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Arbeitsmarkt Deutsche Firmen suchen kaum Fachkräfte im Ausland

Deutsche Betriebe schauen sich bei der Suche nach Arbeitskräften vor allem im Inland um. In anderen Ländern der OECD ist die Quote von beschäftigungsorientierten Zuwanderern fünf- bis zehnmal so hoch.

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Ein Arbeiter entgratet ein Rohr mit einer Schleifmaschine in der Hess Lichttechnik GmbH im sächsischen Löbau. Nur wenige Fachkräfte werden im Ausland rekrutiert. Quelle: dpa

Deutsche Arbeitgeber suchen nach Einschätzung der OECD nur selten Fachkräfte im Ausland. Selbst Unternehmen, die mit einem Mangel an qualifizierten Mitarbeitern rechneten, zögen dies kaum in Betracht, heißt es in einem am Montag vorgestellten Bericht der Industriestaaten-Organisation. Deutschland gehört demnach zwar zu den OECD-Ländern mit den geringsten Hürden für die Zuwanderung von hoch qualifizierten Arbeitskräften. Für den Zuzug von Fachkräften mit mittlerer Qualifikation seien dagegen Beschränkungen wie das generelle Anwerbeverbot in Kraft, die eine internationale Personalbeschaffung verhinderten. "Deutschland wird daher nicht umhinkommen, hier neue Wege für die Migration von Arbeitskräften zu eröffnen", sagte der stellvertretende OECD-Generalsekretär Yves Leterme in Berlin.

Bei den Arbeitgebern sei die Überzeugung weit verbreitet, dass eine Personalgewinnung im Ausland kompliziert sei. Der schlechte Ruf des deutschen Systems ist laut Studie aber nicht gerechtfertigt: Die Bearbeitungszeiten seien eher kurz, das Verfahren kostengünstig und die Ablehnungsquote gering. Eine größere Hürde sei es, passende Kandidaten zu finden. Vor allem kleine und mittelgroße Betriebe bestünden auf Deutschkenntnissen und sehr spezifischen Qualifikationen, die im Ausland schwer zu finden seien. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) appellierte an die Firmen, hier flexibler und offener zu sein.

Die dauerhafte Arbeitszuwanderung ist gering

Im internationalen Vergleich kommen nur wenige ausländische Fachkräfte auf Dauer nach Deutschland. Der OECD-Bericht beziffert die Zahl der Arbeitsmigranten aus Ländern außerhalb der Europäischen Union und der Freihandelsregion Efta auf etwa 25.000 pro Jahr. Das seien rund 0,02 Prozent der Bevölkerung in Deutschland. Andere Länder wie Australien, Dänemark, Kanada und Großbritannien verzeichneten fünf- bis zehnmal so viele beschäftigungsorientierte Zuwanderer.

