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China Zwischen Kritik und Kniefall

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China-Versteher

Wen Jiabao Quelle: REUTERS

Das kann dennoch ganz informativ sein. Beim Thema Menschenrechte jedoch wird seine prochinesische Haltung problematisch. So macht er indirekt westliche Politiker oder das Nobelpreiskomitee mitverantwortlich für das harte Vorgehen der chinesischen Behörden gegen Oppositionelle, etwa im Fall des Nobelpreisträgers Liu Xiaobo oder des Künstlers Ai Weiwei.

Eine kleine Gruppe konservativer Politiker in der Führung nutze die westliche Kritik an den chinesischen Menschenrechtsverletzungen zum Rollback gegen die Reformer. Sieren macht sich deshalb die Position der Chinesen zu eigen, die sich jegliche Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas verbitten. Allenfalls "hinter verschlossenen Türen" sei Kritik statthaft.

"Wandel durch Annährung"

Und wenn ein Chinese den Nobelpreis verdient hätte, dann der Reformer Wen Jiaobao.

In solchen Passagen mutiert Sieren vom distanzierten China-Experten zum willfährigen China-Versteher. Dann klingt er wie weiland die Appeasementpolitiker, die glaubten, die aufsteigende Macht durch Entgegenkommen und Verständnis schon in die richtigen Bahnen lenken zu können.

Die westliche Politik solle sich im Umgang mit China an Willy Brandts Ostpolitik „Wandel durch Annäherung“ orientieren, meint Sieren denn auch und ruft Egon Bahr zu seinem Kronzeugen auf. Eine historisch einseitige Sicht. Als wäre die UdSSR allein durch Willy Brandts liebevolle sozialdemokratische Umarmung in die Knie gegangen  und nicht gleichzeitig auch dadurch, dass sie sich auf das Wettrüsten mit Ronald Reagan einließ und wirtschaftlich ausblutete.

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