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Wirtschaftskulturen Unterschiede machen Europa stark

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"Eine gesamteuropäische Alternative zum Euro"

Der Inbegriff einer harten Währung: Die D-Mark. Quelle: AP

Muss auch für den Rest Europas der Fehler Währungsunion korrigiert werden?

Die Politik folgt ihrer eigenen Pfadabhängigkeit, wenn es um Europa geht. Die Regierungen werden erst handeln, wenn sie von den Verhältnissen gezwungen werden. Wenn der Leidensdruck sehr groß ist, werden sie rasch handeln müssen. Denn wenn der Euro unkontrolliert auseinanderfällt, geht das große Hauen und Stechen los. Das wäre eine Katastrophe.

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    Was meinen Sie konkret mit Handeln?

    Eine Alternative zum Euro schaffen. Und in diesem Fall sollte die deutsche Regierung nicht sagen: Wir kehren zur DM zurück. Sondern: Wir wollen die währungspolitische Spaltung Europas überwinden, indem wir ein gesamteuropäisches Währungssystem schaffen, das Euro- und Nichteuro-Länder umschließt. Dieses System wäre auf nationalen Währungen begründet, die durch festgelegte Kurse verbunden sind. Natürlich muss man vorher geschickt vorfühlen, damit möglichst viele Länder mitmachen. Vielleicht würden ja die Finnen diese Arbeit für uns übernehmen.

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    Würde die zu erwartende Aufwertung der deutschen Währung dann nicht auf Kosten der Exportindustrie gehen?

    Nein, das ist ein Denkfehler vieler Ökonomen: Wenn Deutschland seine Währung aufwerten würde, sei die Wettbewerbsfähigkeit im Eimer. Das ist nicht wahr. Wir haben es ja im Europäischen Währungssystem vor der Euro-Einführung mehrfach erlebt. Zwischen 1978 und 1999 ist Frankreich fünf Mal und Italien vier Mal aus dem System ausgestiegen, um den Franc oder die Lira deutlich abzuwerten. Wir haben selbst mehrmals aufgewertet. Und daran ging unsere Wirtschaft nicht zu Grunde. Die Deutschen konkurrieren eben nicht über den Preis. Sie stellen maßgeschneiderte Qualitätsprodukte her, die kaum ein anderer herstellen kann. Und wenn die teurer werden, werden sie trotzdem gekauft. Die Wirtschaft braucht nicht den Euro, sondern kalkulierbare Kurse. 

    Und die offizielle Marschrichtung der Bundeskanzlerin, die Währungsunion zu retten und Souveränität nach Brüssel abzugeben?

    Vielleicht hätte das kurzfristig eine gewisse Disziplinierungswirkung. Aber an den wirtschaftskulturellen Unterschieden in der Eurozone wird dieses riskante und teure Manöver kein Jota ändern. Wir können Europa nur weiterentwickeln, wenn wir diese Besonderheiten beachten. Sonst funktioniert es nicht.

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