WiWo App 1 Monat für nur 0,99 €
Anzeigen

Wiedereröffnung nach zehn Tagen Massensturm auf Zyperns Banken bleibt zunächst aus

Alles blickt mit Spannung nach Zypern: Seit 11 Uhr haben die Banken wieder geöffnet. Es wurde ein gigantischer Ansturm erwartet. Der Zugriff auf die Konten bleibt stark beschränkt. Polizisten bewachen die Geldhäuser.

  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
Eine Schlange von Menschen steht vor einer Bankfiliale an. Der befürchtete Massenansturm blieb am Donnerstagmittag aus. Quelle: AP

Zyperns Banken haben seit 11.00 Uhr MEZ wieder geöffnet, so dass sich die Bürger vor Ostern mit Geld eindecken können. Die Geldinstitute waren in der heißen Phase der Rettung des kleinen Inselstaates vor der Pleite fast zwei Wochen lang geschlossen. Auf aktuellen Fernseh-Bildern sieht man zahlreiche Menschen vor den Banken, es bleibt aber noch alles friedlich. "Alles läuft gut. Ich bin zufrieden“, sagte der zyprische Abgeordnete Prodoromos Prodromou in den ersten Minuten nach der Bankenöffnung. Der Politiker stand auf dem zentralen Eleftherias Platz im Zentrum Nikosias, um die Abläufe zu beobachten.

Ein Sicherheitsangestellter steht vor einer Filiale der Bank of Cyprus in Nikosia, kurz bevor die Geldhäuser wieder öffnen. Quelle: REUTERS

Polizeistreifen zeigen seit den frühen Morgenstunden in der Innenstadt Präsenz und fahren von Bank zu Bank. Zusätzlich waren vor den Türen der Banken private Sicherheitsdienste im Einsatz. Im Fernsehen wurde berichtet, die Bankkunden sollten in Gruppen von zehn Personen eingelassen werden, um Tumulte zu verhindern. In allen Radio- und Fernsehsendern riefen Sprecher von Behörden und Institutionen zur Ruhe auf.

Der Dax reagierte bislang nicht auf die Wiedereröffnung der zyprischen Banken.

Ein bewaffneter Polizist bewacht einen der Trucks, die in der Nacht zu Donnerstag massenweise Bargeld nach Nikosia brachten. Quelle: AP

Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen waren in der Nacht Lastwagen mit großen Bargeldbeständen auf den Hof der Zentralbank gerollt. Ein Hubschrauber kreiste über dem Gebäude, während bewaffnete Polizisten vor dem Gebäude patrouillierten. Insgesamt sieben Tage lang sollen strikte Kontrollen der Kapitalströme auf der Insel verhindern, dass Kunden aus Panik massenhaft Geld außer Landes schaffen.

Zugleich soll der Zugang zu den Konten beschränkt bleiben. Bar dürfen die Zyprer pro Tag nicht mehr als 300 Euro abheben. Bei Auslandsreisen beträgt das Limit für die Mitnahme von Geld 1000 Euro, zunächst war die dreifache Summe erwogen worden. Anfang der Woche hatte sich die Regierung in Nikosia mit ihren Geldgebern auf ein milliardenschweres Hilfsprogramm geeinigt, bei dem auch Kontoinhaber mit Summen über 100.000 Euro bluten müssen. Zwischenzeitlich war selbst ein Zugriff auf die Konten von Kleinsparern erwogen worden. Der Vorschlag war jedoch nach massenhaften Protesten wieder kassiert worden. Viele Anleger sind zudem verunsichert, weil die beiden größten Institute des Landes, die Bank of Cyprus und Laiki, zusammengelegt werden.

Der Chef des weltgrößten Anleihenhändlers Pimco, Mohamed al-Erian, befürchtet als Folge der Verunsicherung der Bankkunden einen Massenansturm auf die Banken in Zypern und anderen Euro-Staaten. Das Risiko müsse genau beobachtet werden, sagte Al-Erian der Zeitung "Bild". "Sobald ein Sturm auf die Banken erst einmal begonnen hat, macht es für alle Sinn, mitzumachen. Deshalb lässt er sich so schwer stoppen."

Schäuble: "Ich hoffe, dass alles gut geht"

