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Zum Tod der ehemaligen Premierministerin Margaret Thatcher - eisern und kompromisslos

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Thatcher als Wegweiser für die Agenda 2010

Margaret Thatcher, ehemalige britische Premierministerin, ist im Alter von 87 Jahren gestorben Quelle: REUTERS

Margaret Thatchers erbitterter Kampf gegen die Gewerkschaften, vor allem ihre unnachgiebige Haltung im Streik der Bergarbeiter, war selbst in ihrer eigenen Partei nicht populär, doch indem sie die Macht der Arbeitnehmerorganisationen brach, legte sie den Grundstein für das moderne Großbritannien,  das heute vor allem von Dienstleistungen und Finanzen lebt. Als Premierministerin trieb sie außerdem die Privatisierung ehemaliger Staatsbetriebe wie British Airways und British Telecom voran und leitete einen konsequenten Kurs der Deregulierung ein. Mit dem "Big Bang" des Jahres 1986 schuf sie die Voraussetzung dafür, dass an der Themse ein dynamischer Finanzdistrikt entstand, der schließlich zum größten Finanzplatz Europas wurde. Kritiker sehen darin auch den Keim der Gier und des hemmungslosen Profitstrebens, der für die späteren Exzesse der Finanzbranche verantwortlich war, deren Folgen Großbritannien heute noch schwer zu schaffen machen.

Innenpolitisch stand Thatcher auch für radikale Steuersenkungen, den Abbau des Sozialstaates und eine Eindämmung des staatlichen Einflusses. Das Individuum sollte in in erster Linie für sich selbst sorgen. Daher förderte sie den Verkauf von Sozialwohnungen an ehemalige Sozialhilfeempfänger und bewirkte mit ihrer Privatisierungskampagne, dass Großbritannien zunehmend zu einem Volk der Eigenheimbesitzer und der Aktionäre wurde. Die radikale Beschneidung des Wohlfahrtsstaates trug ihr den Vorwurf der sozialen Kälte und Herzlosigkeit ein. Doch gleichzeitig waren ihre kontroversen Reformen und ihre strukturpolitischen Weichenstellungen auf diesem Gebiet später wegweisend für die Agenda 2010 und die Hartz-IV-Reformen in Deutschland. Auch Tony Blair, der als erster Labour-Premier nach Thatcher in die 10, Downing Street einzog, entschloss sich 1997 an ihren Sozialreformen festzuhalten, "New Labour" war damit auch vom Thatcherismus geprägt.

Margaret Thatcher stammte aus einfachen Verhältnissen - ihr Vater führte einen Gemischtwarenladen - und war stolz darauf, in ihrer Haushaltspolitik stets den Prinzipien einer sparsamen Hausfrau zu folgen. Man dürfe nie mehr ausgeben als man eingenommen habe, lautete ihr Credo. Die Erfolge ihrer Privatisierungspolitik wurde zum Modell für andere Länder, doch in anderen Bereichen hat sie versagt - so hinterließ sie den Briten ein mangelhaftes öffentliches Schulwesen, ein schlechtes öffentliches Gesundheitssystem und vor allem erhebliche Schwächen bei der öffentlichen Infrastruktur. Jahrelang wurde nicht in Züge und öffentliche Verkehrsmittel investiert, die Londoner U-Bahn leidet heute noch darunter, dass ihre Sanierung jahrzehntelang vernachlässigt worden war.

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