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Wirtschaftsleistung Frankreich schmiert ab

Die politische Führung in Paris übt sich in reformpolitischer Untätigkeit. Ohne Stütze aus Berlin werden sich die Franzosen ihren opulenten Wohlfahrtsstaat nicht mehr lange leisten können.

Hollande muss dringend etwas tun, sonst geht Frankreich den Bach runter. Quelle: dpa

Mit der französischen Wirtschaft geht es immer weiter den Bach runter. Gleiches gilt für die Prognosetauglichkeit von Volkswirten und Politikern. Ökonomen stellten für Juni einen Anstieg der französischen Industrieproduktion um 0,3 Prozent in Aussicht. Auch die Regierung von Staatspräsident François Hollande versprühte zuletzt immer wieder Optimismus. Noch vor wenigen Tagen verkündete Finanzminister Pierre Moscovici, dass Frankreich die Rezession hinter sich gelassen habe. Gründe für diesen Optimismus wurden allerdings keine genannt.

Fakten zu François Hollande

Die am Freitag veröffentlichten Zahlen zeigen ein ganz anderes Bild. Gleich um 1,4 Prozent ist die Industrieproduktion des Landes im Juni gegenüber Mai eingebrochen. Das ist erstaunlich. Schließlich hat sich Frankreich ja keine großen Sparmaßnahmen auferlegt. Die Staatsschulden steigen munter weiter.


Neben Italien entwickelt sich Frankreich zum nächsten großen Brandherd in der Eurozone. Italiens Staatsschulden sind nur noch zwei Bewertungsstufen vom Ramschniveau entfernt. Frankreichs politische Führung schlägt mit ihrer reformpolitischen Untätigkeit offensichtlich den gleichen Weg ein. In den kommenden Tagen ist mit einer deutlichen Herabstufung der französischen Bonität durch die Ratingagenturen zu rechnen.

In Berlin wird man davor, wie gewohnt, die Augen verschließen - selbst dann, wenn eine Abstufung Frankreichs höhere Refinanzierungskosten für den Rettungsfonds ESM bedeuteten. Der ESM muss nach den Zahlen zur französischen Industrieproduktion vom Freitag mit weiteren Herabstufungen seiner Kreditwürdigkeit rechnen. Bereits im Dezember 2012 hatte die Ratingagentur Moody’s nach einer Abstufung der Bonität Frankreichs den ESM von AAA auf Aa1 herabgestuft. Frankreichs Anteil am ESM beträgt 20,4 Prozent. Ohnehin sind die Finanzierungszusagen von Italien und Frankreich für den ESM nur mit neuen Schulden oder der Notenpresse der Europäischen Zentralbank (EZB) einzuhalten.

4,6 Millionen "versteckte" Arbeitslose

Was die Deutschen mit Frankreich verbinden
Was die Deutschen mit den Franzosen verbindenAm 22. Januar jährt sich der Elysee-Vertrag zum 50. Mal. Aus diesem Anlass hat die Deutsche Botschaft am Montag in Paris das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage vorgestellt. Die Frage lautete: Welches Bild haben die Franzosen von den Deutschen und umgekehrt? Ein kurzer Überblick, über die Begriffe, mit denen die Deutschen den französischen Nachbarn identifizieren. Quelle: dpa
Wir Deutschen erinnern uns gerne an die Dinge, die in der langen Beziehung mit Frankreich über den Rhein zu uns kamen: Vor allem an die französische Küche. Egal ob Käse, Austern (im Bild) oder Coq au Vin - La cuisine francaise zählt zu den Begriffen, die am häufigsten bei der Umfrage genannt wurden. Quelle: REUTERS
Die Baguette wurde bei 27 Prozent der Befragten am häufigsten genannt.
Auch an Wein denken die Deutschen besonders häufig, nämlich 32 Prozent der Befragten. Nicht verwunderlich: Weine aus Frankreich dominieren den Weltmarkt. Im Bild: Eine Degustation in Beaune, im Weingebiet Burgund. Quelle: REUTERS
Auch oft genannt: Der Eiffelturm, das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt. 37 Prozent der Befragten dachten spontan als erstes an dieses Monument aus Stahl und Schrauben, das im 19. Jahrhundert gebaut wurde. La Tour Eiffel zählt zu den größten Touristenmagneten der Stadt. Quelle: Reuters
Auf dem ersten Platz: Die Hauptstadt Paris, die bei 56 Prozent der Befragten als erstes genannt wird. Das wirtschaftliche und politische Zentrum Frankreichs verbindet wie wenige Hauptstädte auf der Welt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Landes. Der Arc de Triomphe und das Büroviertel La Défense (beides im Bild) sind ein gutes Beispiel dafür. Quelle: REUTERS

Dass sich mit Richard Fisher nun auch ein Mitglied des US-Notenbank Fed zum Thema Frankreich geäußert hat, zeigt den Ernst der Lage. In einem Interview mit dem „Handelsblatt“ erklärte der Präsident der Federal Reserve Bank of Dallas, dass er über Frankreich mehr besorgt sei als über jedes andere Land. Das mag daran liegen, dass Fisher nicht auf die offiziellen Zahlen aus Paris angewiesen ist. Die französischen Wirtschaftsdaten dienen stets auch den französischen Interessen und werden bei Bedarf gerne aufpoliert. Bestes Beispiel ist die Arbeitslosenquote. Offiziell waren im Juni 3,28 Millionen Franzosen arbeitslos gemeldet. Die versteckte Arbeitslosigkeit aber ist nach einem Bericht der Konrad-Adenauer-Stiftung weitaus höher. Das nationale Statistikamt INSEE schätzte demnach die Zahl derjenigen, die nicht arbeitslos gemeldet sind, aber gerne arbeiten würden, im vierten Quartal 2012 auf 3,7 Millionen.

Nach Daten der Arbeitsverwaltung Pôle emploi erreicht die versteckte Arbeitslosigkeit gar 4,6 Millionen. Frankreich entwickelt sich immer mehr zu einem bankrotten Wohlfahrtsstaat. Untrügliches Zeichen: Bestenfalls 13 von 66 Millionen Franzosen lassen sich noch zu den produktiven Steuerzahlern rechnen. Rund acht Millionen von insgesamt 28 Millionen erwerbsfähigen Franzosen arbeiten für den Staat und stellen somit Nettoverbindlichkeiten für den Staat dar. 3,28 Millionen sind offiziell arbeitslos, 3,7 bis 4,6 Millionen haben resigniert und sich aus dem offiziellen Arbeitsmarkt verabschiedet.

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Würde man noch jenen Teil der Beschäftigen abziehen, der in verstaatlichten, teilverstaatlichten oder staatlich geschützten Unternehmen und Branchen beschäftigt ist, dann läge die Zahl der echten Steuerzahler gar noch weit unterhalb der genannten 13 Millionen. Nur mit ihnen lässt sich der opulente französische Wohlfahrtsstaat aber nicht finanzieren. Berlin wird sich nach der Wahl an der Finanzierung beteiligen müssen.

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