WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Ausblick 2012 Die Konjunktur steht auf des Messers Schneide

Seite 7/7

Die EZB spielt weiter auf Zeit

Kein Verstecken unterm Rettungsschirm, allein von Januar bis März muss der italienische Finanzminister mehr als 64 Milliarden Euro refinanzieren. Quelle: dapd

Weil die Arbeitskräfte knapper werden, steigt die Verhandlungsmacht der Gewerkschaften. Die Tariflöhne dürften daher im nächsten Jahr im Schnitt um 2,6 Prozent steigen, schätzen die Ökonomen der Commerzbank. Die Inflation wird dagegen im Gefolge des Abschwungs unter die Marke von zwei Prozent sinken, die Realeinkommen dürften also steigen. Die meisten Experten rechnen daher für 2012 mit einem Konsumplus von rund einem Prozent. Behalten sie recht, könnte das ein Abrutschen in die Rezession verhindern.

Doch die Risiken sind hoch. „Es müssen nur ein, zwei Dinge schieflaufen, dann sind alle Prognosen Makulatur“, warnt Roland Döhrn, Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung in Essen. Vor allem die Entwicklung an den Finanzmärkten könnte den Ökonomen einen Strich durch die Rechnung machen. Im nächsten Jahr müssen die Staaten der Währungsunion brutto knapp 800 Milliarden Euro neue Anleihen emittieren, um alte Papiere abzulösen. Der dickste Brocken entfällt auf Italien. Allein von Januar bis März muss der italienische Finanzminister mehr als 64 Milliarden Euro refinanzieren.

Bürge Deutschland

Die Gefahr, dass es dann zu einem Käuferstreik kommt, ist groß. Verliert etwa Frankreich seine Bestnote AAA, würde das zweitstärkste Land der Euro-Zone als erstklassiger Bürge für die Rettungsschirme ausscheiden. Diese wären dann kaum noch aufrechtzuhalten, eine Panik an den Märkten wäre programmiert. „Das Risiko ist real, dass Italien 2012 nicht genügend Käufer für seine Papiere findet und der Zahlungsausfall droht“, warnt Commerzbank-Chefökonom Krämer. Ohne Eingriffe der EZB wäre dann der Euro am Ende, die Währungsunion zerbräche, Europas Wirtschaft würde in eine tiefe Rezession stürzen.

Deshalb dürfte die EZB im Ernstfall wohl massiv Italo-Bonds kaufen, glauben die meisten Ökonomen. Doch damit verschafft sie dem Euro nur etwas Zeit. Die niedrigeren Zinsen würden den Spardruck lindern, und die Krisenländer könnten noch mehr Schulden machen. Doch spätestens dann, wenn Deutschland als Bürge für die Krisenländer zur Kasse gebeten wird, dürfte der politische Widerstand den Euro zerreißen. „2012 wird zum Schicksalsjahr“, sagt Commerzbanker Krämer. Das gilt nicht nur für die Konjunktur. Auch für den Euro.

Jetzt auf wiwo.de

Sie wollen wissen, was die Wirtschaft bewegt? Hier geht es direkt zu den aktuellsten Beiträgen der WirtschaftsWoche.
Inhalt
Artikel auf einer Seite lesen
Zur Startseite
Diesen Artikel teilen:
  • Artikel teilen per:
  • Artikel teilen per:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%