Zwischenfall im Thalys-Zug Anti-Terror-Staatsanwaltschaft ermittelt

Nur ein Eingreifen mehrerer Reisender hat wohl ein Blutbad an Bord des Thalys-Schnellzugs von Amsterdam nach Paris verhindert. Die Männer werden als Helden gefeiert. Die Motive des bewaffneten Schützen sind noch unklar.

Nach den Schüssen in einem franzözischen Schnellzug ermittelt nun die Staatsanwaltschaft. Quelle: AP

Nach der Attacke in einem Thalys-Schnellzug auf dem Weg von Amsterdam nach Paris prüfen französische Ermittler, ob es einen terroristischen Hintergrund gibt. Ein Mann hatte am frühen Freitagabend vermutlich mit einer Kalaschnikow das Feuer eröffnet und zwei Menschen schwer verletzt, als der Zug durch das belgisch-französische Grenzgebiet rollte. Nach ersten Einschätzungen verhinderte nur das beherzte Eingreifen mehrerer Fahrgäste ein Blutbad: Zwei junge US-Soldaten und ein Student überwältigten den Schützen, im nordfranzösischen Arras übergaben sie ihn der Polizei.

„Furchtbares Drama“ verhindert

„Wir haben einen Schuss und berstendes Glas gehört“, erzählte der Nationalgardist Alek Skarlatos. Er habe hinter sich geschaut und einen Mann mit einer Kalaschnikow gesehen, dann habe er sich zusammen mit anderen Fahrgästen auf den Mann gestürzt. „Wir haben ihn letztlich gefesselt, aber dann hat er währenddessen tatsächlich ein Messer gezogen und (den zweiten US-Soldaten) Spencer geschnitten“, sagte der Brite Chris Norman, der den Amerikanern nach eigenen Angaben bei der Überwältigung des Mannes half. Skarlatos erzählte: „Wir haben ihn gegen den Kopf geschlagen, bis er bewusstlos war.“

Getötete und gefangen genommene Top-Terroristen

Die Fahrgäste hätten damit möglicherweise ein „furchtbares Drama“ verhindert, sagte Frankreichs Innenminister Bernard Cazeneuve. Auch US-Präsident Barack Obama lobte den Mut der Passagiere, darunter US-Militärangehörige. Sie hätten mit ihren „heldenhaften Taten“ möglicherweise eine weitaus schlimmere Tragödie verhindert, hieß es nach Angaben des Weißen Hauses. Auch in sozialen Netzwerken wurden sie gefeiert.

Der Vorfall ereignete sich am Freitag gegen 17.45 Uhr. Noch am Abend zog die für Terrorismus zuständige Pariser Staatsanwaltschaft den Fall an sich. Belgiens Premierminister Charles Michel hatte schon früh von einem Terroranschlag gesprochen, die französischen Behörden legten sich aber noch nicht fest und betonten, das Motiv sei noch nicht geklärt.

Höchste Terrorwarnstufe

Der Festgenommene hat terroristische Absichten bestritten. Dies berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP am Samstag unter Berufung auf Polizeikreise. Demnach halten die Ermittler die Angaben des Mannes bislang aber nicht für stichhaltig. Er sei nach ersten Ermittlungen nie im Gefängnis gewesen und entspreche nicht dem Profil eines Kriminellen. Der Mann habe sich als 26 Jahre alter Marokkaner ausgegeben, die spanischen Behörden hätten ihn den Franzosen als radikalen Islamisten gemeldet.

Laut „El País“ lebte der Festgenommene ein Jahr in Spanien, bevor er nach Frankreich gezogen sei, und sei auch in Syrien gewesen. Zudem hatte er mehrere Waffen und Magazine bei sich. „Er hatte die Schießerei wirklich geplant“, meinte der US-Soldat Skarlatos.

Frankreich war in den vergangenen Monaten mehrfach Ziel von Terroranschlägen oder -plänen mit islamistischem Hintergrund. Im Januar schockierten die blutigen Attacken auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“ und einen jüdischen Supermarkt das Land, Ende Juni sorgte ein brutaler Mord in einer Chemiefabrik bei Lyon für Schlagzeilen. Mehrfach berichtete die Behörden von vereitelten Terrorplots, beispielsweise gegen Kirchen. In der Region Paris gilt die höchste Terrorwarnstufe, Soldaten stehen vor gefährdeten Gebäuden Wache, die Regierung versprach mehr Polizisten.

Wann die Staatsanwaltschaft sich offiziell zu den Ermittlungen äußern würde, war am Samstag zunächst unklar. „Alles wird getan, um Licht in dieses Drama zu bringen“, versprach der französische Präsident François Hollande am Freitag. Er vereinbarte mit Belgiens Premierminister Michel, bei der Aufklärung der Tat eng zusammenzuarbeiten.

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