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Banken senken Konjunkturprognose Russland-Krise trifft die deutsche Wirtschaft empfindlich

Die deutsche Wirtschaft wird in den kommenden Monaten weniger stark wachsen als erhofft. Grund ist der Konflikt mit Russland. Wie groß der Dämpfer wird.

Die deutsche Wirtschaft wird wohl weniger stark wachsen als erhofft. Vor allem die deutschen Autobauer leiden unter den Russland-Sanktionen. Quelle: dpa

Die deutschen Privatbanken blicken deutlich skeptischer auf die Konjunktur als noch vor Monaten. „Die deutsche Wirtschaft hat an Schwung verloren“, sagte Hans-Joachim Massenberg, Mitglied der Hauptgeschäftsführung des Bankenverbandes (BdB). Hauptgrund seien die Krisen in der Ukraine und im Nahen Osten, die die Stimmung der Unternehmen verschlechtert und Investitionen verhindern.

Die Folge: Der Bankenverband hat daher seine Konjunkturprognose für das laufende Jahr auf 1,5 Prozent reduziert (-0,3 Prozentpunkte). Für das kommende Jahr senkten die Volkswirte ihre Erwartungen von 2,0 auf 1,6 Prozent. Die halbjährliche Prognose des Ausschuss für Wirtschafts- und Währungspolitik des Bankenverbandes beruht auf einer Umfrage unter den im Ausschuss vertretenen 13 Chefvolkswirten von privaten Banken – unter ihnen bekannte Namen wie Jörg Krämer von der Commerzbank oder Holger Schmieding von der Berenberg Bank.

Geschäfte mit Russland

Wie sehr die Russland-Krise die deutsche Wirtschaft trifft, zeigt ein Blick auf die deutschen Autobauer: Sie leiden besonders unter den Auswirkungen der Spirale aus Sanktionen und Gegensanktionen. Weil sich die russischen Banken aufgrund der Sanktionen derzeit kein frisches Kapital im Westen besorgen können, sind die Anschaffungskredite seit April deutlich teurer geworden. Viele Russen können sich im Moment schlicht kein Auto leisten. Hinzu kommt, dass viele Russen ihre Ersparnisse in Dollar und Euro angelegt haben und das Geld wegen des Verfalls des Rubel und der galoppierenden Inflation jetzt nicht antasten mögen.

Die Folge: Seit Jahresbeginn sind die Autoverkäufe im Land um über zehn Prozent zurückgegangen. Opel hat in seinem Werk in St. Petersburg auf Kurzarbeit umgestellt, Volkswagen hat die Bänder in seinem Werk in Kaluga, 190 Kilometer südwestlich von Moskau, kurzerhand für vorerst zwei Wochen vollständig stillgelegt.

Trotz der Probleme mit dem Russland-Geschäft wird die deutsche Wirtschaft weiter wachsen und nicht in die Rezession abrutschen. Gründe seien die gute Arbeitsmarktlage und die niedrigen Zinsen. „Außerdem sollten der niedrige Euro-Kurs und die sehr guten Aussichten für die US-Konjunktur den deutschen Exporten wieder etwas Schub geben“, so Massenberg.

Sanktionsfolgen für Branchen in Deutschland

Der Euro-Zone trauen die BdB-Ökonomen nur ein Wachstum von 0,8 Prozent zu, das sich im nächsten Jahr aber auf 1,2 Prozent beschleunigen dürfte. Die Gefahr einer Deflation im Euro-Raum – also eines für die Wirtschaft schädlichen Preisverfalls auf breiter Front - hält der BdB für gering. „Es gibt im Moment keinen Beleg dafür, dass sinkende Preise zu Konsumzurückhaltung führen“, sagte Massenberg. Vielmehr signalisierten die Daten zum Verbrauchervertrauen in den Euro-Ländern, dass der niedrige Preisanstieg die reale Kaufkraft erhöhe und den Konsum stütze.

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