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BIP-Revision Bürger sparen mehr und konsumieren weniger als bislang gedacht

BIP-Revision: Bürger konsumieren weniger als bislang gedacht Quelle: imago images

Alle fünf Jahre wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) umfassend revidiert. Das Ziel: Die wichtigste Kennzahl der deutschen Wirtschaft soll mit neuen Datenquellen und Rechenmethoden besser erfasst werden. Heute gab es dazu von den Bundesamtsstatistikern einige überraschende Details.

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Wirklich freuen kann sich Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) über diese Zahlen nicht: Das Niveau der Wirtschaftsleistung in Deutschland ist nach der aktuellen Generalrevision des deutschen Inlandsprodukts im Durchschnitt der letzten Jahre niedriger als bislang angenommen, die privaten Haushalte in Deutschland konsumieren weniger und sparen mehr und auch der öffentliche Schuldenstand ist wieder leicht gestiegen.

All dies geht aus Einzelheiten hervor, die das Statistische Bundesamt (Destatis) am Dienstag in Frankfurt vorstellte und die mit der aktuell schwächelnden Konjunktur eine neue Brisanz erhalten.

„Im Unterschied zur letzten Generalrevision 2014 ist Deutschland nun rechnerisch wieder ein bisschen ärmer“, sagte Albert Braakmann, Leiter der Abteilung Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung bei Destatis am Dienstag in Frankfurt.

Quelle: Statistisches Bundesamt

Konkret liegt das nominale BIP, das den Wert der in einem Land hergestellten Güter und Dienstleistungen misst, nach den revidierten Zahlen zwischen 1991 und 2018 um durchschnittlich 0,4 Prozent niedriger als bisher. Am aktuellen Rand der letzten drei Jahre ist das BIP-Niveau sogar deutlich stärker gesunken, um im Schnitt rund einen Prozentpunkt (siehe Grafik). In absoluten Zahlen heißt das etwa für 2018, dass das nominale BIP nach der neuen Berechnung um 42 Milliarden Euro niedriger ausfiel war und damit auf 3.344 Milliarden Euro schrumpfte. Wichtiger Grund für die Niveauverschiebung sind neue Datenquellen und Berechnungen vor allem beim privaten Konsum, die nun erstmals in das BIP einfließen.

Sparquote und Schuldenstand im Visier

Für eine große Volkswirtschaft wie Deutschland ist dieser Niveauverlust vorderhand keine dramatische Zahl. Seine Brisanz gewinnt er jedoch dadurch, dass sich dadurch auch andere, für die Wirtschaftspolitik wichtige Kenngrößen wie etwa der Schuldenstand Deutschlands, sein Spielraum für die Nettokreditaufnahme und die wirtschaftspolitisch viel beachtete Sparquote verändern.

Überraschend ist hier: Nach den neuen Zahlen der Bundesstatistiker liegt die Sparquote der privaten Haushalte (das Verhältnis der Ersparnisse zum Einkommen) im Schnitt der Jahre 1991 bis 2018 um 0,4 Prozentpunkte höher als bislang angenommen und hat im Jahr 2018 nunmehr 11,0 Prozent erreicht. Die Sparquote ist damit so hoch wie seit der ersten Hälfte der Neunziger Jahre nicht mehr. Das ist für die deutsche Wirtschaft, die sich gerade deutlich abkühlt, keine gute Nachricht. Denn je mehr die Haushalte eines Landes sparen, desto weniger geben sie für Konsum aus und bremsen so die Wirtschaft.

Simon Junker, stellvertretender Abteilungsleiter Konjunkturpolitik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die höhere Quote noch aus einem anderen Grund für kritisch: „In höheren Sparquoten spiegelt sich oftmals wider, dass die Einkommensentwicklung auseinandergeht.“ Dies liege daran, dass Hocheinkommensgruppen eine höhere Sparneigung hätten und als Gruppe in der Volkswirtschaft stärker würden. Für die Bundesregierung angesichts der sich abzeichnenden Konjunkturflaute ( minus 0,1 Prozent BIP-Wachstum im 2. Quartal zum Vorquartal) und anstehender Wahlen in Ostdeutschland ein heikles Thema.

Privater Konsum schwächelte

Mit der schwächeren Wirtschaftsleistung einher geht der schwächere private Konsum, der anhand neuer und aktualisierter Datenquellen etwa aus der Einkommens- und Verbraucherstrichprobe 2013 neu berechnet wurde. So wurden in der Revision 2019 Besserverdienende in der Hochrechnung stärker berücksichtigt, die Gesundheitsausgaben auf einer neuen Basis ermittelt, die Käufe digitaler Produkte im Ausland eingerechnet und Pauschalreisen und Pkw-Rechnungen anders berücksichtigt.

Auch hier lassen die Ergebnisse aufhorchen: Für das Beispieljahr 2016 ermittelten die Bundesstatistiker, dass der private Konsum um 25 Milliarden Euro niedriger ausgefallen ist als bis dato angenommen. Der Anteil der privaten Konsumausgaben an der Wirtschaftsleistung lag verwendungsseitig damit nur noch bei 52,6 Prozent statt bislang 53 Prozent.

Der Schuldenstand stieg hingegen durch die Revision um 0,8 Prozentpunkte auf 61,7 Prozent des BIP und liegt damit aktuell wieder etwas deutlicher über der 60-Prozent-Vorgabe der Europäischen Union.

All diese Zahlen für sich genommen sind noch nicht kritisch, könnten aber im Hinblick auf die schwächelnde Konjunktur Signalwirkung entfalten und die Diskussionen um den kräftigen Haushaltsüberschuss des Staates in Höhe von 45 Milliarden Euro im 1. Halbjahr 2019 entfachen. „Die Welt hat sich nicht schlagartig verändert, aber die Konturen des Bildes sind schärfer geworden“, sagt DIW-Volkswirt Junker. „Wirtschaftspolitisch stärkt das die Position derer, die Handlungsbedarf sehen.“

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