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Adam Smith Urvater der Ökonomie

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Smiths Gedankengebäude

Smith prägte mit seinen Gedanken viele Wirtschaftswissenschaftlern - neben Ökonomen wie David Ricardo und Walter Eucken bediente sich auch Karl Marx bei Smiths Thesen. Quelle: dpa/dpaweb

Die Gedanken von Smith prägten Heerscharen von Wirtschaftswissenschaftlern, klassische Ökonomen wie David Ricardo und Jean-Baptiste Say ebenso wie im 20. Jahrhundert die Ordoliberalen um Walter Eucken und Friedrich August von Hayek. Karl Marx bediente sich bei den Arbeitswert- und Entfremdungsthesen des Schotten, der schon früh die Gefahr der „Entseelung“ der Arbeit durch – prinzipiell segensreiche – Spezialisierung erkannte.

Das gesamte Gedankengebäude von Smith ist ein ökonomischer Reflex auf das Zeitalter der Aufklärung. Als Smith Mitte des 18. Jahrhunderts mit seinen ökonomischen Studien beginnt, ist die Welt wirtschaftlich und politisch im Wandel. Die einsetzende industrielle Revolution macht die zuvor agrardominierte Wirtschaft immer komplexer; drängende Preis-, Lohn- und Verteilungsfragen und neue Phänomene wie Arbeitsteilung, Massenproduktion und ein wachsender Finanzsektor lassen sich mit dem damals vorhandenen wissenschaftlichen Instrumentarium nur noch unzureichend erklären.

Gleichzeitig emanzipiert sich ein immer selbstbewussteres und nach individueller Freiheit gierendes Bürgertum von König, Adel und Klerus. Dem absolutistischen Staat setzt Smith das selbstbestimmte (und eigennützige) Individuum gegenüber, dem Protektionismus den Freihandel – und der staatlichen Regulierung den freien (aber vom Staat abgesicherten) Wettbewerb.

Gleichgewicht auf den Märkten

Smith bricht mit der damals herrschenden dirigistischen Wirtschaftsform des Merkantilismus, bei der die Staaten durch hohe Zollmauern und Exportsubventionen versuchten, Handelsbilanzüberschüsse anzuhäufen. Sein Credo: Bei vollständiger Konkurrenz und einem freien Spiel der Kräfte entsteht über den Preismechanismus, wie von „unsichtbarer Hand“ gelenkt, nicht nur maximaler Wohlstand in einem Land, sondern auch zwingend ein Gleichgewicht auf den Märkten. Die Wirtschaft betrachtet Smith mithin als selbstregulierenden Mechanismus.

Unsichtbare Hand

An dieser zentralen These, die Marktversagen und stabile Ungleichgewichte auf lange Sicht ausschließt, sofern die Rahmenbedingungen stimmen, haben sich Generationen von Ökonomen abgearbeitet. „Die unsichtbare Hand ist unsichtbar, weil es sie nicht gibt“, mäkelte der US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stieglitz. Kritiker monieren zu Recht, dass Smith das Phänomen der Arbeitslosigkeit komplett ignorierte. Die nämlich kann es in der Smith’schen Gedankenwelt nicht dauerhaft geben – weil bei sinkender Arbeitskräftenachfrage über sinkende Löhne am Ende wieder Vollbeschäftigung erreicht wird.

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