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Coronakrise Umsatz der Wirtschaft bricht ein, aber Kauflaune wächst

Trotz weiter geschlossener Läden und Restaurants hellt sich die Stimmung der deutschen Verbraucher leicht auf. Quelle: dpa

Der Lockdown und die Mehrwertsteuererhöhung haben das Wachstum der deutschen Wirtschaft beendet. Damit steigen erneut die Pleiterisiken, vor allem im Einzelhandel. Immerhin: Die Kauflaune der Deutschen steigt an.

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Der anhaltende Lockdown und die Rückkehr zur alten Mehrwertsteuer haben die Aufholjagd der deutschen Wirtschaft im Januar abrupt beendet. Industrie, Bau, Handel und Dienstleister machten zusammen 8,6 Prozent weniger Umsatz als im Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Seit dem Tiefpunkt im April 2020 war er acht Monate in Folge gestiegen - zuletzt im Dezember um 3,9 Prozent. Inzwischen liegt der Umsatz wieder um 3,7 Prozent unter dem Niveau vom Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie in Deutschland.

„Ein Teil dieses großen Minus dürfte darauf zurückzuführen sein, dass seit Anfang des Jahres wieder die höheren Mehrwertsteuersätze gelten“, sagte Commerzbank-Ökonom Ralph Solveen. Viele Käufe wurden offenbar vorgezogen, um noch Preisnachlässe durch die von 19 auf 16 Prozent beziehungsweise von sieben auf fünf Prozent gesenkten Steuersätze mitzunehmen. Diese Einnahmen fehlen nun. „Aber auch wenn man diesen Effekt berücksichtigt, zeigen die Zahlen einmal mehr, dass die seit Mitte Dezember verschärften Einschränkungen die deutsche Wirtschaft spürbar bremsen“, sagte Solveen.

Damit zeichnet sich ab, dass das Bruttoinlandsprodukt im laufenden ersten Quartal merklich sinken dürfte. Die Ökonomen der Deutschen Bank gehen davon aus, dass es um 2,0 Prozent zum Vorquartal schrumpfen wird. Die Commerzbank erwartet ein Minus von 1,8 Prozent. Ende 2020 hatte es noch zu einem Plus von 0,3 Prozent gereicht, da steigende Exporte und Bauinvestitionen den Rückgang beim privaten Konsum mehr als wettmachten.



„Allerdings dürfte ab dem Frühjahr eine merkliche Erholung einsetzen, wenn höhere Temperaturen und fortschreitende Impfungen die Pandemie zurückdrängen und eine spürbare Lockerung der Einschränkungen ermöglichen werden“, sagte Solveen. Der Frühindikator für den Konjunkturverlauf der gewerblichen Wirtschaft wird aus den monatlichen, allerdings noch unvollständig vorliegenden Umsatzsteuervoranmeldungen ermittelt. Er ermöglicht dadurch frühzeitige Aussagen zur Umsatzentwicklung, noch bevor die amtlichen Ergebnisse aus den Erhebungen nach Wirtschaftsbereichen vorliegen. Die Daten werden um Saison- und Kalendereffekte bereinigt, nicht jedoch um Preiseffekte.

Kauflaune steigt leicht - Dennoch fürchten viele Händler das Aus

Trotz weiter geschlossener Läden und Restaurants hellt sich die Stimmung der deutschen Verbraucher leicht auf. Die Nürnberger GfK-Marktforscher sagen für März einen Anstieg ihres Konsumklima-Barometers um 2,6 auf minus 12,9 Punkte voraus. „Die Verbraucher erholen sich etwas von dem Schock, der sie nach dem harten Lockdown Mitte Dezember erfasst hat“, sagte GfK-Fachmann Rolf Bürkl am Donnerstag. „Die zuletzt gesunkenen Infektionszahlen und die angelaufenen Impfaktionen nähren die Hoffnungen auf eine baldige Lockerung der Maßnahmen.“ Hierzu dürfte auch die Aussicht auf mehr Corona-Schnelltests beitragen.

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Doch dem Einzelhandel nützt mehr Konsumlaune kaum, wenn die Geschäfte geschlossen bleiben. Ohne weitere Staatshilfen sehen sich rund die Hälfte der Unternehmen 2021 in Insolvenzgefahr, warnt der Lobbyverband HDE. „Wir brauchen passgenaue und schnelle staatliche Unterstützung und vor allem eine Öffnungsperspektive, sonst wird in vielen Innenstädten in den kommenden Wochen eher das Licht ausgehen“, sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in Berlin. Bund und Länder müssten kommende Woche dringend eine Öffnungsstrategie beschließen. Ein Stufenplan sei für den HDE denkbar. „Wir brauchen jetzt den Einstieg in den Ausstieg“, mahnte Genth. „Es geht jetzt im Einzelhandel um alles“, sagte der Chef des Buchhändlers Thalia, Michael Busch. „Wer jetzt noch lebt, der wackelt.“ Busch forderte eine Öffnung des Handels ab 8. März.

Mehr zum Thema: In Europa ist eine Debatte über einen Schuldenschnitt für die Staaten der Euro-Zone durch die EZB entbrannt. Noch weigert sie sich, einen Schuldenerlass in Erwägung zu ziehen. Warum sich das ändern könnte.

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