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Anziehendes Geschäft Deutsche Wirtschaft steuert "bärenstarkes Wachstum" an

Trotz Krim-Krise und weniger Impulsen aus den Schwellenländern setzt die deutsche Wirtschaft 2014 auf anziehende Geschäfte. Rund 53 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigender Produktion.

Mit welchen Maßnahmen Regierungen und Notenbanken Sparer attackieren können
Instrument: NiedrigzinsAusgestaltung: Notenbank kauft (über Banken, die günstig Geld bekommen) Staatsanleihen; Notenbank hält Leitzinsen unten negativ betroffen wären/sind: Konten, Anleihen, Lebensversicherung, Betriebsrenten, Versorgungswerke Eintrittswahrscheinlichkeit: läuft bereits; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: Inflation frisst Zinsen; Sparen lohnt sich kaum; ••••∘ Vorteil für Staaten: niedrige Zinslast auf eigene Schulden historische Vorbilder: USA • = unwahrscheinlich/ sehr niedrige Einbußen; ••••• = so gut wie sicher/ sehr hohe Einbußen Quelle: dpa
Instrument: Inflation zulassenAusgestaltung: Notenbanken schöpfen weiter Geld; Bürger verlieren Vertrauen; Umlaufgeschwindigkeit des Geldes steigt negativ betroffen wären/sind: Bargeld, Konten, Anleihen, Lebensversicherung Eintrittswahrscheinlichkeit: aktuell gering; langfristig wahrscheinlich; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Hohe Inflation kann sämtliche Geldvermögen entwerten; ••••• Vorteil für Staaten: Schulden werden nicht auf dem Papier, aber real drastisch verringert historische Vorbilder: Deutschland 1923; Frankreich 18. Jahrhundert; Zimbabwe 2009 Quelle: dpa
Instrument: NegativzinsAusgestaltung: Notenbank setzt negativen Leitzins fest; Banken legen negative Zinsen auf die Guthaben von Sparern um oder verteuern Gebühren/Kredite negativ betroffen wären/sind: Konten Eintrittswahrscheinlichkeit: ist bereits in der Diskussion; •••∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: Erspartes leidet nominal durch Negativzinsen und real durch Inflation ••••∘ Vorteil für Staaten: höheres Wachstum durch ausgeweitete Kreditvergabe erhofft historische Vorbilder: Schweiz 1964, 1970er; Schweden; Dänemark Quelle: dpa
Instrument: VermögensabgabeAusgestaltung: Staat schneidet sich von allen Vermögenswerten einmalig ein Stück ab negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: je reicher desto härter; ••••∘ Vorteil für Staaten: kann Schulden sofort drastisch senken historische Vorbilder: Deutschland 1918/19, 1952 Quelle: dpa
Instrument: ZwangsanleiheAusgestaltung: Staat zwingt Bürger, einen Teil ihres Vermögens in Staatsanleihen zu packen; wird (teilweise) zurückgezahlt negativ betroffen wären/sind: Konten, Aktien, Anleihen, Immobilien Eintrittswahrscheinlichkeit: wird diskutiert, aber starker Widerstand zu erwarten; ••∘∘∘ wie gefährlich für das Vermögen?: hängt von Rückzahlungen ab; •••∘∘ Vorteil für Staaten: verschafft Spielraum bis zum Rückzahlungsdatum historische Vorbilder: Deutschland 1914, 1922/23 Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Vermögensteuer, zum Beispiel ein Prozent auf steuerpflichtiges Vermögen (nach Abzug von Freibeträgen) negativ betroffen wären/sind: Vermögen generell Eintrittswahrscheinlichkeit: politische Forderung; ••••∘ wie gefährlich für das Vermögen?: für Vermögende; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland, wurde 1997 abgeschafft Quelle: dpa
Instrument: Neue SteuernAusgestaltung: Transaktionsteuer von 0,1 Prozent auf Aktien und Anleihen und 0,01 Prozent auf Derivate; fällig für jedes Geschäft negativ betroffen wären/sind: Aktien, Anleihen, Derivate; indirekt auch Fonds und Lebensversicherungen Eintrittswahrscheinlichkeit: politisch herrscht Konsens; ••••• wie gefährlich für das Vermögen?: drückt auch Rendite von Fonds und Versicherungen; •••∘∘ Vorteil für Staaten: weitere Einnahmen historische Vorbilder: Deutschland 1881–1991; Schweden 1985–1992 Quelle: dpa

