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Folgenreicher Aufruf Alle wollen nach Albinen

Auf der Suche nach neuen Bewohnern greift ein Schweizer Dorf zu ungewöhnlichen Mitteln: Eine Initiative sieht vor, dass neue Bewohner bis zu 25.000 Franken erhalten. Jetzt wächst den Albinern die Sache über den Kopf.

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Das Bergdorf Albinen will etwas gegen die Abwanderung unternehmen. Quelle: dpa

Zürich Albinen bietet eine Dorfkirche, ein Mühlenmuseum und eine malerische Hanglage in den Alpen. Doch all das reicht offenbar nicht, um die Leute für das kleine Dorf im deutschsprachigen Teil des Kantons Wallis zu begeistern. In dem Örtchen leben nur noch 273 Menschen, viele Familien sind weggezogen. Um junge Leute für ihre Gegend zu begeistern, haben die Bewohner eine ungewöhnliche Initiative auf den Weg gebracht.

Der Plan: Wer ein Haus bauen will, soll dafür als Einzelperson bis zu 25.000 Franken erhalten – gut 21.000 Euro. Paare erhalten die doppelte Summe, pro Kind gibt es weitere 10.000 Franken. Für eine Familie mit zwei Kindern wären demnach 70.000 Franken drin.

Die ungewöhnliche Initiative war offenbar erfolgreicher, als die Albiner erhofft haben. Seit die internationale Presse über den Fall berichtet hat, wird Albinen von Interessenten überrannt.

Mit bereits gepackten Koffern sollen Leute aus aller Welt in Albinen angekommen sein, berichtet das schweizerische Fernsehen. Von mehreren hundert Anfragen bei der Gemeinde ist die Rede. Der Gemeinderat versucht nun, die ganze Sache wieder einzufangen: „Geradezu abstrus wurde der Eindruck geschürt, man müsse nur nach Albinen umziehen, um dort 70.000 Franken abzukassieren“, heißt es auf der Webseite des Dorfes. „Wer die Fakten liest, wird unschwer feststellen: Das Gegenteil ist der Fall.“

Tatsächlich soll die Förderung nämlich an mehrere Bedingungen geknüpft werden. So müssen die interessierten Neu-Albiner etwa ein bewilligungsreifes Bauprojekt oder einen Kaufvertrag vorweisen. Interessenten müssen zudem zeigen, wie sie ihr Projekt finanzieren wollen – und mindestens 200.000 Franken investieren. Ausländer brauchen zudem die so genannte Niederlassungsbewilligung C, die erst nach fünf oder zehn Jahren in der Schweiz erteilt wird. Bestenfalls kämen in den kommenden fünf Jahren nur fünf bis zehn junge Familien als Empfänger in Betracht, so der Gemeinderat.

Dem Ansturm auf Albinen tat das keinen Abbruch. Dabei ist die Sache noch gar nicht spruchreif. Der Gemeinderat will erst an diesem Donnerstag über die Initiative entscheiden. Egal, wie die Sache ausgeht: Für Aufmerksamkeit hat Albinen in jedem Fall gesorgt.

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