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China Der große Wachstumsschub bleibt aus

China BIP-Wachstum fällt so schwach aus wie seit drei Jahren nicht mehr. Trotzdem sind deutsche Unternehmen optimistisch.

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Trotz Chinas schwächelndem Wirtschaftswachstum herrscht Optimismus bei den deutschen Unternehmen: Am 12.07.2012 eröffnete die DHL mit dem

Seit drei Wochen ist DHL-Chef Frank Appel schon in China unterwegs. Ein Höhepunkt seines Aufenthalts ist die Eröffnung des "North Asia Hub" in Shanghai am vergangenen Donnerstag. Die Metropole an Chinas Ostküste wird neben Leipzig, Cincinnatti und Hongkong die vierte große Drehscheibe des Logistik-Unternehmens. "Chinas Aufstieg ist in jeder Hinsicht gewaltig", sagte Appel zur Eröffnung. 143 Millionen Euro haben die Deutschen in das Paketzentrum nahe des Flughafens Pudong investiert, weitere 100 Millionen sollen in den nächsten Jahren folgen.

Am Tag darauf erscheinen die Quartalszahlen und einige Analysten sprechen bereits von der oft beschworenen "Soft Landing", der weichen Landung der chinesischen Wirtschaft. Schlechtes Timing für die DHL?

Um 7,6 Prozent ist die chinesische Wirtschaft im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahr gewachsen. Das ist keine Überraschung, bereits im Vorfeld der Bekanntmachung deutete vieles auf ein abgeschwächtes Wachstum hin - von einer seriösen Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter Ökonomen bis hin zu skurrileren Hinweisen: So ist zum Beispiel der Gewinnzuwachs der Casinos in Macao eng mit dem chinesischen Wirtschaftswachstum korreliert. Dort verpulvern reiche Chinesen nämlich ihr Geld. Die Rate liegt momentan nur wenig über den Tiefständen während der Finanzkrise 2008/2009.

Gründe für die Wachstumsschwäche

7,6 Prozent Wachstum wären in westlichen Industriestaaten Anlass zur Partystimmung. In China aber sorgt der Wert für Sorgenfalten. Zwar liegt das von der Regierung formulierte Wachstumsziel bei 7,5 Prozent und damit knapp unter dem tatsächlichen. Doch offizielle Ziele sind in China dazu da, übertroffen zu werden.

Auch andere Indikatoren verheißen nichts Gutes: Der Einkaufsmanager-Index verharrt seit einiger Zeit unter 50 Punkten. Am Freitag gab dann auch noch Vize-Premier Wang Qishan bekannt, dass das Ziel von zehn Prozent Handelswachstum vielleicht verfehlt werden könnte. Gründe für die Wachstumsschwäche sind die schwächelnde Exporte nach Europa, eine noch nicht recht anspringende Binnenkonjunktur und ein stagnierender Immobilienmarkt.

Unsicherheit bei Chinas Banken

Die Inflation dagegen, noch vor einem Jahr mit über fünf Prozent eines der größten wirtschaftlichen Sorgenkinder Pekings gilt mit 2,2 Prozent als gebändigt. Das gibt der Regierung immerhin Spielraum für eine expansivere Geldpolitik. Vergangene Woche senkte die Bank of China die Leitzinsen auf 6 Prozent - eigentlich ein positives Signal. Allerdings war dies die zweite Senkung innerhalb eines Monats, was eher auf Unsicherheit und Hektik hindeutete als auf kontrollierte Wachstumsimpulse. Auch die Mindesteinlagen für Banken (die Reserve Requirement Ratio "RRR") hat Peking bereits dreimal in Folge gesenkt.

