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Coronakrise Gesunde Wirtschaft – gesunde Bürger

Gesunde Wirtschaft – gesunde Bürger Quelle: imago images

Nicht nur Menschen können schwer erkranken. Auch Wirtschaft und Gesellschaft können kollabieren. Und politische Entscheidungen, die heute Leben retten, können morgen (andere) Leben gefährden. Ein Gastbeitrag.

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Wie lange noch wird es dauern, bis der Ausnahmezustand vorbei und der Normalfall zurück ist? Gibt es zum Lockdown des öffentlichen Lebens keine Alternative(n), die einen Kollaps des Gesundheitswesens und ein Massensterben (besser) verhindern könnte(n)? Das sind die brennenden Fragen in Zeiten des Coronavirus. Welchen Beitrag kann die Ökonomik bei der Beantwortung liefern?

Die Analyse der Fakten

Empirisches Arbeiten folgt, unabhängig von der Disziplin, allgemein akzeptierten Grundsätzen. Werden Daten und Fakten korrekt gesammelt und statistisch nach dem aktuellen wissenschaftlichen Standard aufgearbeitet? Werden Hypothesen über Wenn-dann-Beziehungen logisch schlüssig, konsistent und widerspruchsfrei formuliert? Erfüllen die empirischen Tests alle statistischen Erfordernisse an Unabhängigkeit, Zuverlässigkeit, Gültigkeit, Übertragbarkeit – sind die Ergebnisse robust gegenüber Änderungen bei Annahmen, Hypothesenbildung? Oder sind sie sensitiv und verlieren ihre Schlüssigkeit, wenn an den Schrauben von Theorie, Empirie und Prognose gedreht wird? Wie weit sind Ergebnisse die Folge der Annahmen oder kultureller, gesellschaftlicher, wirtschaftlicher oder politischer Eigenarten, die jedoch von Bevölkerung zu Bevölkerung, von Land zu Land und von Periode zu Periode variieren können, aber nicht müssen?

Das sind die Fragen, die ganz grundsätzlich und disziplinunabhängig der Praxis guten wissenschaftlichen Arbeitens entsprechen. Sie werden dann von allerhöchster Wichtigkeit, wenn es in Masse um Tod oder Leben, Sein oder Nichtsein von Gesellschaften geht. Werden Fakes als Fakten und Glaubenssätze als wissenschaftliche Prognosen eingestuft, kann das katastrophale Folgen haben und einzelne Menschen, aber auch ganze Gesellschaften ins Verderben stürzen. Sollten in so schwierigen Zeiten weitreichende politische Entscheidungen eher auf Gefühlen und Meinungen als gesicherten Erkenntnissen und Wissen basieren, steigt das Risiko, einem falschen Kompass zu folgen. Gute Politik und gutes Regieren sind gerade in Krisenzeiten mehr denn je auf gute wissenschaftliche Beratung angewiesen.

Die Analyse der Prognosen

An dieser Stelle zeigt sich ein fundamentales Problem der Coronakrise. Für Prognosen fehlt es an historischer Erfahrung, die eine Extrapolation in die Zukunft zulässt. Wie schwerwiegend bis tödlich für einzelne Altersgruppen die Erkrankung verläuft, in welchem Ausmaß und mit welchen Langzeitfolgen Jüngere anders als Ältere betroffen sind, ist unter Experten umstritten. Genauso besteht Unsicherheit, ob und wie gesundete Erkrankte erneut infiziert werden können, wie hoch die Dunkelziffer der unentdeckt Infizierten ist oder wann ein Impfstoff zur flächendeckenden Anwendung verfügbar sein wird.

Und schließlich bleibt das Wissen mangelhaft, welches Gewicht welchen Vorerkrankungen oder individuellen Verhaltensweisen wie beispielsweise dem Nikotinkonsum zukommt.
Pandemien setzen alte Gesetzmäßigkeiten von einem Tag auf den anderen außer Kraft. Sie verursachen Folgeeffekte, für die es keine Blaupausen gibt. Somit helfen alte Prognosemodelle nicht weiter. Sie führen in die Irre und zu falschen Folgerungen. Eher lässt sich mit Simulationsmodellen durchspielen, wie sich verschiedene politische Maßnahmen auswirken könnten.

Die Analyse der politischen Maßnahmen

Bereits eine einfache Überschlagsrechnung erlaubt es abzuschätzen, was ein Lockdown wirklich für die Wirtschaft bedeutet. Die Jahreswertschöpfung in Deutschland beläuft sich auf 3,4 Billionen Euro. Wird angenommen, dass in der aktuellen Situation einer sozialen Isolation noch etwa die Hälfte der Wirtschaft leistungsfähig bleibt, ergibt sich pro Monat eines anhaltenden „Shutdowns“ ein Minus von rund vier Prozent oder 143 Milliarden Euro. Das ist keine Bagatelle, sondern ein Schock. Vor allem Klein- und Familienbetriebe, Selbständige, Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants, Hotels und Reiseveranstalter aber auch Berater, Trainerinnen, Coaches, Kultur- und Sportbetriebe dürften davon besonders hart getroffen werden.

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