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Aufstrebende Absatzmärkte Indonesien ist sexy für Investoren

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Wirtschaftskraft soll sich vervierfachen


Hidden Champion Taxifahrer Halim Gunawan (2. von links) gründete 1980 das Unternehmen SPV. Heute hilft seine ganze Familie, um die Metallfabrik auf den Weltmarkt zu führen

Das komplizierte Zoll- und Steuerrecht des Landes ist ein zweiter. Lokale Unternehmen stehen derweil bereit, um global anzugreifen.

An diesem Mittwoch ist der Dauerstau nicht ganz so schlimm. Der Taxifahrer steuert dem Berufsverkehr entgegen und schafft die zehn Kilometer vom Zentrum in das Kawasan-Gewerbegebiet östlich von Jakarta in 30 Minuten. Aber dann hat sich der Taxifahrer im Straßengewirr verirrt und muss den Weg zur Metallfabrik von SPV erfragen – es ist, als habe sich das Unternehmen versteckt.

Halim Gunawan würde sich in Jakartas Vororten nicht verfahren, der Unternehmer fuhr in den Siebzigerjahren selbst Taxi. Heute lenkt er einen S-Klasse-Mercedes durch den brutalen Verkehr. 1980 hatte der 62-Jährige genug von seinen Gelegenheitsjobs und gründete eine Metallfabrik. Daraus ist SPV hervorgegangen, Indonesiens Marktführer bei der Feingussverarbeitung. „Unser Land hatte damals viele Lebensmittel verarbeitende Betriebe, aber die mussten ihre Anlagen fast vollständig importieren“, erzählt Gunawan.

Länderprofil Indonesien

Der Selfmade-Unternehmer wollte zeigen, dass auch Indonesier ohne ein Diplom Anlagen konstruieren können – und legte los. Mit Erfolg: Heute beschäftigt SPV fast 1000 Mitarbeiter im Speckgürtel von Jakarta. Sie bauen Komponenten für Lokomotiven von General Electric, die in die USA gehen. Sie rüsten lokale Lebensmittelfabriken von Unilever und Nestlé aus. Bald will Gunawan eine neue Fabrik bauen, nur für Sperrventile, die US-Ölriese Chevron in seine Pipelines schweißt.

Konjunktur



Konservative Kreditvergabe

Die Wände seines Büros zieren Zertifikate von Prüfern wie dem TÜV Rheinland. Auf den roten Sesseln klebt noch Schutzfolie über den Polstern: Gunawan holt häufiger Arbeiter im Blaumann in sein Büro. Jetzt ist nur seine Tochter Mustika Ali da, die beiden Söhne werden später kommen. „Jahrelang haben wir nur auf Messen ausgestellt“, sagt die Junior-Chefin. „Wir zweifelten an unserer eigenen Qualität und verzichteten auf die Teilnahme an internationalen Ausschreibungen.“ Dann kam der Durchbruch mit einem Auftrag für Unilever in Indonesien. Heute zählt SPV auch große Namen wie Bayer, Coca-Cola oder Schlumberger zu seinen Kunden.

Märkte von morgen

Zufrieden ist Halim Gunawan noch lange nicht. Er spürt, wie Indonesiens Wirtschaft wächst, und er will dabei sein. „Aber wir haben ein Cash-Flow-Problem und brauchen einen Partner.“ Kredite seien zu teuer, weil die Banken seit der Asien-Krise bei Finanzierungen restriktiv sind. Darum sucht er Partner – gern auch aus Deutschland. „Schreiben Sie, dass die Arbeiter hier gut und günstig sind“, wirbt er. „Und dass wir jedes Jahr zweistellig wachsen.“

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