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Ausblick 2012 Die Konjunktur steht auf des Messers Schneide

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Sprengt China die Weltwirtschaft?

Schon eine moderate Wachstumsdelle in China würde Deutschlands Wirtschaft unter Druck bringen Quelle: dpa

Ob die Schwellenländer die USA als globale Konjunkturlokomotive ersetzen können, ist fraglich. In den vergangenen Jahren haben sie zwar 80 Prozent zum weltweiten Wirtschaftswachstum beigetragen. Wegen der hohen Teuerungsraten haben die Zentralbanken jedoch die Zinsen erhöht. Das bremst nun die Konjunktur.

Vor allem China könnte sich zum Sprengsatz für die Weltwirtschaft entwickeln. Am Immobilienmarkt des Riesenreichs hat sich in den vergangenen Jahren eine gigantische Preisblase entwickelt. Ein Apartment in chinesischen Städten kostet im Schnitt das Acht- bis Zehnfache eines Jahreseinkommens, in Peking und Shanghai ist es sogar das 30-Fache. Zum Vergleich: In den USA erreichten die Immobilienpreise zum Höhepunkt der Blase 2005 gerade mal das 5,1-Fache eines durchschnittlichen Jahreseinkommens.

Wirtschaftlicher Blasensprung

Jetzt aber scheint die Korrektur nahe. Im November sanken die Häuserpreise in mehr als der Hälfte der 70 größten Städte. „Chinas Immobilienblase platzt“, warnt Andy Xie, unabhängiger Ökonom in Shanghai und früher Staranalyst der US-Investmentbank Morgan Stanley. Xie, der die Asienkrise, das Platzen der Dotcom-Blase und der US-Immobilienblase richtig prognostiziert hat, glaubt, dass die Häuserpreise im Reich der Mitte in den nächsten drei Jahren um 50 Prozent einbrechen.

Die Hoffnung ruht auf dem Konsum

Platzt die Blase, wird das nicht nur China spüren, dessen Wirtschaftsleistung zu 13 Prozent auf Bauinvestitionen beruht. Wegen der globalen Verflechtungen der Bauwirtschaft mit wichtigen Sektoren wie der Rohstoffindustrie droht die gesamte Weltwirtschaft in den Abwärtsstrudel zu geraten. „Chinas Immobiliensektor ist die wichtigste Branche für die gesamte Weltwirtschaft“, konstatiert Jonathan Andersen, Ökonom der Schweizer Bank UBS.

Am Rande der Rezession

Schon eine moderate Wachstumsdelle in China würde Deutschlands Wirtschaft unter Druck bringen, zeigen Berechnungen des Kieler Ökonomen Carsten-Patrick Meier. Der Geschäftsführer des Forschungsinstituts Kiel Economics hat ausgerechnet, dass ein um fünf Prozentpunkte schwächeres Wachstum der Industrieproduktion in China – dies entspricht der Einbuße während der Asienkrise – das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts um 0,5 Prozentpunkte verringert. Bei der ohnehin niedrigen Wachstumsrate von rund 0,5 Prozent, die Experten für 2012 erwarten, würde das reichen, um Deutschland an den Rand der Rezession zu befördern.

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