Firmen setzen auf heimischen Arbeitsmarkt

Die spektakulärsten Spezialisten
1,97 Milliarden Euro Umsatz, 12 320 Mitarbeiter, in 160 Länder aktiv: Der Motorsägen-Weltmarktführer Stihl trotzt den Rückschlägen in Südeuropa und setzt seinen Wachstumskurs weiter fort. In den ersten acht Monaten dieses Jahres steigerte Stihl seine Erlöse gleich um 7,9 Prozent. Ein Drittel aller Motorsägen weltweit vertreibt Stihl nach eigenen Angaben und diese weltweite Präsenz hat dabei geholfen, die regionalen Einbußen in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland abzufedern. Im vergangenem Jahr ging es dem Weltmarktführer aus Waiblingen auch sehr gut: Er machte ein sattes Rekordumsatzplus von 10,8 Prozent. Für 2012 rechnet Stihl mit einem etwas schwächeren Wachstum von "nur" 5 bis 10 Prozent. Quelle: dpa
Pisten plätten und Halfpipes formen, eine Pistenraupe muss für alles gerüstet sein. In der Umgangssprache heißen die Maschinen "Pistenbully". So, wie das Produkt der Kässbohrer Geländefahrzeug AG. Mit den unverkennbar roten Pistenraupen ist das Unternehmen zum Weltmarktführer aufgestiegen. Vorher stellte es Reisbusse und LKW-Anhänger her. Quelle: Presse
Nicht nur bei Kindern beliebt, auch auf Musikfestivals ein Renner: die "Pustefix"-Seifenblasen der Firma Hein aus Tübingen. In mehr als 50 Ländern gibt es das Produkt zu kaufen. Besonders Amerikaner und Japaner stehen auf die bunten Blasen aus Deutschland. Quelle: REUTERS
Roll-Leinen für Hunde kommen von Flexi. 1972 entwarf die Firma den Prototyp aus Holz. Heute gibt es auch Luxusmodelle mit Swarovski-Kristallen. Produziert wird nach Unternehmensangaben ausschließlich in Deutschland, verkauft in 90 Ländern weltweit. Quelle: dpa
Blick in die Tiefe: In einer Übung seilen sich Feuerwehrmänner am Hochhaus "Taipei 101" ab. Die Fassade für das 508 Meter hohe Gebäude in Taiwans Hauptstadt Taipeh hat der deutsche Spezialist Gartner gefertigt. Nur eines von vielen Großprojekten; auch in Dubai, London, New York und München stehen Glasfassaden von Gartner. Quelle: AP
Edles Ambiente im Bundeskanzleramt. Gespeist wird hier mit feinstem Silber. Das Besteck liefert die Silbermanufaktur Robbe und Berking aus Flensburg. 1874 gegründet, hat die Firma international einen Marktanteil von 40 Prozent erreicht. Ein Viererset (Gabel, Messer, Ess- und Kaffeelöffel) ihres Besteck Modells "Dante" aus dem Bundeskanzleramt kostet 575 Euro in 925er Sterling Silber oder 283 Euro mit 150 Gramm Massiv-Versilberung. Quelle: dpa
Der Prothesenhersteller Otto Bock Healthcare ist offizieller Ausrüster der Paralympics in London. Für Rollstühle, Arm- und Fußprothese und viele weitere Hilfsmittel gibt es technische Unterstützung. Als Weltmarktführer fördert Otto Bock auch die Athleten des Deutschen Behindertensportverbands. 400-Meter-Sprinter Oscar Pistorius, der schon bei den Olympischen Spielen gestartet war, setzt dagegen auf Prothesen vom isländischen Konkurrenten Össur. Quelle: dapd

Die Bundesregierung hat in den vergangenen Jahren die Zuwanderung von Fachkräften erleichtert. So wurden die Mindesteinkommensschwellen für Hochqualifizierte mit der Einführung der "Blauen Karte" der EU gesenkt, und für bestimmte Mangelberufe fielen die Vorrangprüfungen weg. Bisher seien 2500 "Blue Cards" vergeben worden, sagte von der Leyen. "Die Zahlen steigen deutlich."

Experten fordern eine ähnlich unbürokratische Regelung für Arbeitnehmer mit mittlerer Qualifikation. Gesucht werden nach Angaben des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) etwa Fachkräfte in der Metall- und Elektroindustrie oder im Gesundheitswesen. Aber im Ausland habe Deutschland bis vor kurzem noch als kranker Mann Europas gegolten, sagte IW-Fachmann Holger Schäfer der Nachrichtenagentur Reuters. "Das muss sich erst einmal herumsprechen, dass Deutschland transparente und faire Zuwanderungsbedingungen hat." Bei vielen sei noch im Kopf, dass Deutschland keine Arbeitskräfte aufnehme.

In Arbeit
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Dies sieht die OECD ähnlich. "Das Vermächtnis des allgemeinen Anwerbestopps ist, dass Arbeitsmigration nach wie vor auf Ausnahmen basiert", kritisierte Leterme. "Diese Grundeinstellung muss sich ändern." Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) empfiehlt, auf "grundsätzliche Zulässigkeit der Arbeitsmigration" zu setzen, wenn klar definierte Bedingungen erfüllt sind.

Viel Firmen bauen derzeit eher auf das Potenzial am heimischen Arbeitsmarkt, um sich qualifiziertes Personal zu sichern. "Viele Unternehmen setzen bei der Suche nach Fachkräften zunächst mehr auf Ausbildung, Frauen und Ältere", sagte Arbeitsmarkt-Experte Stefan Hardege vom Deutschland Industrie- und Handelskammertag (DIHK).

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