Doch der große Wachstumsschub bleibt aus: Nach 8,1 Prozent Wachstum im ersten Quartal ist das der niedrigste Wert seit knapp drei Jahren. Damals brach die Weltkonjunktur im Zuge der Lehman-Pleite ein. Von den Schockwirkungen konnte sich die immer noch exportorientierte Wirtschaft Chinas nicht schützen: Rund 20 Millionen Wanderarbeiter waren quasi von einem Tag auf den anderen arbeitslos. Nichts fürchtete das auf Stabilität versessene Peking mehr als unzufriedene Bürger. Ein gewaltiges Konjunktur-Paket von knapp 500 Milliarden Euro bewahrte China und mitunter auch die Weltwirtschaft vor Schlimmeren. (Sie führten im Land allerdings auch zu einer Unmenge von faulen Krediten und Investitionen in sinnlose Infrastrukturprojekte.)

Vorwürfe wegen Zahlenmanipulation

Die größten deutschen Arbeitgeber in China
Knorr-Bremse Quelle: Screenshot
Heraeus Quelle: Foto: Heraeus
Henkel Quelle: Pressebild
Evonik Quelle: Pressebild
Bertelsmann Quelle: dapd
Schenker Quelle: dapd
Freudenberg Quelle: Pressebild

Dass es ein weiteres Mal zu einer solchen Finanz-Bazooka kommt, ist allerdings unwahrscheinlich, sagen die meisten Analysten: "Wir rechnen aber damit, dass Peking neue Infrastrukturprojekte auflegt und bereits vorhandene schneller ausbaut", heißt es zum Beispiel bei Merryl Lynch.

Mehr Grund zur Besorgnis allerdings liefert etwas anderes: Es gibt Anzeichen, dass die BIP-Zahlen manipuliert sind. So veröffentlichte die New York Times vor einigen Tagen einen Artikel, der für Wirbel sorgte: Ein Land, das seine Elektrizität zu zwei Dritteln aus Kohle gewinnt, müsste bei steigendem Wachstum, also steigendem Stromverbrauch, auch mehr Kohle verbrennen. Dies ist allerdings nicht der Fall. Lokale Offizielle würden gefälschte Zahlen an Peking liefern, um sich keinen Ärger aus der Zentrale zu holen. (Die Haupteinnahmequelle vieler finanzschwacher Kommunen sind ohnehin Landverkäufe.) Ein bis zwei Prozent Wachstum, so Experten, könnten auf diese Art und Weise manipuliert sein.

Alles in allem also besorgniserregende Nachrichten.

Analysten und Chinesen bewegen die Kurse

Den deutschen Unternehmen in China geht es gut

Gleichzeitig aber berichtet kaum ein deutsches Unternehmen in China von Problemen. DHL eröffnet ein neues Drehkreuz. Am Tag darauf vermeldet Volkswagen, in der ersten Jahreshälfte 2012 1,3 Millionen Fahrzeuge in China abgesetzt zu haben, immerhin ein Zuwachs von 17,5 Prozent. Laut einer am 27. Juni veröffentlichten Umfrage der Außenhandelskammer in China erwartet die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen höhere Umsätze und Gewinne.

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Woher also diese Differenz? Die neuesten Zahlen aus China sind sicherlich kein Grund zum Jubel. Das Ende des China-Booms aber bedeuten sie auch nicht. Denn Chinas Wirtschaft schrumpft nicht, sie verändert sich: Immer mehr Betriebe automatisieren ihre Produktion und werden effizienter. Löhne und Gehälter steigen. Produkte werden konkurrenzfähig. Zumindest in den Städten der hoch entwickelten Ostküste ist die Infrastruktur mit der westliche Länder vergleichbar (und manchmal sogar besser). Gerade aber von einer höher entwickelten Wirtschaft profitieren die rund 5.000 deutschen Unternehmen in China - viele von ihnen mittelständische Betriebe. Sie stellen die Maschinen her, mit denen China seine Fabriken automatisiert, bauen Pumpen für Pipelinehersteller oder fertigen Messgeräte für chinesische Krankenhäuser. Diese Unternehmen machen Gewinne - unabhängig davon, ob die chinesische Wirtschaft mit sieben, acht oder neun Prozent wächst.

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