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Bevölkerungsentwicklung Ansturm auf die Metropolen Deutschlands

Das Institut der Deutschen Wirtschaft prognostiziert bis 2030 eine zunehmende Urbanisierung. Dann werden voraussichtlich 18,8 Prozent der Bevölkerung in den 14 größten Städten leben, so das Ergebnis der Studie.

Die besten Städte Deutschlands
Platz 10: MainzDie Universitätsstadt und Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz punktet mit einem lebendigen Immobilienmarkt. Die Wohnungsmiete bei Bestands-Immobilien beträgt 8,71 Euro pro Quadratmeter (Rang 9). Schlecht für die Mieter, gut für Vermieter und die Stadt – spiegelt eine hohe Miete doch auch eine hohe Nachfrage und das Vorhandensein des nötigen Kleingelds der Bürger wider. Wer eine Wohnung sucht, muss schnell sein. Nach neun Tagen verschwinden Anzeigen in der Regel wieder von den Portalen, da die Anzeige hinfällig ist (Rang 13). Und dass, obwohl die Stadt nicht gerade reich an Grünflächen ist. Nur 13,2 Prozent der Stadtfläche taugen als Erholungsgebiete (Rang 70 von 71). Negativ ins Gewicht fällt auch die geringe Anzahl an Kindern, die die Mainzerinnen bekommen. Auf eine Frau kommen durchschnittlich nur 1,2 Kinder (Platz 66). Aber – Stichwort Studentenstadt – ein Großteil der Frauen ist ja noch jung. Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen der Stadt Mainz finden Sie in unserer Infografik. Quelle: dpa
Platz 9: HeidelbergWer in Heidelberg krank wird, der muss sich um mangelnde ärztliche Versorgung keine Sorgen machen. Nirgendwo in Deutschland gibt es so viele Krankenhausbetten pro 100.000 Einwohner (202, Rang 1), in keiner anderen Stadt gibt es mehr Ärzte pro 100.000 Einwohner (393, Rang 1). Wer Erholung sucht, findet im Stadtgebiet ausreichend Gelegenheit: 45,2 Prozent der Fläche gelten als Erholungsgebiet (Platz 7). Vor allem Hochqualifizierte zieht es nach Heidelberg. 22,9 Prozent aller Beschäftigten haben einen Hochschulabschluss (Rang 7). Negativ fällt auf: Die Beschäftigungsquote der Frauen ist im Deutschlandvergleich dramatisch niedrig. Nur 38 Prozent der Frauen im erwerbsfähigen Alter hatten 2012 einen sozialversicherungspflichten Job (Platz 70). Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Heidelbergs finden Sie in unserer Infografik. Quelle: AP
Platz 8: DarmstadtIn kaum einer anderen Stadt gibt es so viele Wald- und Erholungsflächen wie in Darmstadt. 45 Prozent des Stadtgebiets sind grün (Rang 3). Dennoch scheinen die Schüler nicht übermäßig den Unterricht zu schwänzen. Sehr viele Jugendliche kommen sehr erfolgreich durchs Schulleben. 54,9 Prozent aller Schulabgänger erreichen das Abitur oder die Fachholschulreife (Rang 5). Nur 3,5 Prozent aller Schüler erreichen keinen Abschluss (Rang 7). Bei den Straftaten (8358 je 1000.Einwohner) liegt Darmstadt gut im Rennen (Rang 17), mit einer Aufklärungsquote von 61,8 Prozent  liegt die örtliche Polizei auf einem noch besseren elften Rang. Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Darmstadt finden Sie in unserer Infografik. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 7: RegensburgProduktive Bayern: Die Regensburger erwirtschaften im Jahresdurchschnitt ein BIP von 75.434 Euro, das ergibt Platz 5 im Ranking. Hohe Produktivität und ein relatives hohes Einkommen sind auch nötig, sind doch die Immobilienpreise in Regensburg sehr hoch. Für eine Eigentumswohnung werden 2766 Euro pro Quadratmeter aufgerufen (Platz 3). Wer sich eine Wohnung in der Umgebung sucht, kommt dennoch schnell in die Stadt bzw. aus Regensburg wieder heraus. Die durchschnittliche Fahrzeit zur nächsten Autobahn-Anschlussstelle beträgt nur drei Minuten (Rang 6). Auch Auszubildende finden gute Bedingungen vor: Je 100 Nachfragen werden 105,1 betriebliche Ausbildungsplätze angeboten (Rang 4). Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Regensburgs finden Sie in unserer Infografik. Quelle: dpa
Platz 6: Frankfurt am MainBankenmetropole, Immobilienmekka – und die Stadt mit den meisten Straftaten je 100.000 Einwohner. 16.310 Straftaten (je 100.000 Einwohner) wurden 2012 laut dem Bundeskriminalamt verübt. Das ist – vor Düsseldorf und Köln – einsame Spitze. 59,9 Prozent aller Straftaten werden aufgeklärt (Rang 18). Positiv: Junge Leute haben eine gute Perspektive. Auf 100 Nachfrager kommen 105,6 Ausbildungsplätze (Platz 2). Die Erwerbstätigen sind sehr produktiv und erwirtschaften ein BIP von 80.223 Euro pro Einwohner (Platz 3). Eigentum ist trotzdem nicht einfach zu erwerben, sind doch die Preise recht hoch. In unserem Ranking spricht das für die Attraktivität der Stadt. Mit einem Preis von 2620 Euro pro Quadratmeter für eine Eigentumswohnung (Bestandsimmobilie) kommt Frankfurt auf Rang 6. Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Frankfurts finden Sie in unserer Infografik. Quelle: dpa
Platz 5: StuttgartKreative Schwaben: Stuttgart meldet mit weitem Abstand die meisten Patente an. 1376 Patentanmeldungen je 100.000 Erwerbstätige wurden zuletzt im Jahr eingereicht (Rang 1). Zum Vergleich: Ingolstadt folgt mit einem Wert von 679 auf Rang 2. Das schlägt sich auch in der Produktivität wider. Die Stuttgarter erwirtschaften im Schnitt ein BIP von rund 62.000 Euro im Jahr – Rang 8. Außerdem positiv: Wer in Stuttgart geboren wird, kann auf ein langes Leben hoffen. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 82,3 Jahren (Rang 2). Ärzte hingegen sind nicht gerade stark in Stuttgart vertreten. Auf 100.000 Einwohner kommen nur 212 Mediziner (Rang 50). Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Stuttgarts finden Sie in unserer Infografik. Quelle: dpa Picture-Alliance
Platz 4: WolfsburgWenig überraschend leben in der VW-Stadt überdurchschnittlich viele Ingenieure. Zehn Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten haben ein Ingenieursstudium in der Tasche, mit weitem Abstand Rang 1. Auch beim Anteil der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten an den Erwerbsfähigen liegt Wolfsburg ganz vorne (68,4 Prozent). Die Wolfsburger erwirtschaften ein BIP von 108.165 Euro im Jahresdurchschnitt (Rang 1). Verletzen sollten sich die VW-Angestellten besser nicht: Bei der Ärztedichte hat die Stadt Nachholbedarf. Auf 100.000 Einwohner kommen nur 196 Mediziner (Rang 58). Eine detaillierte Auflistung der Stärken und Schwächen Wolfsburg finden Sie in unserer Infografik. Quelle: obs

