Bilanzen Japans Handelsdefizit steigt auf Rekordhoch

Japans Handelsdefizit ist im März stärker als erwartet gestiegen. Der März war der 21. Monat in Folge, in der das Land weitaus mehr importierte als exportierte, wie die Regierung am Montag in Tokio mitteilte.

Zehn Vorurteile über Japan - und die Wahrheit
Japan ist nicht Asien!Als Inselreich gehört Japan selbst geografisch nicht hundertprozentig zu Asien. Und kulturell auch nur eingeschränkt. Wer Japan kennt, kann also nicht sagen, dass er Asien kennt. Das liegt vor allem daran, dass sich Japan zwischen dem frühen 17. Jahrhundert und 1854 fast völlig von Asien und dem Rest der Welt abkapselte. Nur über die kleine niederländische Handelsstation Dejima (Bild) im Hafen von Nagasaki wurden Waren und Informationen ausgetauscht. Aber Japan blieb dadurch auch verschont von westlichem Kolonialismus. Nach der Meiji-Restauration 1868 modernisierte sich Japan in atemberaubender Geschwindigkeit und wurde selbst zu einer in Asien expandierenden Großmacht. Quelle: Gemeinfrei
Japaner und Chinesen haben nicht dieselbe SchriftDie japanische Schrift ist eine einzigartige Mischung. Eigennamen werden zum Großteil mit chinesischen Schriftzeichen – Kanji – geschrieben. Die Japaner nutzen etwa 2000 dieser Zeichen.  Einige Wörter und vor allem Endungen und Partikel werden in der Lautschrift Hiragana geschrieben. Für die immer zahlreicher werdenden Fremdwörter nutzen Japaner eine eigene Silbenschrift: Katakana. Quelle: Fotolia
Japaner sprechen nicht von „Samurai“Der Begriff wird eher im Westen verwendet. Japaner sprechen meist von „Bushi“, wenn sie die Krieger des alten Japans meinen. Der Ehrenkodex der Krieger hieß daher „Bushidô“, also „Weg des Kriegers“. Mit einem gewissen Rapper der Gegenwart hat das überhaupt nichts zu tun. Quelle: Fotolia
Geishas sind keine ProstituiertenJapans Kurtisanen sind bewandert in allen schönen Künsten, oft mehrerer Sprachen mächtig und vor allem redegewandt. Sie lachen, scherzen, tanzen, musizieren und bewegen sich äußerst gekonnt, lassen dezent Haut blitzen oder auch nicht und verwöhnen den Gast mit erlesenen Gerichten und Alkoholika. Sie sind ein Stück japanische Tradition aber keinesfalls Prostituierte - das waren sie auch früher nicht. Quelle: dpa
In Japan gibt es ausgezeichnetes BierDas traditionelle japanische alkoholische Nationalgetränk ist "Sake". Ein milder Reiswein, der im Winter heiß, im Sommer kalt genossen wird. Seit der Öffnung des Landes im 19. Jahrhundert und dank der Unterrichtung durch deutsche Braumeister hat sich aber immer mehr das Bier als eigentliches Nationalgetränk im Alltag durchgesetzt. Vor allem zu Sushi passt Bier am besten. Quelle: AP
Anime und Manga sind kein KinderkramAnimationsfilme und japanische Comics haben sich längst auch bei erwachsenen Japanern durchgesetzt. Viele sind thematisch auch ganz und gar nicht für Kinder gedacht. Sie sind der größte Kultur-Export-Schlager Japans, nicht zuletzt in Deutschland. Die Wurzeln des Manga sind in der alten japanischen Holzschnittkunst zu suchen, den ukio-e. Quelle: dpa
Japaner lächeln nicht immerEs stimmt schon, Japan ist ein Land des Lächelns. In Geschäften, in Restaurants wird man als Kunde wohltuend freundlich behandelt, selbst bei unfreundlichen Anlässen. Aber wer mehr als ein paar Touristentage in Japan verbringt, wird schnell auch japanische Härte und sogar Unfreundlichkeit erleben. Japanische Zollbeamte zum Beispiel kennen kein Lächeln. Einen lächelnden Sumo-Ringer wird man auch nur selten finden – zumindest nicht beim Kampf. Quelle: REUTERS

Der schwache Yen und teure Energie-Importe lassen in Japan das Defizit in der Handelsbilanz immer weiter ansteigen. Im Fiskaljahr bis Ende März stieg das Defizit auf den Rekordwert von umgerechnet rund 97 Milliarden Euro, wie das Finanzministerium am Montag bekanntgab. Es war zugleich der 21. Monat in Folge, dass Japan mehr Waren und Dienstleistungen importierte als exportierte. Vor allem die Einfuhr von Energie, auf die das Land seit der Stilllegung seiner Atomkraftwerke nach der Fukushima-Katastrophe vor drei Jahren angewiesen ist, macht Japan zu schaffen. Die von der Regierung forcierte Yen-Schwäche verteuern diese zusätzlich.

Die enttäuschenden Daten schürten Sorgen vor einer größeren Flaute der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt nach den USA und China. Die Erhöhung der Mehrwertsteuer Anfang April dürfte auch den Binnenkonsum dämpfen. Viele Verbraucher haben Anschaffungen wegen der höheren Abgabe, mit der die Regierung die hohe Staatsverschuldung in den Griff bekommen will, bereits vorgezogen. Das wiederum dürfte den Druck auf die japanische Notenbank erhöhen, die ohnehin sehr laxe Geldpolitik noch weiter zu lockern. "Sollten die Exporte weiter stocken und der Konsum im April und Mai schwächer ausfallen als erwartet, könnte die Notenbank bereits im Juni oder Juli handeln", sagte Analyst Naoki Iizuka von Citigroup Global Markets. Die Zentralbank berät am 30. April das nächste Mal über ihre Politik. Dann steht auch der halbjährliche Wirtschaftsausblick an.

Die Daten zeigen auch die Kehrseite der Wirtschaftspolitik von Ministerpräsident Shinzo Abe. Der Regierungschef setzt auf einen schwachen Yen, um die Exportwirtschaft anzukurbeln. Hersteller wie Toyota oder Sony können ihre Produkte im Ausland günstiger anbieten. Auf der anderen Seite bewirkt die schwächere Landeswährung aber auch, dass in Dollar abgerechnete Importe teurer werden. Zudem kommen die Exporte nicht wie erhofft in Schwung. Im März legten die Ausfuhren mit einem Plus von 1,8 Prozent überraschend wenig zu. Experten hatten einen Zuwachs von 6,3 Prozent erwartet, im Februar gab es noch ein Plus von 9,8 Prozent. Dabei bekam die Wirtschaft der Exportnation vor allem die Konjunkturabkühlung in China zu spüren. Das Wachstum der Ausfuhren in die Volksrepublik verlangsamte sich auf 4,3 von 27,6 Prozent im Februar.

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Zugleich wuchsen die Importe mit 18,1 Prozent überraschend kräftig. Nach der Fukushima-Katastrophe nahm die Regierung zahlreiche Atomkraftwerke vom Netz, weshalb Japan derzeit auf Energie-Einfuhren angewiesen ist. Vor kurzem vollzog das Land jedoch die Kehrtwende und steigt wieder in die Kernenergie ein. Die Regierung verabschiedete einen mehrjährigen Plan, der Atomstrom als wichtige Energiequelle für die Grundversorgung ansieht. Konkrete Vorgaben, wie hoch der Anteil der Atomkraft in Zukunft haben soll, macht der Plan aber nicht.

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