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Zinsentscheid EZB macht den Weg frei für niedrigere Zinsen

Die EZB findet klare Worte, die Zinsen bleiben für längere Zeit niedrig, möglicherweise noch niedriger als jetzt. Einmal mehr beweist Draghi, dass er zwar die Sprache der Märkte spricht, aber nicht die der Sparer.

Mario Draghi Quelle: dpa

Im Vorfeld des heutigen Zinsentscheids der Europäischen Zentralbank (EZB) war viel über die Überraschungsfähigkeit von EZB-Chef Draghi spekuliert worden. Senkt der Italiener entgegen der mehrheitlichen Einschätzung die Leitzinsen in der Eurozone ein weiteres Mal?

Draghis Überraschung fiel anderes aus als erwartet. Zwar beließ der Notenbanker den zentralen Zinssatz, zu dem sich Banken der Euro-Zone refinanzieren, vorerst auf seinem Rekordtief von 0,5 Prozent. Allerdings hat Mario Draghi die Tür für Spekulationen um weitere Zinssenkungen so weit wie nur irgend möglich geöffnet. „Wir erwarten, dass die zentralen Zinssätze der EZB für einen längeren Zeitraum auf dem derzeitigen oder einem niedrigerem Niveau bleiben“, sagte Draghi. Es habe eine sehr intensive Diskussion um niedrigere Zinsen gegeben und 0,5 Prozent seien „nicht die Untergrenze“.

Mehrfach wiederholte und betonte Draghi den Satz. Kein Wunder, schließlich sollten vor allem die Märkte die klare Ansage der Notenbank verinnerlichen. Seht her, wenn nötig, pumpen wir mehr Liquidität in den Markt. Erstmals hat Draghi damit bereits im Voraus Zinserhöhungen bei kommenden Zinsentscheiden ausgeschlossen. Bisher verwies der Italiener immer darauf, die Notenbank würde sich nicht vorzeitig festlegen. So deutlich drücken sich Notenbanker selten aus. Die Märkte dankten es der EZB. Dax und EuroStoxx50 verdoppelten ihre Kursgewinne und stiegen um jeweils rund zwei Prozent. Auch der Anlagemarkt, welcher am Mittwoch stark unter den Problemen in Portugal und Griechenland gelitten hatte, erholte sich, die Renditen gingen wieder zurück.

Kommt der Strafzins? 

Draghi wies darauf hin, dass damit nicht nur der Leitzins gemeint ist, sondern dass sich die Aussage auch auf den Einlagezins bezieht, den die Banken der Euro-Zone zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Zentralbank parken. Dieser ist bereits jetzt bei null Prozent. Bereits vor einigen Wochen hatte die EZB die Möglichkeit negativer Einlagezinsen ins Spiel gebracht. In dem er sich diese Möglichkeit offen hält, widersetzt sich Draghi der Kritik der Ökonomen an diesem Strafzins. Viele sehen die Gefahr, dass der negative Einlagezins das Gegenteil von dem bewirkt, was er eigentlich erreichen soll - statt zu florieren, dürfte die Kreditvergabe weiter zurückgehen. Denn dass ein entsprechendes Manöver auch nach hinten losgehen kann, hat das Beispiel Dänemark gezeigt. Dort senkten die Banken nicht wie erhofft die Zinsen für Sparer, sondern schraubten die Kosten für Unternehmenskredite hoch. Einen derartigen Gau kann sich die EZB in der aktuellen Situation nicht leisten.   

Die Maßnahmen der Notenbanken gegen die Krise

Dass er den Nerv der Ökonomen nicht trifft, ist Draghi egal – denn sein Ass im Ärmel ist die Sprache der Märkte. Und die beherrscht der Italiener zugegebenermaßen gut. Schon als er im September vergangenen Jahres das umstrittene Anleihekaufprogramm ankündigte, sorgten die Sätze für eine lange Ruheperiode an den Märkten. Der Italiener weiß, was die Investoren hören wollen.

Während sein amerikanischer Notenbankkollege Ben Bernanke mit seiner Ankündigung, die Fed könnte in absehbarer Zeit die Zügel bei der Geldpolitik wieder ein wenig anziehen, weltweit für Einbrüche an den Märkten sorgte, betonte Draghi, der Ausstieg „sei sehr weit weg“.

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