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Bundesbank-Prognose Deutsche Wirtschaft bleibt auf Kurs

Die Euro-Staatsschuldenkrise bremst die Konjunktur in Deutschland, den Aufschwung der deutschen Wirtschaft wird sie nach Überzeugung der Bundesbank aber nicht aufhalten - sofern sich die Krise nicht weiter verschärft.

Welche Experten das deutsche Wachstum überrascht hat
Sie hat die deutsche Wirtschaft überraschtDer damalige Wirtschaftsminister Rainer Brüderle präsentierte im Januar 2011 den Jahreswirtschaftsbericht. Darin schrieb sein Ministerium, der Aufschwung werde 2,3 Prozent ausmachen. Der FDP-Politiker sprühte vor Optimismus. Die Daten seien einfach nur „sensationell“: „Unser Land nimmt Kurs auf Vollbeschäftigung“. Zumindest in diesem Punkt lag er richtig, obwohl es sogar noch besser lief als er meinte. Quelle: Reuters
Näher dran zumindest als Dennis Snower, der nur von 2,0 Prozent ausging. Gleichwohl frohlockte der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) an Weihnachten 2010: „Die Zeichen stehen weiter auf Aufschwung“. Wegen der hohen Zahl der Exporte und der anspringenden Binnenkonjunktur resümierte er: „Ein Anstieg des realen Bruttoinlandsprodukts von zwei Prozent ist drin, wenn die Weltwirtschaft weiterhin mitmacht.“ Quelle: dpa
Ebenfalls um einen Prozentpunkt daneben lag Axel Weber, vor einem Jahr noch Präsident der Bundsbank. In einem Bericht zeigte sich die Bundesbank vom soliden Fundament der deutschen Wirtschaft beeindruckt. „Die Exporte werden zwar die Hauptantriebskraft des Aufschwungs bleiben, die außenwirtschaftlichen Impulse strahlen aber verstärkt auf die Binnenwirtschaft aus“, schrieb seine Behörde. Die Bundesbank fürchtete eine Eskalation der Euro-Krise - womit sie richtig lag. Quelle: dapd
In einem ähnlichen Rahmen bewegte sich auch die Prognose von Ferdinand Fichtner, Leiter der Abteilung Konjunkturpolitik des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Er sagte 2,2 Prozent voraus, weil die Krise im Euroraum die Konjunktur ausbremse. Die heimische Wirtschaft sei zwar ohne Massenentlassungen durch die Krise gekommen. „Die Lage ist aber nicht so günstig, wie sie aussieht“, sagte Fichtner. Quelle: dapd
Der Präsident des Münchner ifo-Institutes, Hans-Werner Sinn, rechnete mit 2,4 Prozent Wirtschaftswachstum. „Der Aufschwung geht kräftig weiter, wenn auch nicht mehr ganz so stürmisch wie dieses Jahr“, sagte Sinn im Dezember 2010 einer Zeitung. Die Konjunkturampeln stünden auf Grün. „Damit ist Deutschland die Konjunkturlokomotive Europas.“ Quelle: dapd
Die fünf Wirtschaftsweisen, mit ihrem Vorsitzenden Wolfgang Franz ganz rechts, sagten 2,2 Prozent voraus. Franz, Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim sagte, die Bäume würden konjunkturell nicht in den Himmel wachsen. Die Zahl der registrierten Arbeitslosen werde um rund 300.000 abnehmen und „jahresdurchschnittlich die Drei-Millionen-Grenze knapp unterschreiten“. Spiegelbildlich dazu werde sich die Anzahl der Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt um rund 300.000 auf 40,8 Millionen erhöhen, fügte Franz hinzu. Im Schnitt kamen 2011 sogar noch mehr heraus: 41,5 Millionen Erwerbstätige zählte das Statistische Bundesamt. Quelle: dapd
Etwas optimistischer als seine Kollegen im Sachverständigenrat äußerte sich Christoph M. Schmidt. Der Präsident des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, sagte: „Wir prognostizieren für 2011 eine Zunahme des Bruttoinlandprodukts um 2,5 Prozent.“ So sah es auch... Quelle: ap

Trotz der außergewöhnlich hohen Unsicherheiten bleibt die deutsche Konjunktur nach Überzeugung der Bundesbank auf Wachstumskurs. „Die Anpassungsrezession in einigen Ländern des Euroraums und der von der Staatsschuldenkrise ausgehende Vertrauensverlust haben zwar Spuren hinterlassen, der strukturell gute Zustand der deutschen Volkswirtschaft und die robuste globale Konjunktur haben aber die Oberhand behalten“, schreibt die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt veröffentlichten Monatsbericht.

Wachstum von 1,6 Prozent möglich
Nach einer vorübergehenden Schwächephase habe die Konjunktur in Deutschland wieder Fahrt aufgenommen. Allerdings habe die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung in den letzten Wochen erkennbar zugenommen. Nach der Prognose der Deutschen Bundesbank wird das Bruttoinlandsprodukt (BIP) im laufenden Jahr um 1,0 Prozent wachsen. „Unter der Voraussetzung einer anhaltenden Erholung der Weltwirtschaft und bei Ausbleiben einer Eskalation der Finanz- und Staatsschuldenkrise könnte sich das reale Wachstum im Folgejahr dann auf 1,6 Prozent verstärken.“
Allerdings bleibe abzuwarten, in welchem Ausmaß die jüngste Verschärfung der Staatsschuldenkrise im Eurogebiet und die Anzeichen für eine Abschwächung der globalen Konjunktur die Aussichten für die deutsche Wirtschaft belasten. Nach Überzeugung der Währungshüter widerspricht die jüngste Eintrübung der Indikatoren bisher aber nicht der Erwartung, dass die gesamtwirtschaftliche Dynamik nach einem schwächeren Frühjahrsquartal in der zweiten Jahreshälfte allmählich wieder anziehen könnte.

Umbau des Bankensektors nötig

Trotz sinkender Exportanteile bleibe die Entwicklung in den Partnerländern des Euro-Raums von besonderer Bedeutung für Deutschland, betonte die Bundesbank. Doch obwohl die von der Staatsschuldenkrise besonders betroffenen Ländern noch umfassendere Anpassungsmaßnahmen einleiten müssten als erwartet, rechnet die Bundesbank im weiteren Verlauf von 2012, spätestens aber 2013 zumindest mit einer Stabilisierung der wirtschaftlichen Entwicklung. Voraussetzung dafür sei allerdings eine glaubwürdige fiskalische Konsolidierungsstrategie und - wo gefordert - eine Restrukturierung und Rekapitalisierung des Bankensektors, die Vertrauen schafft.

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