Spätestens bei der Wohnungssuche in einer deutschen Großstadt wird klar, dass ein regelrechter Ansturm auf bestimmte deutsche Metropolen vorherrscht. Engpässe auf dem Wohnungsmarkt machen das Szenario nur allzu deutlich - obwohl steigende Immobilienpreise eigentlich eine abschreckende Wirkung haben sollten. Dazu kommen Staus und volle U-Bahnen. Doch trotzdem leben die Menschen lieber in Großstädten statt an die Peripherie zu ziehen.

Die Prognose des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) scheint daher wenig verwunderlich. Von 2000 bis 2011 hat sich der Bevölkerungsanteil bereits in den 14 größten deutschen Städten von 15,5 auf 16,4 Prozent erhöht. Für 2030 prognostiziert das IW Köln, dass bis zu 18,8 Prozent der Bevölkerung in den 14 größten Städten leben werden. Alleine in Frankfurt am Main soll die Bevölkerungszahl von 2012 mit 687.800 Einwohnern bis 2030 mit 858.000 Einwohnern um 24,7 Prozent wachsen. In Hamburg soll die Einwohnerzahl von 2012 bis 2030 lediglich um 11 Prozent ansteigen.

Grund für diese Entwicklung ist, dass sich Unternehmen zunehmend an Ballungsräumen und Universitätsstädten ansiedeln, um qualifizierte Nachwuchskräfte zu akquirieren. Durch den Ansturm auf Universitäten werden zudem Hochschulstandorte zum Magneten junger Menschen. Im Jahre 2012 waren es rund eine halbe Million Studienanfänger, die sich ebenfalls auf kleinere Studienorte verteilen.

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Obwohl sich die Geburtenrate im Durschnitt lediglich bei 1,4 Kindern ansiedelt, wächst die deutsche Bevölkerung durch Zuwanderer aus Mittelostereuropa und Südeuropa. Dies verändert die Bevölkerungsstruktur Deutschlands auf lange Sicht. Aufgrund der grassierenden Krise in Europa ist davon auszugehen, dass die Zuwanderung in den nächsten Jahren so hoch bleibt wie derzeit. Das aufkommende Problem des Wohnungsmangels könnte allerdings die Entwicklung mit sich bringen, dass Menschen wieder vermehrt ins Umland ausweichen. Münster ist beispielsweise einer der Städte, die in der letzten Zeit am rasantesten gewachsen ist. Im Jahre 2012 waren es noch 296.600 Einwohner. 2030 könnte es eng werden, denn dann sollen es mit 422.100 schon fast doppelt so viele Einwohner sein. Ein rasanter Anstieg von 42,3 Prozent.

Im Umkehrschluss müssen sich manch andere Regionen auf sinkende Einwohnerzahlen einstellen. Laut IW-Studie schrumpfen insbesondere ostdeutsche Regionen am stärksten. Einbußen in der Bevölkerungszahl von jeweils 28 Prozent muss der sachsen-anhaltinische Kreis Mansfeld/Südharz und der Elbe-Elster Kreis in Brandenburg machen. Die Bevölkerung im thüringischen Greiz gehört ebenfalls zu den Regionen, die Bevölkerungsverlust zu verzeichnen hat. Hier sind es 26 Prozent. Auch wenn München mit einem Bevölkerungszuwachs von 32 Prozent bis zum Jahr 2030 eine beliebte Großstadt darstellt, gibt es in Bayern ebenfalls Bevölkerungs-Verlierer. Der Kreis Wunsiedel im Fichtelgebirge wird bis 2030 mit einem Einwohnerschwund von rund 20 Prozent rechnen müssen. Auch wenn Stuttgart mit einem ausgewiesenen Bevölkerungszuwachs von 14,5 Prozent zu den tendenziell boomenden Städten gehört, muss in Baden-Württemberg auch mit Einbußen gerechnet werden. So im Kreis Freudenstadt. Hier wird mit einem Bevölkerungsrückgang von über 11 Prozent eine ungünstige Entwicklung aufgewiesen.

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