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Chefvolkswirt Ulrich Kater "Bis vier Prozent Inflation möglich"

Deutschland wird in Zukunft mit besonders hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Vor allem in einer Branche werden die Preise steigen.

Ulrich Kater Quelle: Pressebild

WirtschaftsWoche: Herr Kater, die Inflationsrate in der Euro-Zone lag zuletzt bei 2,7 Prozent und überschreitet seit 16 Monaten das Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB). Wann kehrt wieder Normalität ein?

Kater: Gar nicht. Die Inflationsrate in der Euro-Zone wird auf absehbare Zeit Risiken nach oben ausgesetzt sein– und Deutschland dürfte künftig mit besonders hohen Teuerungsraten zu kämpfen haben. Preissteigerungen von bis zu vier Prozent werden bei uns die Regel sein.

Bis jetzt ist davon aber kaum etwas zu spüren. Die deutsche Inflationsrate ist zuletzt auf 2,1 Prozent gefallen.

Es geht erst in drei, vier Jahren richtig los mit der Inflation. Bis dahin ist die deutsche Binnennachfrage deutlich gestiegen. Es ist gleichzeitig viel Geld im System, von dem fraglich ist, ob es die EZB rechtzeitig und reibungslos wieder einsammeln kann.

Die EZB verleiht den Banken seit der Lehman-Pleite unbegrenzt Geld. Manche Auguren warnen bereits vor zweistelligen Inflationsraten.

Das ist übertrieben. Es sei denn, man meint die Preisentwicklung einzelner Sachwerte wie Wohnimmobilien oder Gold. Zweistellige Inflationsraten werden die Notenbanken vermeiden, denn dann würde die Staatsfinanzierung erst recht nicht mehr funktionieren.

Wieso? Die Euro-Staaten könnten von hohen Inflationsraten profitieren, indem sie sich durch negative Realzinsen geräuschlos entschulden.

Die meisten Euro-Staaten sind kurzfristig verschuldet. Die Anleger würden bei Neuemissionen aufgrund hoher Inflationserwartungen deutlich höhere Zinsen fordern. Deshalb sind die Staaten an einer schleichenden Entschuldung mit Zinsen von ein bis zwei Prozent und einer Inflation im Bereich vier bis fünf Prozent interessiert. So sind die Realzinsen negativ, aber die Inflationserwartungen laufen nicht aus dem Ruder.

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Wo konkret bekommen die Konsumenten die Inflation am stärksten zu spüren?

Vor allem die Preise für Dienstleistungen dürften anziehen. Die steigenden Immobilienpreise werden sich zudem auf die Mieten auswirken. Die Preise für Nahrungsmittel oder Elektronikartikel dürften hingegen stabil bleiben, da sie international gehandelt werden und dem internationalen Preiswettbewerb unterliegen.

Könnten zu großzügige Tarif-abschlüsse eine Lohn-Preis-Spirale auslösen?

Ich rechne 2012 mit einem Zuwachs von im Schnitt 2,8 Prozent. Aber das kann in den nächsten Jahren mehr werden.

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