Berlusconi schürt antideutsche Kampagne
Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und seine Partei Forza Italia (FI) wollen im Europa-Wahlkampf mit kritischen Parolen über Deutschland punkten. Berlusconi griff den sozialdemokratischen EU-Spitzenkandidaten Martin Schulz scharf an und verunglimpfte dabei auch dessen Landsleute mit der Aussage, die Deutschen hätten die Existenz von Konzentrationslagern nie anerkannt. Die FI plakatiert indes den Slogan „Più Italia, meno Germania“ („Mehr Italien, weniger Deutschland“). Die SPD protestierte umgehend, auch in der CDU gibt es Kritik. Forza Italia macht die deutsche Sparpolitik für die Rezession der italienischen Wirtschaft verantwortlich. Berlusconis Partei fordert, sich dem Kurs zu widersetzen. Schulz sagte dazu dem „Spiegel“: „Es ist empörend, dass eine Schwesterpartei der CDU in Italien mit antideutschen Parolen Wahlkampf macht.“ Aus Berlusconis Umgebung wurde die Kritik als „politische Instrumentalisierung“ abgetan. Berlusconi attackierte Schulz und die Deutschen mit Rückgriffen auf die grausame deutsche Geschichte: Er habe im Jahr 2003 für Schulz unfreiwillig Werbung gemacht, als der dem damaligen EU-Parlamentarier vorwarf, dieser sei die ideale Besetzung für die Rolle eines KZ-Aufsehers, sagte der ehemalige italienische Ministerpräsident bei einer Parteiveranstaltung am Samstag in Mailand. „Ich wollte ihn nicht beleidigen, aber, um Gottes Willen, für die Deutschen haben die Konzentrationslager nie existiert“, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa den erneuten Ausfall Berlusconis. „Die Katyn-Lager, ja doch, die deutschen nicht“, fügte der rechtskräftig verurteilte Steuerbetrüger demnach hinzu. In Katyn hatten sowjetische Truppen im Frühjahr 1940 Tausende polnische Soldaten ermordet. Konzentrationslager gab es dort nicht. Quelle: dpa
In Griechenland geht die Angst vor neuen Sparauflagen um. Nachdem Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Mittwoch verlauten ließ, Griechenland werde nach 2015 ein drittes Hilfspaket benötigen, kochten die Emotionen in den griechischen Medien hoch. Die Athener " Zeitung der Redakteure" (im Bild) ahnte sogleich "neue, unerträgliche Sparauflagen für das griechische Volk" voraus. Schäuble, so hieß es, arbeite bereits an einem neuen Kreditvertrag für Griechenland. Die Zeitung "Real" titelte gar: "Herr Schäuble, bringen Sie das gestohlene Geld zurück". Das Blatt "Ta Nea" sieht einen Zusammenhang zwischen dem Besuch des EZB-Direktors Asmussen in Athen und Schäubles Äußerungen - Asmussen habe bereits Einzelheiten eines neuen Hilfskonzepts im Gepäck, wurde gemutmaßt. Der EZB-Direktor wies diese Spekulationen im Anschluss an sein Treffen mit dem griechischen Finanzminister Stournaras zurück. Quelle: Screenshot
Noch relativ freundlich geht das britische Wirtschaftsmagazin "The Economist" mit den Deutschen ins Gericht. Als zögerlichen Herrscher bezeichnete das Magazin Deutschland im Juni 2013. Deutlich schärfer blies der Wind dagegen in den letzten Monaten aus Südeuropa...
Angela Merkel auf dem Cover der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Europäische Politiker in einer Titelgeschichte der griechischen Zeitschrift Crash Quelle: Handelsblatt Online.
Cover der griechischen Magazins crash Quelle: dpa
Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel ist auch IWF-Chefin Christine Lagarde zum Hassobjekt in Griechenland geworden. Hier werden die beiden Politikerinnen als Krähen dargestellt, die Griechenland bestehlen wollen. Soldaten versuchen, die beiden Frauen mit den Hitler-Bärten abzuwehren.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hofft, dass der befürchtete Ansturm ausbleibt. „Ich hoffe, dass alles gut geht“, sagte Schäuble dem Südwestrundfunk (SWR) wenige Stunden vor der Bankenöffnung. Die Vorbereitungen durch die zyprischen Behörden und die zyprische Notenbank unter Unterstützung der Europäischen Zentralbank (EZB) seien so gut wie möglich und so vorsichtig wie möglich getroffen worden.

Zum Unmut der Zyprer über Deutschland, die EU und den Internationalen Währungsfonds (IWF) sagte Schäuble, wenn man solche Schwierigkeiten habe, suche man sich irgendwelche, auf die man dann seine Wut projiziert: „Das geht auch wieder vorüber. Das ist natürlich völlig unbegründet.“

Vorwürfe der Ungleichbehandlung Zyperns in der Euro-Krise wies Schäuble zurück. In Griechenland etwa habe man einen Schuldenerlass gemacht, der ja praktisch auf etwas Ähnliches hinauslaufe. Schäuble stützte Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem: „Ich glaube, Dijsselbloem ist missverstanden worden.“ Er habe das ausgedrückt, was seit der Finanz- und Bankenkrise seit 2008 alle gesagt hätten: „Wenn Sie einen Schuldner haben, der am Ende zahlungsunfähig ist und Sie haben Forderungen, dann können Sie auch Geld verlieren.“

Mit Unverständnis reagierte Schäuble dagegen auf Kritik von Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn am Euro-Krisenmanagement Deutschlands. Es gebe keine verletzenden Töne aus Berlin: „Wie kommt er eigentlich dazu?“ Luxemburg sei ein erfolgreicher Bankplatz: „Deswegen hat ja auch niemand außer Herrn Asselborn selber einen Vergleich gezogen zwischen Zypern und Luxemburg. Zudem nehme Luxemburg beim Austausch steuerlicher Informationen für sich Sonderregelungen in Anspruch, sagt Schäuble: „Da muss dann auch nicht derjenige, der Sonderregelungen für sich in Anspruch nimmt, die anderen kritisieren. Das ist auch nicht in Ordnung."

In Arbeit
Bitte entschuldigen Sie. Dieses Element gibt es nicht mehr.

Die deutschen Privatbanken sehen von Zypern keine Ansteckungsgefahren für deutsche Sparer ausgehen. Auf der Mittelmeerinsel werde aber "schon mehr los sein als sonst", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes BdB, Michael Kemmer. Man werde wohl Schlangen von Menschen vor den Instituten sehen. Die Börse in Zypern bleibt trotz Öffnung der Banken geschlossen. Bis zum 1. April werde nicht gehandelt, teilte der Börsenbetreiber mit. Der zyprische Außenminister Ioannis Kasoulides warf Europa vor, Zypern in die Bredouille gebracht zu haben.

"Europa gibt vor, uns zu helfen. Doch der Preis ist zu hoch: Es bedeutet nichts weniger als die brutale Zerstörung unseres Geschäftsmodells", sagte er der französischen Zeitung "Les Echos". Der Bankensektor Zyperns ist mit einem Verhältnis von Bilanzsumme zur Wirtschaftsleistung von acht zu eins doppelt so groß wie der EU-Durchschnitt. Er soll nun gesundschrumpfen.

© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%