Irland laut der Studie seit 2012 verbessert. Zu den besonderen Stärken des rund 4,6 Millionen Einwohner starken Landes gehören Flexibilität und Anpassungsfähigkeit der Unternehmen sowie deren Haltung gegenüber der Globalisierung, die Telefontarife, Belohnungen und Anreize für Investoren, dementsprechend auch die Anzahl an ausländischen Investoren und die Vergabe öffentlicher Aufträge (jeweils Platz eins von 60.) Schlecht steht es allerdings auch in Irland um die Arbeitslosigkeit, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, sowie das BIP pro Kopf bestellt. Quelle: dpa

Welche Position sollte eine neue Regierung in Euro-Fragen einnehmen?

Die nächste Koalition sollte klarmachen: Solidarität ja, aber nur für Gegenleistung. Griechenland, Portugal & Co. müssen Geld in die Kassen bekommen. Sei es durch Privatisierungen oder durch Steuererhöhungen. Vor allem aber durch ein kräftiges Inkasso bei reichen Steuerhinterziehern. Und: Die Krisenländer müssen endlich Reformen umsetzten. Sie müssen wettbewerbsfähiger werden. Das geht nur, indem die Löhne und so auch die Preise real sinken.

Wettbewerbsfähigkeit könnten die Länder schneller erlangen, wenn sie aus der Währungsunion ausscheiden würden.

Es gibt die Möglichkeit, auch innerhalb der Euro-Zone günstiger zu werden. Dazu braucht es Strukturreformen und Lohnkürzungen. So könnten die Krisenländer bis zu 20 Prozent günstiger werden. Leichter wäre es in der Tat, aus dem Euro-Raum zeitweise auszutreten und die neue Nationalwährung kräftig abzuwerten. Ich würde diesen Weg begrüßen. Sobald die Länder günstiger und wettbewerbsfähiger sind, können sie ja gerne wieder der Gemeinschaftswährung beitreten.

In Arbeit
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Ein Euro-Austritt würde Deutschland stark treffen. Griechenland könnte nach einer Abwertung der Drachme seine Auslandsschulden kaum zurückzahlen.

Wenn beispielsweise Griechenland austreten würde und eine um 50 Prozent günstigere Drachme einführen würde, könnten sie in der Tat ihre Schulden in Euro nicht zurückzahlen. Sie würden ihre Altlasten also mit der günstigeren Drachme bezahlen. Das wäre in der Tat eine Art Schuldenschnitt. Das wäre ein Ende mit Schrecken, aber wenigstens eine Lösung. Zumal ein Haircut nur das Eingeständnis wäre, was es alle wissen: Große Teile der Bürgschaften sind verloren. Auch ich persönlich wäre betroffen. Aber so ist das halt.

Sie besitzen griechische Staatsanleihen?

Ich habe vor ein paar Jahren gesagt: Jetzt wette ich mal darauf, dass Merkel und die EZB einknicken, und Griechenland immer weiter rausboxen. Also habe ich ein paar griechischen Staatsanleihen gekauft. Zu dem Zeitpunkt waren sie noch 50 Prozent ihres Ausgabewertes wert. Zwischenzeitlich sind die Papiere auf einem Gegenwert von 20 Prozent gefallen. Jetzt wieder bei 50 Prozent. Dank Frau Merkel habe ich also noch keinen Cent verloren.  

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