
Die staatsmännische Haltung beherrscht Nikos Anastasiadis, 66, schon recht ordentlich. In der Wahlwerbung der konservativen Partei Zyperns (Disy) posiert er mit ernster Miene an einem schweren Schreibtisch, drei Telefone zu seiner Rechten. „Die Krise braucht einen Führer“, heißt es unter dem Bild.
Und seine Chancen stehen gut. Der Jurist führt vor der Präsidentschaftswahl am kommenden Sonntag nicht nur die Meinungsumfragen mit großem Vorsprung an. Er ist auch die erste Wahl für viele europäische Spitzenpolitiker. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der finnische Premier Jyrki Katainen und weitere Spitzenkräfte der Europäischen Volkspartei flogen Mitte Januar eigens ein, um dem Kandidaten im Wahlkampf ihre Unterstützung zuzusichern. „Zypern ist nicht allein“, steht seitdem auf Anastasiadis’ Web-Site.





Hilfe wahrscheinlich
Der bisherige Präsident, der Kommunist Dimitris Christofias, hat das Land innerhalb weniger Jahre heruntergewirtschaftet. Die Schuldenquote stieg während seiner Amtszeit von 58,8 auf fast 90 Prozent, das Wirtschaftswachstum brach von 2,9 Prozent auf minus 3,3 Prozent ein.
Wer mich wählt, so suggeriert nun Anastasiadis, kann mit der Solidarität Europas rechnen. Und das ist nicht einmal übertrieben. Trotz der in Berlin offen geäußerten Zweifel an einem milliardenschweren Rettungsprogramm für den überschuldeten Zwergstaat dürfte die Euro-Zone dem östlichen Mitgliedsland der Währungsunion am Ende die Hilfe nicht versagen.
Merkel denkt an die Wahl
Zuvor sind allerdings gewaltige Probleme aus dem Weg zu räumen. Merkel möchte im Wahljahr den Eindruck vermeiden, leichtfertig Mittel für ein Geldwäscheparadies lockerzumachen. Die Strategie der Kanzlerin lehnt sich an ihr Vorgehen in Griechenland an. Anastasiadis soll der deutschen Öffentlichkeit als Mann des Wandels verkauft werden, wie das 2012 beim griechischen Ministerpräsidenten Samaras passierte. Der hatte sich in der Opposition zwar beständig geweigert, das Reformprogramm in Griechenland mitzutragen. Aber einmal in der Regierung, müht er sich nun, es der Troika aus EU-Kommission, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) recht zu machen.
Bei Anastasiadis verlangt das Berliner Branding nicht einmal eine politische Kehrtwende: Sein Wahlprogramm liest sich wie von deutschen Christdemokraten geschrieben. „Haushaltskonsolidierung und die Schaffung von Wachstum sind keine Ziele, die sich ausschließen“, heißt es da etwa. Auch gegenüber der WirtschaftsWoche verspricht Anastasiadis einen strikten Sparkurs: „Wir streben bis 2016 einen Primärüberschuss von vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts an.“