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Zinsentscheid EZB wartet ab - aber bis wann?

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Auto-Anleihen dürften trotz Autobanken gekauft werden

Der EZB bleibt nun vorerst nichts anderes übrig, als die Wirkung ihrer im März beschlossenen Maßnahmen abzuwarten. Bisher sind noch nicht mal alle davon in Kraft getreten. Am 8. Juni will die Zentralbank mit dem Kauf von Unternehmensanleihen beginnen. Ab Juli soll wöchentlich eine Liste der gekauften Anleihen veröffentlicht werden, die Anzahl der Anleihen werden allerdings nicht veröffentlicht.

Insgesamt sechs nationale Notenbanken werden zusätzlich zu den Staatsanleihekäufen auch am Markt für Unternehmensanleihen tätig werden, darunter auch die Deutsche Bundesbank. Zusammen mit den Notenbanken aus Belgien, Frankreich, Spanien, Italien und Finnland werden die Frankfurter auf Einkaufstour gehen. Experten rechneten zunächst mit einem Volumen von fünf bis zehn Milliarden Euro. Zuletzt hieß es allerdings, möglicherweise könnten derartige Zahlen gar nicht erreicht werden, möglich seien auch Käufe im Volumen von ein bis zwei Milliarden Euro.

Gekauft werden dürfen Anleihen von Firmen, die über mindestens ein Investmentgrade-Rating verfügen. Außerdem müssen die Unternehmen ihren Sitz in der Euro-Zone haben, Tochterunternehmen von Nicht-Euro-Zonen-Konzernen kommen allerdings auch in Frage. Nicht gekauft werden dürfen dagegen Anleihen von Banken. Freuen können sich allerdings Autokonzerne - obwohl die meisten von ihnen über Autobanken verfügen, können ihre Anleihen gekauft werden, solange es keine Bank als Mutterkonzern gibt.

Hinsichtlich der Zinsen gilt für Käufe von Unternehmensanleihen die gleiche Regelung wie bei Staatsanleihen: gekauft werden darf, was über dem Strafzins von 0,4 Prozent rentiert. Da die EZB die Zinsen an den Anleihemärkten kräftig nach unten drückt, fürchten Experten bereits seit längerem, dass der Umfang kaufbarer Anleihen immer kleiner werden dürfte.

Umstritten ist das Programm aus mehreren Gründen. Nicht nur, dass die EZB gezielte Industriepolitik im Sinne von großen Konzernen betreibt. Zusätzlich holen sich die Notenbanken zahlreiche Risiken in ihre Bücher. Wie die EZB erklärt, müssen Anleihen nicht verkauft werden, wenn ein Unternehmen sein Investmentgrade-Rating verliert. Experten gehen davon aus, dass die Zentralbanken die Anleihen eher bis zum Laufzeitende halten dürften.

Nicht zuletzt riskiert die EZB damit ein großes Schuldenproblem. Unternehmen können sich zu ultra-niedrigen Kosten refinanzieren. Experten schätzen unter anderem, dass Mega-Fusionen wie die von Bayer geplante Monsanto-Übernahme künftig noch häufiger werden dürften, da die Konzerne sich das notwendige Kapital leichter beschaffen könnten. Ob dagegen das Geld wie von Mario Draghi und seinen Kollegen beabsichtigt, in zusätzliche Investitionen fließt und somit die Konjunktur ankurbelt, darf bezweifelt werden.

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