Wirtschaft im Weitwinkel

Die Geschäftsmodelle vieler Banken sind problematisch

Die EZB hat bei ihrem Stresstest nicht geprüft, ob die Geschäftsmodelle der Banken langfristig profitabel und nachhaltig sind - dabei wäre das mindestens genauso wichtig.

Skyline von Frankfurt Quelle: dpa

Die Ergebnisse des Stresstests waren insgesamt wenig überraschend: Rund 20 Prozent der Banken im Euroraum haben Schwierigkeiten mit dem Eigenkapital. Fünf der rund 130 geprüften Banken müssen sich zusätzliches Eigenkapital in Höhe von rund vier Milliarden Euro beschaffen.

Das sollte für die Finanzmärkte kein Problem sein. Wie schwer es für die einzelne Bank wird, das Kapital zu bekommen, hängt auch vom jeweiligen Geschäftsmodell ab.

Ein Problem ist beispielsweise die Fristentransformation. Die Kreditinstitute leihen sich von ihren Kunden kurzfristig per Tages- oder Festzins Geld, welches sie dann mittel- oder langfristig zu höheren Zinssätzen an Häuslebauer verleihen.

Dieses klassische Kerngeschäft der Banken kommt immer mehr unter Druck. Angesichts der immer niedrigeren Zinsen tendieren die Margen gen Null oder sind bereits negativ.

Diese Banken sind beim Stresstest durchgefallen

Um hiervon unabhängiger zu werden, müssten sich die Banken realwirtschaftlich wieder stärker engagieren. Aber das ist nicht ohne Risiken. Die Kreditvergabe an Unternehmen und Haushalte wird in der öffentlichen Diskussion derzeit als positiv angesehen – hieraus entstehende Risiken sind gesamtwirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch eigentlich wünschenswert, da sie die dringend notwendigen Investitionen fördern.

Doch zusätzliche Risiken aus der Neukreditvergabe können sich viele Banken im Euroraum kaum erlauben. Die Regulierung spricht dagegen. Umso mehr hat es überrascht, dass EZB-Vize Vítor Constancio mit der Veröffentlichung der Ergebnisse des Stresstests seine Erwartung geäußert hat, dass eine Zunahme der Kreditvergabe nun mehr nicht an den Banken scheitern, sondern von der Nachfrage der Kreditnehmer abhängen werde.

Wie die deutschen Banken abschneiden
Deutsche Bank Quelle: dpa
Commerzbank Quelle: dpa
Münchener Hypothekenbank Quelle: dpa
DZ-Bank Quelle: dapd
HSH Nordbank Quelle: dpa
Nord LB Quelle: dpa
IKB Quelle: dpa

Höhere Hürden für lukrative Einnahmequelle

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Banken eine solche Nachfrage vollumfänglich bedienen können. Die EZB hat bereits angekündigt, dass es nun jährlich einen Stresstest geben soll. Dies wird die Bereitschaft von Banken merklich verringern, Kredite an Unternehmen zu vergeben, deren Bonität zweifelhaft ist.

Hiervon dürfte es aber insbesondere im südlichen Euroraum viele geben, da diese Länder aus einer tiefen Rezession kommen. Die ökonomisch gesünderen Banken im nördlichen Euroraum werden sich dieser Risiken aus den gleichen Gründen auch nur sehr zögerlich annehmen.

Zwar dient das der Stabilität des Systems gegenüber Krisen, den Banken bleibt aber eine einst lukrative Ertragsquelle durch regulatorische Restriktionen versperrt. Oder anders formuliert: Die Hürden sind merklich höher geworden.

Gleichzeitig werden die regulatorischen Kosten für die Banken im Euroraum weiter steigen. So muss demnächst eine europäische Bankenabgabe gezahlt und die Einlagensicherungsfonds aufgefüllt werden. Außerdem droht eine Verteuerung der Refinanzierung durch Bail-in-Mechanismen, die im Rahmen der europäischen Restrukturierungs- und Abwicklungsregeln eingeführt werden.

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