Die deutsche Wirtschaft steuert auf ihr stärkstes Wachstum seit langem zu. Begünstigt vom milden Winter zog die Produktion im Februar bereits den vierten Monat in Folge an. Da zuvor schon Industrieaufträge und Einzelhandelsumsatz erneut zulegten, könnte das Bruttoinlandsprodukt Ökonomen zufolge im ersten Quartal um etwa 0,8 Prozent steigen - doppelt so stark wie Ende 2013 und so kräftig wie seit Anfang 2011 nicht mehr. Für das Frühjahr zeichnet sich aber eine langsamere Gangart ab.

Die Unternehmen stellten im Februar 0,4 Prozent mehr her als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Montag in Berlin mitteilte. Die Chancen für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends stehen nicht schlecht, stiegen doch die Industrieaufträge im Februar mit 0,6 Prozent ebenfalls den vierten Monat in Folge - vor allem wegen der robusten Nachfrage aus Deutschland und den anderen Euro-Staaten. "Angesichts der lebhaften Bestelltätigkeit sowie der guten Produktionszahlen in den ersten beiden Monaten des Jahres dürfte auch die Erzeugung des gesamten ersten Quartals spürbar über der des Jahresschlussquartals 2013 liegen", erwartet das Ministerium.

Experten sehen das genauso. "Wir steuern auf ein bärenstarkes erstes Quartal zu", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. Selbst wenn alle noch ausstehenden Indikatoren für das Quartal nur stagnieren würden, "dann stehen wir bei einem Wirtschaftswachstum von 1,1 Prozent". Die meisten Volkswirte erwarten derzeit ein Plus von 0,8 Prozent.

Die tatsächliche Konjunkturstärke wird aber durch den milden Winter überzeichnet. Von ihm profitiert die Baubranche, die nahezu ohne Pause durcharbeiten konnte. Auch der Einzelhandel frohlockt, da die Frühjahrsmode guten Absatz findet und Baumärkten die frühe Gartensaison zugutekommt. Im Frühjahr dürfte sich dann das Wachstum etwa halbieren, sagen Ökonomen voraus. Auch nach Ansicht von Anlegern hat die deutsche Konjunktur ihren Höhepunkt überschritten. Das signalisiert das Barometer des Beratungsunternehmens Sentix, das im April den dritten Mal in Folge sank und auf den niedrigsten Wert seit Oktober 2013 absackte. "Damit ist Deutschland definitiv nicht mehr die Konjunkturlokomotive des Euro-Raums", sagte Sentix-Experte Sebastian Wanke zu der Umfrage unter 891 Investoren.

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Trotz Krim-Krise und weniger Impulsen aus den Schwellenländern setzt die deutsche Wirtschaft auf anziehende Geschäfte. Rund 53 Prozent der Unternehmen rechnen mit einer steigenden Produktion, wie das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) mit Verweis auf eine Umfrage unter mehr als 3000 Firmen mitteilte. Im Herbst hätten dies nur 42 Prozent erwartet. Die IW-Forscher gehen davon aus, dass die Wirtschaftsleistung 2014 um rund 1,75 Prozent und 2015 sogar um rund zwei Prozent zulegt.

Allerdings warnen die Experten auch vor Risiken. Der Konflikt zwischen Russland und dem Westen um die Ukraine setze hinter jeden Konjunkturausblick ein großes Fragezeichen. "Aber auch in bedeutenden Schwellenländern wie Brasilien, Indien und China führen politische Konflikte zu wirtschaftlichen Unwägbarkeiten."

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