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Zum Tod der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher - eisern und kompromisslos

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Cameron setzt Thatchers Europa-Politik fort

Margaret Thatcher ist tot

Außenpolitisch bleiben vor allem ihre harte Haltung gegenüber dem Kommunismus, ihre Seelenverwandtschaft mit dem ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan und ihre große Skepsis gegenüber der Wiedervereinigung Deutschlands in Erinnerung. Ihr Verhältnis zum damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl galt als gespalten. In ihrer Heimat Großbritannien konnte sie 1982 durch ihre Erfolge im Krieg um die Falklandinseln punkten, bis heute ist das Verhältnis von Großbritannien und Argentinien vom Konflikt um die kleinen Inseln überschattet. Doch indem sie Krieg gegen Argentinien führte, bewies Thatcher, dass eine weibliche Regierungschefin den Männern nichts an Entschlossenheit nachstand. Dennoch hat sie sich nie als Feministin verstanden - die Förderung anderer weiblicher Politiker war ebenfalls nie ihr Anliegen. Sie überlebte einen Attentatsversuch der Irischen Republikanischen Armee (IRA) und bewies Kaltblütigkeit, indem sie nur wenige Stunden nach dem Bombenanschlag auf ihr Hotel beim Parteitag der Tories auftrat. Persönliche Härte und ideologische Standfestigkeit waren ihre Markenzeichen.  

Kontroverses Erbe

Ein kontroverses Erbe aber hinterließ die später geadelte Baronin Thatcher ihren Nachfolgern in der Europapolitik. Ihre unnachgiebige Haltung verhinderte, dass Großbritannien sich in der Sozial- und der Währungspolitik enger an Europa anschloss. Im Kern ihrer Europavision stand eine Freihandelszone. Sie hegte stets ein tiefes Misstrauen gegen die von Deutschland befürwortete tiefere Integration der Europäischen Gemeinschaft und kämpfte für die Unabhängigkeit Großbritanniens und die Vormachtstellung des britischen Parlaments.  Ihre kompromisslose Haltung führte schließlich dazu, dass das Thema zu einer tiefen Spaltung in ihrer eigenen Partei führte - noch heute besitzt es große Sprengkraft. Die Europaskepsis der Politikerin, die von ihren Anhängern liebevoll "Maggie" genannt wurde, wirkt bis heute in breiten Teilen der britischen Bevölkerung fort.

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Es ist zur zweiten Natur der Briten geworden, die EU und Brüssel als bürokratischen gesichtslosen Beamtenapparat zu betrachten. Mit der Ankündigung das Verhältnis zur EU lockern und neu verhandeln zu wollen, setzt der konservative Premier David Cameron Thatchers Politik konsequent fort. Zum ersten Mal seit 40 Jahren besteht nun eine realistische Möglichkeit, dass Großbritannien die EU verlassen könnte. Sollte Cameron die nächsten Wahlen gewinnen, so will er spätestens 2017 ein Referendum über Verbleib oder Austritt anberaumen.

Mit dem Tod der Eisernen Lady am 8. April schließt sich der Kreis: Cameron befand sich gerade auf dem Weg nach Madrid, wo er eine mehrtägige Europareise beginnen wollte, um für eine Neudefinition der künftigen Europapolitik zu werben. "Wir brauchen ein Europa, das offener, wettbewerbsfähiger, flexibler ist, das  mehr über die Kosten nachdenkt, die es seiner Wirtschaft aufbürdet", sagte Cameron vor seiner Abreise in einem Interview. Genauso hätte es auch Maggie Thatcher formulieren können.

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