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Werner knallhart

Weniger Sozialhilfe für Dicke: Hat David Cameron recht?

Der britische Premier Cameron denkt darüber nach, im Falle seiner Wiederwahl Übergewichtigen und Drogenabhängigen die Sozialhilfe zu kürzen. Ist das herzlos oder fair? Und wäre das was für Deutschland?

Waage Quelle: dpa

Wieviel Extravaganz jedes Einzelnen wollen wir als Gesellschaft mittragen?

Stellen Sie sich bitte mal vor, Ihr Kollege und Büronachbar hat eine sonderbare Angewohnheit. Alle anderthalb bis zwei Stunden verlässt er das Firmengebäude, um auf dem Mitarbeiterparkplatz mit seiner selbstgebauten Dackel-Marionette zu spielen. Ein paar Minuten später sitzt er wieder an seinem Platz. Pro Tag geht dafür eine Viertelstunde bezahlter Arbeitszeit drauf. Zusammen ein halber Arbeitstag pro Monat, also sechs Tage im Jahr. Ihnen selber ist das Marionettenspiel fremd. Sie arbeiten deshalb pro Jahr eine gute Woche mehr als Ihr Kollege. Finden Sie das gerecht?

Es ist einfach, Beispiele zu finden, die deutlich machen, wie schnell es gelingt, die Solidarität aller durch den Schnickschnack einzelner überzustrapazieren. Gleichzeitig reagiert unsere Gesellschaft extrem allergisch darauf, gewohnte Extrawürste in Frage zu stellen.

Tabak steht auf einer Stufe mit Alkohol

So essen die Deutschen am liebsten
FleischDie Deutschen lieben Fleisch. Nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag des Bundesagrarministers Christian Schmidt (CSU) kommen bei vier von fünf Deutschen (83 Prozent) Fleisch und Wurst mehrmals in der Woche auf den Tisch. Quelle: AP
GeschlechtsunterschiedeBesonders Männer und Bürger aus den neuen Bundesländern bestehen auf ihr tägliches Schinkenbrötchen und ihr Schnitzel. Insgesamt ernähren sich Frauen gesünder als Männer. Schmidt sprach insgesamt von einem „eigentlich ziemlich guten Befund“. Gemeinsam mit Forsa-Chef Manfred Güllner bescheinigte der Minister den Deutschen bei ihrem Ess- und Konsumverhalten die Note 2 bis 3. Das Klassenziel sei erreicht, einige Werte müssten aber noch verbessert werden. Quelle: Fotolia
PastaLaut dem Ernährungsreport 2016 ist das Lieblingsgericht der Deutschen aber nicht Wurst oder Steak, sondern Pasta. Die dann vermutlich mit Hackfleischsauce. 35 Prozent nennen Spaghetti, Spätzle & Co als Lieblingsgericht. Quelle: AP
LieblingsessenWeitere Lieblingsgerichte nach Nudeln sind Gemüse- und Kartoffelgerichte (18 Prozent) sowie Fischgerichte (16). Salat bezeichneten 15 Prozent als ihre Leibspeise, das Schnitzel nannten nur elf Prozent. Quelle: dpa
Vegetarier und VeganerNur drei Prozent der Deutschen verzichten ganz auf Fleisch und Wurst. Nur sechs Prozent der Frauen und lediglich ein Prozent der Männer geben an, nie Fleisch oder Wurst zu essen, wie aus von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgelegten „Ernährungsreport 2016“ hervorgeht. Quelle: Blumenbüro Holland/dpa/gms
Bio-LebensmittelIm Trend liegen eine artgerechte Tierhaltung sowie Regionales: Fast alle Befragten wären bereit, für Fleisch aus tiergerechter Haltung mehr zu zahlen. 86 Prozent der Verbraucher sind für ein besseres Einkommen der Landwirte. Etwas mehr als drei Viertel legen zudem Wert darauf, dass die Lebensmittel aus der Region kommen. Quelle: dpa
EinkaufenTrotz steigenden Angebots nutzt laut der Umfrage bisher kaum jemand (durchschnittlich weniger als 1 Prozent) die Möglichkeit, Lebensmittel im Internet zu bestellen und sich diese nach Hause liefern zu lassen. Aber jeder Fünfte nutzt das Smartphone und „googelt“ beim Einkauf. Trotzdem fühle sich aber auch fast ein Viertel der Befragten (24 Prozent) weniger gut bis schlecht informiert über die Lebensmittel, die sie kaufen. Quelle: dpa

Ersetzen Sie im zweiten Beispiel die Hundemarionette mal durch eine Zigarette. Die geschilderte Zeitverschwendung ist hunderttausendfach gelebter Arbeitsalltag. Wenn alle Nichtraucher Freizeitausgleich in Höhe der Raucherpausen einfordern würden, dann müsste man in Deutschland zur Rettung der Volkswirtschaft wohl sämtliche Feiertage streichen.

Mittlerweile stellen neue Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde die Tabakabhängigkeit auf eine Stufe mit der von Alkohol. Welcher Arbeitgeber würde aber seinen alkoholabhängigen Mitarbeitern erlauben, sechs Tage Arbeitszeit pro Jahr dafür zu investieren, sich einen angenehmen Pegel anzutrinken, um sich besser konzentrieren zu können? Und nur der Tabaksucht stellt unsere Gesellschaft sogar eine wahre Infrastruktur zur Verfügung (Raucherpausen, Raucherhäuschen, Raucherzonen, Heizpilze).

Wir sollten tatsächlich mal in aller Ruhe darüber diskutieren, wie weit es eine Gesellschaft mitträgt, dass sich jemand aus eigenem Antrieb heraus selber gesundheitlich schädigt.

Das ist genauso viel oder wenig solidarisch, wie zu verlangen, dass andere blindlings den Schaden bezahlen. Die Diskussion darüber als unsozial und diskriminierend abzustempeln, ist ganz schön unfair.

Was die Deutschen über Raucher denken

Gesund lebende Menschen werden in Deutschland schon bevorzugt

David Cameron will nach einer Wiederwahl überprüfen, ob er Übergewichtigen und Drogenabhängigen die sogenannten Sickness Benefits kürzen wird, wenn die Betroffenen im Gegenzug keine Therapie machen.

Das klingt im ersten Moment eiskalt. Ausgerechnet bei Menschen mit Krankheit oder Behinderung soll gespart werden. Konservativer Wahlkampf eben.

In Deutschland hingegen haben wir längst Regeln, die Menschen benachteiligen, die sich wenig um ihre Gesundheit scheren. Nur verpackt man es diplomatischerweise nicht als finanzielle Belastung, sondern nennt es Bonus und gibt Menschen, die sich für ihre Gesundheit engagieren, Geld zurück.

Das ging damals los mit der Bonuskarte beim Zahnarzt. Wer einmal im Jahr zur Kontrolle geht, spart Geld beim Zahnersatz. Mit anderen Worten: Wer dafür zu träge ist, zahlt drauf.

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