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Zinsentscheid Zieht die EZB den Sparern das Geld aus der Tasche?

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Sparer-Schutz ist nicht Aufgabe der EZB

Die größten Netto-Zahler der EU
Touristen in Helsinki Quelle: dapd
Eine Windkraftanlage nahe Dänemark Quelle: dapd
Der Wiener Opernball Quelle: dpa
Da Atomium in Belgien Quelle: REUTERS
Eine Mitarbeiterin in der Schwedischen Botschaft in Minsk Quelle: REUTERS
Frau Antje Quelle: AP
Das Colosseum Quelle: REUTERS

Kritiker verweisen darauf, dass es nicht die Hauptaufgabe der EZB sei, eine schützende Hand über das Vermögen der Sparer zu halten. Stattdessen hätte sie für stabile Preise zu sorgen – gleichzeitig solle sie den Zins so wählen, dass die Wirtschaftsleistung möglichst maximiert werde.

Daraus schließen Kritiker der Enteignungs-Theorie, dass ein höherer Zins den Anlegern zwar das Sparen erleichtern würde, im Zweifel aber auch zu steigender Arbeitslosigkeit führen würde. Die Konsequenz daraus ist klar: Sinken die Einkommen oder werden sogar mehr Menschen arbeitslos, kann vermutlich noch weniger Vermögen aufgebaut werden, als bei extrem niedrigen Zinsen.

Andere wiederum stellen sich die Frage, wie hoch dieser gerechte Zins denn sein müsste, zu dem Sparer nicht enteignet würden. Oft wird dabei auf den sogenannten natürlichen Zins vom schwedischen Ökonomen Knut Wicksell verwiesen. Laut Wicksell ist das der Zins, bei dem die Güterpreise konstant bleiben, der also für ein stabiles Preisniveau sorgt. Liegen die Geldmarktzinsen, also die Zinsen für Tages- oder Festgeld darunter, fallen die Preise laut Wicksell, liegen sie darüber hat das steigende Preise zur Folge.

Während die EZB die Geldmarktzinsen beeinflussen kann, hängt der natürliche Zins laut Wicksell von der Struktur der Volkswirtschaft ab. Geht es nach den Befürwortern der Enteignungs-Theorie liegt der Geldmarktzins aktuell zu niedrig, also unter dem natürlichen Zins. Wicksell zufolge steigt dann die Kreditnachfrage und in der Wirtschaft wird kräftig investiert, es kommt zu Wachstum. Dergleichen ist in der Euro-Zone zurzeit nicht zu sehen. Die Fürsprecher der EZB folgern daraus, dass der Zins der EZB eben nicht zu niedrig liegt, womöglich sogar noch zu hoch.    

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Haben die Fürsprecher also doch Recht? Nicht unbedingt, denn eins ist in jedem Fall klar: So einwandfrei wie Wicksells Theorie funktioniert die Konjunktur der europäischen Währungsunion derzeit nicht. Das liegt vor allem daran, dass wichtige Stellschrauben nicht einwandfrei funktionieren, beispielsweise geben die Banken das Geld der EZB eben nicht an die Unternehmen weiter, die Investitionen steigen nicht entsprechend.

Zumindest einem ist erst mal überhaupt nicht geholfen – dem Spar-Michel. Der wird am Ende einsehen müssen, dass die EZB sich auch längerfristig nicht um den Erhalt seiner Spargroschen kümmern wird. Zunächst ist für ihn jeder Zinsertrag jenseits der Inflationsrate ein Erfolg. Will er mehr, muss er mehr Risiko eingehen. Das mehrfach von der WirtschaftsWoche vorgestellte Mischdepot mit Schwerpunkten bei Gold, Aktien und Anleihen lässt auch weniger risikofreudige Anleger gut schlafen.    

 

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