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Wohnkosten Berlin ist die zweitteuerste Stadt für Mieter

Ein Fünftel ihres Einkommens geben die Deutschen für Miete aus, sowohl in Berlin als auch in München. Der Unterschied: Nach Abzug der Miete haben die Bayern fast 1000 Euro mehr übrig.

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Hier frisst die Miete das Gehalt auf
Die Mieten in den deutschen Großstädten werden nach einer Prognose des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung auch im nächsten Jahr kräftig steigen. Die Wissenschaftler rechnen mit einem Anstieg von durchschnittlich 3,5 Prozent, Kaufpreise legen demnach sogar um 6,5 Prozent zu. „Nach mehreren Jahrzehnten stagnierender Immobilienpreise befindet sich der deutsche Immobilienmarkt seit 2010 in einer Boomphase“, teilte das Institut mit. Ursache sei vor allem Wohnungsknappheit in den Städten, in die immer Menschen zögen. Besonders schlimm ist das in... Quelle: ZB
...Hamburg. In der Hansestadt eine freie Wohnung zu finden, ist eine regelrechte Herkules-Aufgabe: In der Hansestadt gibt es nur 1,5 Prozent Leerstand. Wegen des knappen Angebotes stieg der Preis deshalb binnen fünf Jahren um 26 Prozent. Das hat die Stiftung Warentest ermittelt. Quelle: dpa
Platz 6: Dresden Quelle: dpa
Platz 9: Hannover Quelle: obs
Platz 2: Berlin Quelle: dpa
Platz 8: Bremen Quelle: dapd
Platz 7: Köln Quelle: dpa

Unter Studenten gilt Berlin als Paradies. Die Stadt hat Charme und bietet ein hohes Maß an Lebensqualität, die beiden Universitäten genießen einen guten Ruf (sowohl die Freie Universität als auch die Humboldt-Universität gehören seit neuestem zu den Elite-Unis) und die Mieten sind niedrig. WG-Zimmer mit hohen Wänden, großen Fenstern und Stuckdecke sind keine Seltenheit. Am besten hat es der regierende Oberbürgermeister höchst selbst auf den Punkt gebracht: Berlin ist arm, aber sexy.

Der Immobilienverband IVD zeichnet nun ein ganz anderes Bild. Die neuen Wohnkostenkarte zeigt: die Mieten in der Bundeshauptstadt sind im Verhältnis zum Einkommen kaum niedriger als in München, der teuersten deutschen Stadt. Berlin ist für Mieter sogar die zweitteuerste Metropole der Republik. 23 Prozent ihres Einkommens geben die Berliner für Miete aus, in München ist der Anteil mit 23,7 Prozent kaum größer. Allerdings haben die Münchener nach Abzug der Miete noch fast tausend Euro mehr übrig. Für IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick interessante Neuigkeiten: „So manches Schreckensbild wird durch die Karte entzerrt.“ Für Studenten heißt das: Wenn das Studium vorbei ist und Mama und Papa den Geldhahn zudrehen, könnte der Tierpark als Liegewiese auch durch den Englischen Garten ersetzt werden.

In welchen Städten es an Wohnungen fehlt
LondonDer Londoner Bürgermeister Boris Johnson will mit harten Mitteln den Wohnungsmangel bekämpfen: Er will auf dem Gelände des Flughafens Heathrow ein Wohngebiet für rund 250.000 Menschen bauen lassen. Um den Plan zu realisieren, soll das Gelände für rund 19 Milliarden Euro aufgekauft und bebaut werden. Dafür sollen neue Flughäfen am Rande der Stadt entstehen. Das berichtet die Zeitung "Die Welt". Doch London ist nicht die Stadt, in der es einen starken Wohnungsmangel gibt. Auch in deutschen Großstädten fehlt es an Immobilien. Quelle: REUTERS
In neuem Licht erstrahlt das Münster in Freiburg am Donnerstag Quelle: dpa
Eine Frau fährt am Mittwoch auf einem Fahrrad in Karlsruhe vor dem Schloss durch eine Lindenallee Quelle: dapd
Der Sitz des Verteidigungsministeriums in Bonn auf der Hardthöhe Quelle: dpa
Vor der Rathaus-Kulisse und dem NORD/LB Gebäude (r) tummeln sich am Sonntag Menschen auf dem zugefrorenen Maschsee in Hannover Quelle: dpa
Ein Frachter fährt am Dienstag im Rhein bei Düsseldorf Quelle: dpa
Der Kölner Dom, aufgenommen bei Nacht mit dem Museum Ludwig Quelle: dpa

