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Zukunft prüft Kapitalflucht Zypern hat als Finanzzentrum ausgedient

Gut eine Woche nach der Troika-Entscheidung zur Zypern steht das Land vor einer höchst ungewissen Zukunft, auch wenn der vorgestellte 12-Punkte-Plan für mehr Wachstum etwas anderes versprechen soll.

Präsident Nicos Anastasiades will Zyperns Wirtschaft durch ausländische Direktinvestitionen ankurbeln und durch zyprische Fachkräfte die Arbeitslosenquote vor dem Anstieg bewahren Quelle: AP

Über das Osterwochenende wurde bekannt, dass Anlegern mit mehr als 100.000 Euro an Anlagen bei der größten zypriotischen Geschäftsbank Bank of Cyprus ein Schnitt von bis zu 60 Prozent droht. Die restlichen 40 Prozent sie sind vorerst für sechs Monate eingefroren. Dies trifft Investoren zusätzlich zu dem erwarteten Schnitt, der ohnehin schon höher als bisher diskutiert ausfällt.

Nach den jüngsten Entwicklungen hat Zypern als Finanzzentrum ausgedient. Die Vorgabe der Troika, dass Zypern seinen überdimensionierten Bankensektor auf den Durchschnitt der Eurozone zurückfahren muss, dürfte schneller als erwartet eintreten. Allerdings ist nicht klar, worauf sich die zypriotische Wirtschaft künftig stützen soll. Ökonomen gehen davon, dass die zypriotische Wirtschaft in diesem Jahr regelrecht einbrechen wird. Das Brokerhaus Exotix erwartet, dass das Bruttoinlandsprodukt 2013 um zehn Prozent fallen wird. Für das kommende Jahr erwartet Exotix ein weiteres deutliches Minus von acht Prozent.

Die Chronik der Zypern-Krise

Präsident Nikoas Anastasiades hat ein Wachstumsprogramm mit zwölf Punkten vorgestellt, das jedoch keine Bahn brechenden Vorschläge enthält. So will Anastasiades Direktinvestitionen aus dem Ausland anlocken, indem Großprojekte binnen maximal 30 Tagen genehmigt werden sollen. Außerdem hat er angekündigt, dass Betriebsgewinne, die in Zypern wieder investiert werden, von der Steuer freigestellt werden.

Arbeitslosenquote eindämmen

Anastasiades regt außerdem an, dass Gewerkschaften und Arbeitnehmer ein Ziel vereinbaren sollen, dass 70 Prozent der Beschäftigten Zyprioten sein sollen. Diese protektionistische Maßnahme soll sicherstellen, dass die Arbeitslosenquote in den kommenden Jahren nicht in die Höhe schießt. Aktuell liegt diese bei 14,0 Prozent, wie Eurostat am Dienstag meldete. Allerdings dürfte dieser Wert angesichts der bevorstehenden tiefen Rezession nach Schätzungen von Ökonomen auf über 20 Prozent steigen.

Die Bevorzugung heimischer Arbeitskräfte dürfte schnell an ihre Grenzen stoßen. Bisher sind auf Zypern Arbeitskräfte aus den Philippinen, Sri Lanka und Indien als Kellner und Zimmermädchen, weil sich für die Jobs keine Einheimischen fanden. Ausländer aus anderen EU-Staaten dürfen nicht diskriminiert werden, da sie nach EU-Recht als Inländer gelten. 

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