Düsseldorfer geben am wenigsten für Miete aus

Für die Erhebung legte der IVD eine Musterwohnung fest und rechnete für die zehn größten deutschen Städte die entsprechende Miete aus. Die Musterwohnung in qualitativ mittlerer Lage hat drei Zimmer auf 70 Quadratmetern Fläche. Rund ein Fünftel ihres Gehalts geben die Deutschen demnach für die Miete aus. In Berlin sind das 599 Euro, in München liegt die Gesamtmiete (Kaltmiete plus 2,20 Euro/qm Nebenkosten) bei 914 Euro. In Düsseldorf, ist der Anteil mit 19,8 Prozent am geringsten – und das obwohl die Stadt nicht gerade als günstiges Pflaster gilt. 8,50 Euro zahlen die Rheinländer durchschnittlich pro Quadratmeter als Kaltmiete. In Relation zum durchschnittlichen Haushaltseinkommen von 3841 Euro ist der Anteil allerdings der geringste unter den zehn betrachteten Städten.

Mieten schießen durch die Decke

Was beim Hauskauf wirklich wichtig ist
Hausmodell liegt auf einem 500-Euro-Schein Quelle: dpa
Geringverdiener träumen selten vom Eigenheim: Die Hälfte der Interessenten verdient zwischen 2000 und 4000 Euro - und die große Mehrheit wünscht sich eine Immobilie zur eigenen Nutzung. Nur rund 13 Prozent betrachten sie als Kapitalanlage. Quelle: dpa
Kätzchen - ja bitte! Rund 21 Prozent der Frauen erhoffen sich vom Immobilienkauf, ihr Haustier problemlos halten zu können. Hund, Katze & Co sind aber nur etwa 10 Prozent der Männer wichtig. Diese hoffen vielmehr... Quelle: dpa
Handwerker schleift Wand Quelle: dpa
Vom Haus auf dem Lande träumen nur noch 12 Prozent der Befragten. Mehr als ein Drittel (rund 38 Prozent) will sich lieber in der Stadt niederlassen. Etwas mehr als die Hälfte würde gerne beides vereinbaren - und in den stadtnahen Speckgürtel ziehen. Dies planen vor allem jüngere Käufer. Beinahe jeder zweite über 60 Jahre sucht derzeit eine Immobilie in City-Lage. Dabei ziehen Frauen und Männer an einem Strang. Quelle: BHW Bausparkasse
Eine kinderfreundliche Nachbarschaft ist nur rund einem Fünftel der Häuslekäufer wichtig, auch ein gutes Angebot an Kitas oder Kindergärten spielt nur für rund 17 Prozent eine Rolle. Wichtiger sind den meisten... Quelle: BHW Bausparkasse
... tatsächlich die Einkaufsmöglichkeiten! Rund zwei Drittel der Befragten wünschen sich Supermärkte und andere Shops in der direkten Nähe ihres Hauses. Den Männern ist das sogar noch ein kleines bisschen wichtiger als den Frauen. Quelle: dpa

Wer nun an Umziehen denkt, wird allerdings enttäuscht sein. Denn die Zahlen aus der Wohnkostenkarte sind mit den aktuellen Mietangeboten kaum vergleichbar, wie eine Erhebung des Beratungsunternehmens NAI Apollo zeigt. Überall steigen die Mieten auf neue Rekordstände. In München lag das Plus im Jahr 2011, in Hamburg bei 5,8 Prozent, in Berlin sogar bei 8,4 Prozent. Laut Berechnungen des Handelsblatts liegen die Angebotsmieten in Berlin damit 25 Prozent über den zurzeit bezahlten Mieten.

Flucht in die Eigentumswohnung?

Immobilien



Insofern ist die Situation für Bestandsmieter noch entspannt, für Wohnungssuchende allerdings schwierig.

Angesichts hoher Mietausgaben lohnt es sich immer mehr, über den Kauf einer Eigentumswohnung nachzudenken. Kredite für den Immobilienkauf sind aktuell günstig zu bekommen. So kann es im günstigen Fall sein, dass die Raten für den Kauf die Zahlungen für die Miete nicht oder nur geringfügig überschreiten. Allerdings tummeln sich auf dem Markt für Eigentumswohnungen aktuell viele, die gar keine Wohnung, sondern eine sichere Geldanlage suchen. Auch die Anschaffung eines Objekt zur Vermietung kann daher eine attraktive Lösung sein. Doch die Aussicht irgendwann keine Miete mehr zu bezahlen, könnte als Argument für die eigengenutzte Immobilie bald überwiegen. Zumal die steigenden Preise für Kaufobjekte sich irgendwann unweigerlich in höheren Mieten niederschlagen werden.

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